Eintracht Frankfurt (SGE): Djibril Sow - eine erste Bilanz
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Kann auch marschieren: Djibril Sow verfolgt von André Silva. 

Doppelter Pfostentreffer

Eintracht Frankfurt: Die Hinrundenbilanz des Djibril Sow

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Der Neuzugang hat die Erwartungen von Eintracht Frankfurt in der Hinrunde nicht erfüllt. Nun wird es vor allem auf seine mentale Stärke ankommen.

Es war jetzt wirklich keine besonders wichtige Szene, aber dennoch eine besonders bezeichnende. Trainer Adi Hütter hatte seine fußballspielenden Schützlinge von Eintracht Frankfurt längst von ihren Pflichten auf dem Übungsplatz im Camp an Floridas Westküste entlassen, wer wollte, durfte gemächlich zurücktrotten ins Mannschaftshotel in der IMG Akademie in Bradenton. Die meisten jedoch wollten nicht, lieber versammelten sie sich in Kleingruppen an den beiden Toren. Noch ein paar Abschlüsse sollten es sein. Auf der einen Seite die stürmende Fraktion um Bas Dost, Goncalo Paciencia und André Silva, auf der anderen der Rest – unter ihnen auch Djibril Sow.

Dort ereignete sich auch eben jene nicht allzu wichtige, aber bezeichnende Szene. Vom rechten Flügel flankte Danny da Costa einen Ball präzise in den Strafraum hinein, Sow joggte der Kugel entgegen, sprang hoch und köpfte ohne Gegenspieler nahezu perfekt in Richtung Kasten. Der Ball flog aus zehn Metern Entfernung, und flog und flog und klatschte gegen den linken Innenpfosten. Pech, doch nicht das Ende. Denn vom linken Pfosten sprang der Ball die Linie entlang, hinter dem Rücken des Keepers vorbei bis ans Stangenpendant auf der rechten Seite. Doppelpech. Und bezeichnend für die bisherige unglückliche Saison von Djibril Sow.

Eintracht Frankfurt: Sow kam mit Vorschusslorbeeren

Der Schweizer Internationale kam vor der Spielzeit mit reichlich Vorschusslorbeeren nach Frankfurt. Schnell, dynamisch, mit Zug zum Tor – so lauteten die ersten Einschätzungen über den zentralen Mittelfeldmann, der mit den Young Boys aus Bern zweimal Meister geworden war und es bis zum Nationalspieler (sechs Länderspiele) geschafft hatte. Auch Chef Hütter, das ist kein Geheimnis, stand und steht noch immer auf die Spielweise des in Zürich geborenen Sow. Diesen als einen seiner Lieblingsspieler zu bezeichnen, auch wenn Hütter das öffentlich wohl nie so bestätigen würde, ist gewiss kein allzu großes Wagnis.

Bloß: Bei allem zweifelsohne vorhandenen Talent konnte Sow in der Hinrunde die Erwartungen nur sehr selten erfüllen. 21 Einsatzchancen bekam Djibi, wie er von den Kollegen auf dem Platz gerufen wird. Sechsmal durfte er in der Europa League ran, 15-mal in der Liga. Der Schweizer mit senegalesischen Wurzeln verpasste in der deutschen Eliteklasse damit nur die ersten beiden Spieltage, für die er wegen eines Sehnenanrisses in der Vorbereitung nicht rechtzeitig fit geworden war.

Er bereitete zwei Treffer vor und schoss einen selbst – das zwischenzeitliche 2:0 beim 5:1-Ausrufezeichen gegen den FC Bayern. Es war gleichzeitig sein bestes Spiel und eigentlich auch das einzige, in dem er so richtig zu überzeugen wusste. Denn statt wie von der Eintracht erhofft dynamisch nach vorne zu marschieren und gegnerische Mittelfeldgegner raschen Schrittes abzuschütteln, wählte der Neun-Millionen-Euro-Neuzugang zu häufig den anderen Weg, den vermeintlich sicheren, den duckmäuserischen. Sicherheitspass folgte auf Sicherheitspass.

Schon beim ersten Startelfeinsatz in Augsburg kickte Sow unterirdisch, Trainer Hütter erlöste ihn nach 45 Minuten mit der Auswechslung. Zwar wurde es in den Wochen danach besser, so richtig befreit spielte Sow aber fast nie auf. Es war schon aus der Ferne zu erkennen, wie es im Inneren des Spielers rumorte, wie er mit sich selbst haderte. Sow, ein kluger, junger und dazu noch äußerst freundlicher und eloquenter Mann, machte sich ganz offensichtlich zu häufig einen Kopf, er wusste ja, dass er nicht das Optimale aus sich herausholte. Ein lähmender Teufelskreis.

Eintracht Frankfurt: Sow ging die Kraft aus

Als schließlich in der Schlussphase der Hinrunde, bestimmt auch bedingt durch zu viele Einsätze in der Frühphase der Runde nach einer unvollständigen Vorbereitung (ähnlich wie bei Sebastian Rode), auch noch mehr und mehr die Puste ausging, klappte quasi nichts mehr. „Es ist eine Frage der Kraft. Es ist das erste Mal für mich, dass ich so viele Spiele hintereinander hatte“, sagte der Spieler nach der Niederlage auf Schalke und stand abschließend gegen Köln und Paderborn nicht mehr in der Startelf. „Man ist einfach nicht so spritzig, wie man es sein kann. Es ist einfach schade und man merkt, dass das Selbstvertrauen nicht mehr da ist“, sagte er.

Nun haben sie bei der Eintracht völlig zurecht noch längst nicht die Hoffnung aufgegeben, dass Sow sein Potenzial noch ausschöpfen wird. Zum einen ist er natürlich erst 22 Jahre jung, da ist es sicher nicht ungewöhnlich, mit wachsendem Druck nicht immer wie ein erfahrener Hase umgehen zu können. Zum anderen bringt Sow ja grundsätzlich jene Qualitäten mit, die gerade in einem 4-4-2-System von Bedeutung sein könnten.

Stellt Coach Hütter am Ende der Vorbereitung tatsächlich auf die gerade im Training ausprobierte Formation um, opfert er also einen Zentrumsspieler im Mittelfeld, braucht es dort in der Zentrale des Feldes noch laufstärkere Spieler als ohnehin zuvor. Makoto Hasebe etwa, beim Rückrundenauftakt am 18. Januar gegen Hoffenheim gerade 36 Jahre alt geworden, wäre da sicher nicht die Optimalbesetzung. Gelson Fernandes wird zudem ja länger wegen seiner Sehnenverletzung am Hüftbeugen passen müssen. Entsprechend wäre es alles andere als überraschend, würde Hütter an der Seite von Stammkraft Sebastian Rode seinem Liebling Sow eine nächste Chance gewähren. Auch in Florida im Trainingslager lässt der Coach dieses Duo häufig nebeneinander üben, Hinrundenbackup Dominik Kohr rotiert auch weiterhin eher ab und zu während der Trainingseinheiten in die vermeintliche Startelf hinein.

Drei Männer für zwei Jobs also, da scheint Einsatzzeit garantiert, wenngleich natürlich Hasebe in Abwesenheit der Verletzten Fernandes und Lucas Torro gelegentlich aushelfen könnte. Dann wiederum würde der Japaner aber in der Abwehr fehlen. Entsprechend ist eine Verpflichtung von Innenverteidiger Jesus Vallejo weiterhin ein Thema. Vor allem soll der Spanier selbst gewillt sein, sich der Eintracht anzuschließen.

Übrigens: Es gab da auch noch eine zweite, eigentlich recht unwichtige Szene: Diesmal war es eine Flanke von links, in die Mitte gedroschen von Filip Kostic. Djibril Sow nahm sie volley mit der rechten Innenseite und haute den Ball ins Netz. Ob sie auch bezeichnend für die Rückrunde sein wird, muss sich jedoch erst noch herausstellen.

Von Daniel Schmitt

Martin Hinteregger spricht im exklusiven Interview mit fr.de über seine Wünsche für 2020, Kritik an seinem Torjubel und die Laufbahn als Eishockeyspieler beim HC Köttern 2. Im Testspiel gegen Herta BSC muss sich die SGE 1:2 geschlagen geben. Daichi Kamada muss verletzt ausgewechselt werden. Max Reh lebt derzeit in den USA. Das hält den Fan von Eintracht Frankfurt aber nicht davon ab, alle Spiele der SGE zu verfolgen.

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