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Der nächste Salzburger Goldesel: Der Südkoreaner Hee-chan Hwang, einst beim HSV durchgefallen und jetzt um die 40 Millionen Euro wert.

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Eintracht-Gegner Salzburg: Wenn Hollywood ruft

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Die Österreicher bilden talentierte Fußballer aus und verkaufen sie gewinnbringend weiter – ganz zur Freude von Boss Dietrich Mateschitz.

Frankfurt/Salzburg - Dietrich Mateschitz, 75 Jahre alt, kann durchaus zufrieden sein mit dem Lauf seines Lebens. Nicht nur, weil er derzeit der reichste Österreicher ist und auch nicht ausschließlich deshalb, weil sich der Verkauf seiner Aufputschbrause im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf und 7,5 Milliarden Dosen steigerte. Vielmehr deswegen, weil kein Ende des ständigen Kohlescheffelns in Sicht ist. Der Didi, wie ihn seine engen Freunde nennen, lässt längst nicht mehr nur Energydrinks produzieren, sondern führt gleichzeitig ein Medien-, Immobilien-, Gastronomie- und Sportimperium. Red Bull unterhält Verträge mit hunderten Athleten, betreibt einen Rennstall in der Formel 1, Eishockey- und Fußballmannschaften. Eine davon, die aus Mateschitz‘ Heimatstadt Salzburg, tritt an diesem Donnerstag (18.55 Uhr/Dazn) im Hinspiel des Europa-League-Sechzehntelfinales bei Eintracht Frankfurt an. „Wir haben eine gute Vorbereitung gehabt und gehen voller Elan nach Frankfurt“, sagt der Salzburger Sportdirektor Christoph Freund.

Eintracht Frankfurt: Kader von Gegner Salzburg durchgewürfelt

Vor dem Gastspiel beim deutschen Tabellenzehnten wurde der Kader des österreichischen Tabellenzweiten in der Winterpause relativ kräftig durchgewürfelt. Mal wieder sind hochtalentierte Spieler gegangen, drei an der Zahl. Allen voran natürlich der stürmende Shootingstar Erling Haaland, 19, zu Borussia Dortmund, aber auch Takumi Minamino, 25, zum FC Liverpool und Marin Pongracic, 22, zum VfL Wolfsburg sind Verluste für den Klub an der Salzach. Für Oberboss Mateschitz ist das kein Problem, viel eher eine Würdigung der guten Arbeit. Bei Fußballspielern sei es eben so wie bei Schauspielern, sagte er einmal lapidar und fügte an: „Wenn Hollywood ruft, gehen sie halt dorthin.“

Schon seit Jahren verlassen die besten Salzburger Fußballer die Mozartstadt, trotzdem gewann der Klub zuletzt sechsmal hintereinander die Meisterschaft: Sadio Mané zum Beispiel, der einst in Frankreich beim FC Metz entdeckt wurde, kickt ebenso wie Naby Keita, geholt aus der zweiten französischen Liga, mittlerweile beim amtierenden Champions-League-Sieger in Liverpool. Peter Gulacsi hält verlässlich Bälle in Leipzig fest, die Dayot Upamecano in der Verteidigung vorher nicht abblocken konnte. Auch die Frankfurter Martin Hinteregger und Stefan Ilsanker durchliefen die Salzburger Fußballausbildung. Und so weiter und so fort.

Allein in dieser Saison steht der Klub bei einem Transferplus von rund 82 Millionen Euro. In der Saison 2018/19 waren es knapp 45 Millionen, 2016/17 etwa 63 Millionen, 2014/15 ziemlich genau 40 Millionen. Alles in allem kamen da schon 400 Millionen Euro Transfereinnahmen für die Salzburger zusammen. „400 Millionen sehen gut aus, aber die bleiben ja nicht allesamt übrig. Wir haben einen hohen ständigen Aufwand. Aber ich kann schon sagen: Unsere Kriegskasse ist gut gefüllt“, so Mateschitz gegenüber Laola1.at.

Eintracht Frankfurt: Salzburg gibt einige Leistungsträger ab

Gehen Spieler, kommen andere. Das ist wohl bei allen Fußballvereinen der Welt so, für die Salzburger aber scheint trotz der Verluste nur selten die Qualität zu leiden. „Wir haben Erfahrung im Füllen von personellen Lücken“, sagt Sportdirektor Freund, der bereits seit 2006 für den Verein in verschiedenen Positionen arbeitet und auch im Januar gleich drei junge Burschen nach Salzburg lotste: Noah Okafor, 19, Karim Adeyemi, 18, und Mergim Berisha, 21.

Sie verkörpern die Klubphilosophie, sind explosive, kreative und erfolgshungrige Spieler. Okafor kostete die Salzburger rund elf Millionen Euro und ist damit der teuerste Transfer in Österreichs Fußballhistorie. Bisher hat der junge Mann mit nigerianischen Wurzeln ein Spiel für die Schweizer Nationalmannschaft absolviert. Am gebürtigen Münchner Adeyemi, der vorher beim RB-Farmteam FC Liefering in der zweiten Liga Österreichs aufgebaut wurde, soll sogar der FC Barcelona interessiert gewesen sein. Und Berisha, in Berchtesgaden geboren, kam mit der Bilanz von 14 Toren in 31 Partien aus Altach nach Salzburg.

Die drei Neuen erweitern das Reservoir an begabten, aber längst noch nicht fertig entwickelten Jungprofis. Neben den erfahrenen Spielen wie dem ehemaligen Bremer Zlatko Junuzovic, 32, im zentralen Mittelfeld, dem ehemaligen Leverkusener und Mainzer André Ramalho, 28, im Abwehrzentrum und dem auf links verteidigenden Kapitän Andreas Ulmer, 34, vereint sich in der Mannschaft des US-amerikanischen Trainers Jesse Marsch vor allem viel Talent. Die fußballerischen Frischlinge wollen sich in Salzburg empfehlen für höhere Aufgaben in den europäischen Topligen. Manch einer scheint nicht mehr weit weg von diesem Karrieresprung. Beispiele gefällig? Bitteschön.

Masaya Okugawa, 23-jähriger Mittelfeldmann aus Japan, der in der Saison 2015/16 an den deutschen Zweitligisten Holstein Kiel verliehen war, erzielte in dieser Saison in 22 Pflichtspielen bereits neun Tore.

Oder Patson Daka, 21-jähriger Stürmer aus Sambia, kommt bei 28 Einsätzen auf 17 Tore und sechs Vorlagen.

Eintracht Frankfurt: Hee-chan Hwang das neue Juwel von Salzburg

Und zu guter Letzt natürlich Hee-chan Hwang, 24-jähriger Angreifer aus Südkorea, der einst auch mal für eine Saison beim HSV angestellt war, dort aber kaum Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. Er machte in dieser Runde nicht nur neun Tore selbst, sondern bereitete dazu 15 weitere vor. Im Winter galt der flinke Nationalspieler, der so elegant auf engem Raum dribbeln kann und perfekt ins auf Pressing ausgelegte System der Salzburger passt, ebenfalls als Verkaufskandidat. Englische Klubs wie Everton, Leicester und Wolverhampton boten nette Sümmchen, dem Vernehmen nach eine Ablöse von 30 Millionen Euro, bis der Salzburger Sportdirektor Freund doch absagte: „Hwang ist in dieser Transferperiode unverkäuflich. Auch für 40 Millionen Euro lassen wir ihn nicht gehen.“

Nicht immer ist Geld alles, vor allem dann, wenn man eh schon genug davon hat.

Von Daniel Schmitt

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