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Leere Ränge, miese Leistung: So war es beim letzten Geisterspiel gegen Basel im März, Ergebnis: 0:3.

Spiele ohne Fans

Eintracht Frankfurt und die Geisterspiele: Mehr Risiko als Chance 

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Für den hessischen Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt wäre eine Fortführung dieser Saison mit Geisterspielen kein Vorteil, weil die Mannschaft von ihren Fans lebt.

  • Eintracht Frankfurt trainiert weiter in kleinen Gruppen
  • Coronavirus sorgt für Geisterspiele: keine Partien vor Zuschauern
  • Spiele ohne Zuschauer kommen Eintracht Frankfurt nicht gelegen

Nach der letzten Niederlage in diesem noch jungen, aber so höchst seltsamen Jahr und vor der verordneten Zwangspause hat die Frankfurter Rundschau so ein bisschen die Alarmglocken schrillen lassen. „Eintracht Frankfurt im freien Fall“, titelte sie, einhergehend mit der guten Empfehlung: „Die vorübergehende Aussetzung des Ligabetriebs sollte Eintracht Frankfurt dazu nutzen, sich neu aufzustellen.“ Das war vor ziemlich genau sechs Wochen, nach dem ernüchternden 0:3 gegen den FC Basel, seitdem ist nichts mehr, wie es einmal war, und damals ahnte man höchstens dunkel, welch massive Einschnitte Corona in die Welt setzen würde, natürlich nicht nur, aber auch im Fußball.

Mit dem „neu aufstellen“ ist es also nichts geworden, vielmehr ging es alsbald in Quarantäne, schließlich Shutdown, andernorts Lockdown und Lernen der Termini wie Flatten the Curve. Fußball, Europa League, Bundesliga, DFB-Pokal-Halbfinale, gegen Bayern München sogar? Ganz weit weg.

Eintracht Frankfurt: Training in kleinen Gruppen

Seit drei Wochen ist die Eintracht zumindest auf den Platz zurückgekehrt, Coach Adi Hütter bittet zum Training in kleinen Gruppen, die Hygiene- und Abstandsregelung sollen so gut wie möglich gewahrt werden, weshalb kein reguläres Üben möglich ist. Torabschlüsse, Passfolgen, Dribblings im Parcour stehen auf dem Plan, selbstverständlich auch genügend Laufeinheiten. Fit sollen sie ja sein, die Fußballer, am Tag X, wenn es denn wirklich wieder losgehen sollte im Mai, ob am 16. oder 23. oder wann auch immer.

Klar ist, dass es in dieser Saison ganz sicher keine Partien mehr mit Zuschauern geben wird, die kommenden zehn Begegnungen werden sogenannte Geisterspiele sein, da ist der Name Programm, die ganze Angelegenheit sehr wohl gruselig – auch ohne Corona.

Eintracht Frankfurt ist auf die Unterstützung des Publikums angewiesen

Für Eintracht Frankfurt, da muss man keine Unke sein, liegt in der Neuaufnahme dieser Spielzeit, wenn es denn so kommen sollte, mehr Risiko als Chance. Das liegt an mehreren Faktoren. Zuvorderst daran, dass die Hessen wie kaum ein anderes Team in der Liga auf die Unterstützung ihrer frenetischen Fans angewiesen sind. Die lauten Anhänger auf den Rängen verleihen den Fußballern auf dem Rasen Flügel, die zweite und manchmal auch dritte Luft; mit Rückenwind ist die bedingungslose Unterstützung im Frankfurter Tollhaus nur unzureichend beschrieben.

Erst jüngst schwadronierte Danny da Costa von diesem Effekt auf den Kontrahenten, der oft genug „eingeschüchtert“ gewesen sei. Und der österreichische Verteidiger Maximilian Wöber gestand nach der 1:4-Klatsche des FC Salzburg im Hinspiel des Europapokalsechzehntelfinals im Stadtwald: „Ich hatte das Gefühl, dass die Mannschaft Angst hatte.“

SGE: Gelson Fernandes mag keine Spiele ohne Zuschauer

Kein Zufall ist daher auch, dass die Eintracht in der Heimtabelle der Bundesliga auf Rang sechs liegt, sie hat den Meister Bayern München mit 5:1 demontiert, Spitzenklub Bayer Leverkusen zerlegt (3:0) und gegen Emporkömmling RB Leipzig gleich zweimal reüssiert, einmal in der Liga (2:0), einmal im Pokal (3:1). Im Auswärtsklassement liegt sie hingegen mit sieben Punkten auf Rang 18, sie hat nur zweimal gewonnen (bei Union Berlin, in Hoffenheim), dafür aber schon neun Pleiten kassiert, zuletzt zwei empfindliche nach desaströsen Darbietungen, 0:4 in Dortmund, 0:4 in Leverkusen – schlechter als die Eintracht ist in der Liga in der Fremde niemand.

Wenn die Spiele also wieder starten sollten, dann, das hat MittelfeldakteurGelson Fernandes unlängst im Gespräch mit der FR festgestellt, wird es immer so sein, „als spielten wir auswärts. Dessen sollten wir uns bewusst sein.“ Man muss ergo kein Interpretationskünstler sein, um zu erahnen, dass Partien ohne Besucher und in einer eigenartigen Atmosphäre für die Eintracht eher kein Vorteil sein werden.

SGE-Geisterspiel gegen Basel: Eine leblose Vorstellung 

Zumal die Frankfurter schon Erfahrungen mit Begegnungen ohne Unterstützung gemacht haben. In der Europa League gegen den FC Basel, dem letzten Spiel vor dem Beginn der Corona-Restriktionen, das war am 12. März, haben sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine harm- und leblose Vorstellung gezeigt und folgerichtig 0:3 verloren – gegen eine mittelmäßige Schweizer Mannschaft wohlgemerkt. Da traten die ganzen Defizite zutage, da konnte man erkennen, ohne dass es zu kaschieren gewesen wäre, dass das Team sehr wohl ein Qualitätsproblem hat und im gesamten Gefüge einiges im Argen liegt.

Auch gegen Union Berlin blieb der Support der lautstarken Anhänger in der Nordwestkurve wegen der Proteste gegen Montagsspiele aus – prompt verlor das Ensemble vom Main mit 1:2. „Gegen Union waren die Fans nicht da – und das war nichts“, sagt Abräumer Fernandes. „Gegen Basel war kein Zuschauer da – und es war wieder nichts. Ich möchte keine Angst machen, aber wir müssen aufpassen.“

Zumindest kann sich die Mannschaft und das Trainerteam gedanklich auf die neue Situation einstellen, denn natürlich spielen bei diesem Phänomen auch die Psyche und das Unterbewusste eine Rolle. „Die Zuschauer hier geben uns ungeheuer viel Kraft, da geht vieles von alleine“, befindet Gelson Fernandes. „Für uns ist es ohne Anänger brutal schwer. Gegen Freiburg ohne Fans, Mainz, Schalke – das ist alles nicht so leicht, die Spiele sind eng, und der Abstand nach hinten ist nicht so groß.“

Sechs Zähler rangiert die Eintracht vor dem Relegationsrang, der Trend spricht gegen sie, die letzten drei Bundesligapartien gingen allesamt verloren (1:10 Tore), zwei davon auswärts. Die gesamte Stabilität, die anfangs der Rückrunde zurückgekehrt war, war zuletzt wieder verflogen, auch das 4-4-2-System verfing nicht mehr, zu viele Akteure spielten auf „fremden“ Positionen.

Daher empfiehlt Kämpfer Fernandes eine andere Herangehensweise bei den Auswärtsspielen. „Da müssen wir mit mehr Persönlichkeit und Mut auftreten. Es eine Frage der Mentalität und des Willens. Das muss in die Köpfe rein.“ Zumindest dann, wenn der Ball noch mal rollen sollte in dieser Runde.

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