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In der Kritik, aber mit einem mächtigen Fürsprecher an seiner Seite: Djibril Sow.

Eintracht Frankfurt

Mit Kraft und Energie gegen Paderborn: Erneuter Rückschlag wäre Gift für Eintracht Frankfurt

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Trainer Adi Hütter beschwört vor dem letzen Spiel des Jahres beim Aufsteiger aus Paderborn die innere Stärke der Gemeinschaft.

In Krisenzeiten rücken die Menschen enger zusammen, in Krisenzeiten werden schon mal besondere Maßnahmen ergriffen. Das ist im richtigen Leben nicht anders als in der Scheinwelt Fußball-Bundesliga. Und so beorderte der Frankfurter Coach Adi Hütter seine so tief im Schlamassel steckenden Spieler am Freitag nicht auf den Trainingsplatz, sondern schickte sie nach Hause auf die Couch – und das zwei Tage vor der letzten Bundesligabegegnung des Jahres 2019, in dem das Eintracht-Ensemble so häufig um Punkte kämpfte wie kein anderes deutsches Team, sage und schreibe 56-mal. Das ist eine allemal ungewöhnliche Maßnahme, aber eine nachvollziehbare. „Ich habe freigegeben, damit die Jungs wieder zu geistiger Frische kommen.“

Das allerletzte Spiel in diesem Jahr beim aufmüpfigen Aufsteiger SC Paderborn (Sonntag, 18 Uhr) soll seine bis ins Mark verunsicherte Mannschaft mit „Kraft und Energie“ angehen, die letzten „zehn bis 15“ Prozentpunkte, die zuletzt vielleicht gefehlt haben, aus sich herausholen. „Das Thema Frische darf nicht entscheidend sein.“ Ist von den Verantwortlichen zuletzt aber doch in den Vordergrund geschoben worden, nachdem sie noch vor rund zwei Wochen und dem 2:2 gegen Hertha betonten, Müdigkeit spiele keine große Rolle.

Eintracht Frankfurt: Deprimierende 2:4-Niederlage gegen den 1. FC Köln

Am Donnerstag, einen Tag nach der deprimierenden und unerwarteten 2:4-Niederlage gegen den 1. FC Köln, hat der Fußballlehrer seine Mannen um sich versammelt, es war keine Spielnachlese im herkömmlichen Sinne, sondern eher eine Aussprache, die tiefer ging, in der auch die Akteure ihren Raum für Beiträge fanden. „Sehr gut“ nannte Hütter den Austausch, die „Jungs waren sehr selbstkritisch“, es sei eine fruchtbare Zusammenkunft gewesen, „wir haben uns gegenseitig das Vertrauen ausgesprochen“.

Daher seien keine „überbesonderen“ Maßnahmen nötig, kein Teambuilding und keine Motivationsfilmchen. „Wenn ich wüsste, es wird alles besser, wenn ich sie zum Kegeln schicke, dann würde ich das machen“, berichtet Hütter schmunzelnd und fügte ernst an: „So einfach ist es aber nicht.“

Stärke der Gemeinschaft bei Eintracht Frankfurt

Vielmehr beschwört er die innere Stärke der Gemeinschaft. „Es gibt keine Grüppchen, die Mannschaft hält in guten wie in schlechten Zeiten zusammen“, betont der 49-Jährige fast schon pathetisch. Die Eintracht, siehe Krisenratgeber zu Beginn, rückt enger zusammen. Und so kommt es, dass der Österreicher trotz eines Punkts aus den vergangenen sechs Bundesligapartien und des Abrutschens kurz vor die Abstiegszone den unerschütterlichen Optimisten gibt. „Ich habe ein gutes Gefühl für Sonntag.“

Für die Großwetterlage wäre es von entscheidender Bedeutung, wenn die Eintracht in Ostwestfalen etwas Zählbares, am besten drei Punkte, mitnehmen könnte. „Für das Gefühl wäre das sehr wichtig“, sagt Hütter. Dann könnte das Trainerteam in der kurzen Winterpause neben der Arbeit auf dem Übungsplatz, auf dem eine Menge im „technisch-taktischen Bereich“ aufgearbeitet werden soll, auch an anderen Schrauben drehen, dem Team Hilfestellungen in psychologischer Hinsicht geben. „Vielleicht stellen wir die Tabelle auf null.“

Eintracht Frankfurt gegen Paderborn: Erneuter Niederschlag wäre Gift

Ein erneuter Niederschlag an der Pader wäre für die geistige Verfassung der Mannschaft hingegen Gift. Hütter hat die mentale Abgeschlagenheit, natürlich bedingt durch die vielen Spiele, aber noch viel mehr durch die vielen Niederlagen, als Hauptgrund für den derzeitigen Tiefgang ausgemacht. Einfach wird es nicht beim Klassenneuling, der sich eine etwas unkonventionelle Spielweise bewahrt hat. „Wir treffen auf einen Gegner, der sehr schnell ist, bedingungslos und erfrischend nach vorne spielt.“ Eine Form der Unbekümmertheit also, die der Eintracht momentan völlig abgeht. Lob gab es dennoch aus Paderborn, aber doch eher für die Gesamtleistung der einstigen Höhenflieger vom Main. „Unser Gegner hat in diesem Jahr eine Riesenleistung für den gesamten deutschen Fußball gezeigt, die großen Respekt verdient“, sagt SCP-Coach Steffen Baumgart.

Zum Spiel

Paderborn: Zingerle – Jans, Kilian, Schonlau, Collins – Gjasula, Sabiri – Pröger, Holtmann – Mamba, Michel.
Frankfurt: Wiedwald – Touré, Hasebe, Ndicka – da Costa, Rode, Kohr, Kostic – Kamada – Dost, Paciencia.
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart).
Der Eintracht fehlen: Hinteregger (5. Gelbe Karte), Rönnow (Sehnenanriss), Torro (Innenbandriss), Abraham (Rotsperre), Trapp (Aufbautraining), Russ (Reha), de Guzman (muskuläre Probleme).

Die Frankfurter werden versuchen, mit einfachen Mitteln, mit Primärtugenden wie Kampf, Laufstärke und Leidenschaft dagegenzuhalten. „Wir müssen auf dem Platz solidarisch agieren.“ Und doch mahnt Hütter an, sich nicht nur auf rustikalen Fußball alleine zu verlassen. „Wir trauen uns insgesamt zu wenig zu. Wir hoffen, dass irgendwas passiert, wenn wir einen hohen Ball nach vorne schlagen. Das kann nicht unser Ansatz sein. Wir müssen versuchen, spielerische Lösungen zu finden.“ Das fällt aber deutlich leichter, wenn man häufiger gewinnt als verliert, auch da spielt der Kopf, das Selbstvertrauen eine entscheidende Rolle. Ob die Stammspieler Sebastian Rode und Goncalo Paciencia morgen mithelfen können, ist noch nicht geklärt, beide sind angeschlagen. „Ich kann bei ihnen noch kein Grünes Licht geben.“

Eintracht Frankfurts Djibril Sow in der Kritik - Hütter verteidigt ihn

Bei Djibril Sow sieht das anders aus, der Schweizer Neuzugang, unter Hütter ein ausgewiesener Vielspieler, war zuletzt in die Kritik geraten, weil er zwar immer aufgeboten wurde, aber selten überzeugen konnte. Hütter bricht nun erneut eine Lanze für den eidgenössischen Nationalspieler. „Wenn ein Spieler öffentlich kritisiert wird, ist es immer unangenehm“, sagt er. Doch der Coach ist vollends überzeugt von seinem Schützling, daran ließ er keinen Zweifel aufkommen. Er vergleicht den 22-Jährigen sogar mit dem Gladbacher Denis Zakaria, den er einst auch bei Young Boys Bern angeleitet hatte. Zakaria sei damals nach Gladbach gegangen, habe anfangs wenig gespielt und werde nun von vielen Topklubs gejagt. Für Hütter, der Sow einst als Nachfolger von Zakaria einbaute, steht der Frankfurter Spieler auf einer Stufe mit dem Gladbacher Überflieger. „Djibril hat unglaubliches Potenzial.“ Man dürfe auch nicht vergessen, dass Sow acht Wochen verletzt gewesen sei. „Wer ihn an die Wand nageln möchte, soll es machen“, sagt Hütter drastisch. „Ich werden es nicht machen.“

Von Ingo Durstewitz

Die DFL hat übrigens die Bundesliga-Spieltage 22 bis 28 terminiert. Eintracht Frankfurt spielt im Zeitraum von Anfang Februar bis April nur ein Mal samstags.

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