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Kevin allein zu Haus: Torhüter Trapp in der Kabine. 

SGE-Training

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter und der Duft von frischem Gras

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Nach der Quarantäne sind die Eintracht-Profis zurück auf dem Rasen und Trainer Adi Hütter sieht „ein kleines Licht am Ende des Tunnels“.

Frankfurt - Vor drei Monaten, Anfang Januar im USA-Trainingslager in Florida, trieb viele im Umfeld von Eintracht Frankfurt noch die Systemfrage um. Sollte der hessischen Bundesligist in der Rückrunde lieber weiter auf die erprobte Dreierabwehrkette setzen oder den Sturzflug mithilfe von vier Verteidigern stoppen? Adi Hütter, der entscheidende Mann für solche Themen, entschied sich für die zweite Variante, was dann ja auch einigermaßen ordentlich in den darauffolgenden Wochen klappte. Zumindest schafften es die Frankfurter bis zur Corona-Pause Mitte März vermehrt wieder Stabilität in ihr Spiel zu integrieren.

Was das alles mit dem Hier und Jetzt zu tun hat? Nun, gestern präsentierte sich der Frankfurter Trainer erstmals seit dem Zwangsstopp wieder der Öffentlichkeit. Rund neun Minuten lang sprach Hütter mit einem Mitarbeiter der vereinseigenen Medien über die zurückliegenden Tage in Quarantäne und die bevorstehenden auf dem Trainingsplatz. Er hatte für das Videotelefonat ganz offenbar seinen Trainerraum in der Arena aufgesucht. Im Fokus der Kamera postierte sich also Adi Hütter, im Hintergrund hing eine Taktiktafel an der Wand. Die elf roten Magnete, die die Spieler imitieren sollten, waren aufgereiht im 3-4-3-System (plus Torhüter). Ein unfreiwillig offenbarter Fingerzeig für die Post-Corona-Zeit? Möglich, aber doch unwahrscheinlich.

Denn ziemlich sicher wird Adi Hütter in der fußballfreien Zeit nicht seinen Plan erneut umgeworfen haben, der eigenen Aussage nach hat er sich aber immerhin zuletzt wieder vermehrt damit beschäftigt. Er habe viel nachgedacht über sich, und vor allem über seinen Job als Cheftrainer der Eintracht, verriet der Österreicher: „Ich bin ein Mensch, der immer wieder versucht, zu reflektieren. Aufgrund unseres tollen Analyseteams, das uns die Spiele zur Verfügung gestellt hat, konnte ich mich viel damit beschäftigen“, sagte Hütter. Außerdem habe er sich mit seinen restlichen Trainerkollegen sowie Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner regelmäßig ausgetauscht.

Zeit genug hatte Hütter jedenfalls, wie auch einige seiner Spieler musste er zuletzt allein in seiner Wohnung verharren, zur Familie in Salzburg konnte er lediglich via digitale Medien Kontakt halten. „Es ist klar, dass die Situation auch für meine Familie nicht leicht ist und wir uns gegenseitig sehr vermissen.“

Der 50-Jährige suchte sich andere Beschäftigungen, Lesen zum Beispiel, oder Kochen. „Früher war ich ein großer Fan von Nudeln, aber wenn man älter wird, versucht man, an Körper und Geist zu arbeiten – dafür habe ich die Quarantäne nutzen können. Ich habe viel Salat und Gemüse gegessen, um mich fit zu halten. Es hat Spaß gemacht, am Herd zu stehen.“ Vorbildlich.

Seit Donnerstag sind die meisten Spieler und Trainer der Eintracht raus aus der Quarantäne, die vierzehntägige Isolation nach Bekanntwerden von vier Covid-19-Fällen ist vorbei. Gestern eilten die Profis dann auch erstmals wieder zum Trainieren in den Stadtwald. Zu zweit wurden auf dem Trainingsplatz einigen lockere Übungen mit dem Ball vollführt, auch die Kabinen wurden unterteilt, um möglichst wenig Berührungspunkte zwischen den Berufsfußballern zu haben. „Natürlich fehlen die größeren Trainingsgruppen, in denen auch Zweikämpfe stattfinden“, sagte Hütter, aber „ich freue mich, dass wir die Möglichkeit haben, ganz individuell mit den Jungs zu reden und zu trainieren“. Man ist dieser Tage auch mit kleinen Fortschritten zufrieden.

Adi Hütter fasst das wie folgt zusammen: „Wir sehen gerade ein kleines Licht am Ende des Tunnels. Es ist einfach eine Freude, auf dem Platz zu stehen, den frischen Rasen zu riechen und gegen den Ball zu treten.“

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