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Im Strafraum war eine ganze Menge los.

Europa League

1:1 gegen Chelsea - noch ist alles drin für die Eintracht

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt erkämpft sich ein 1:1 gegen ein bärenstarkes Team des FC Chelsea – ob das im Rückspiel für das Europa-League-Finale reicht, ist offen.

Das wird ein schwerer Gang in einer Woche an die Stamford Bridge. Eintracht Frankfurt hat es nicht geschafft, sich im Hinspiel eine bessere Ausgangsposition zu sichern. Allerdings lässt das erkämpfte 1:1 (1:0) auch am kommenden Donnerstag der Eintracht alle Chancen. Chelsea war der erwartet schwere Brocken, war tatsächlich „eine andere Hausnummer“, wie Sportdirektor Bruno Hübner sagte. Die Eintracht hatte alles, was möglich war, in dieses Spiel gelegt, und konnte von Glück sagen, dass es bei diesem Unentschieden geblieben war. Chelsea, aktuell Tabellenvierter in der Premier League, war den Hessen vor allem in Punkto Technik und Schnelligkeit weit voraus. Die Frankfurter machten das mit unermüdlichem Einsatz, Willen und Mentalität halbwegs wett. Das Remis war auf jeden Fall ein Achtungserfolg. „Nächste Woche ist noch alles drin“, sagte Sebastian Rode bei RTL.

Eintracht-Trainer Adi Hütter hatte sein Team dann doch nicht in der erwartbaren Formation aufs Feld geschickt, sondern deutlich defensiver. Angreifer Goncalo Paciencia musste zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen, lediglich Luka Jovic war als nomineller Stürmer aufgeboten. Dafür rückte Filip Kostic ein Stück weiter nach vorne. Hütter war daran gelegen, die englische Angriffsreihe mit Pedro, Giroud und Willian in den Griff zu bekommen. Simon Falette, der gegen Benfica Lissabon so erstaunlich gut gespielt hatte, war ein wenig überraschend in der Anfangsformation.

Es sind zwei Spiele, du musst nicht gleich alles Pulver verschießen“, hatte Sportvorstand Fredi Bobic vor der Partie bei RTL gesagt. Trotzdem wollte die Eintracht auch im zwölften internationalen Spiel „mutig nach vorne spielen“. Und: „Wir haben Außenseiterchancen“, sagte Hütter. Für dieses Halbfinale hatte sich der Eintracht-Vorstand zudem etwas Außergewöhnliches einfallen lassen: Die Herren trugen besondere schwarze Schuhe, mit einer weißen „12“ auf dem linken Schuh und rechts stand Adlerträger.

Maurizio Sarri, der Coach von Chelsea, der die Eintracht im Vorfeld „als sehr gefährlicher“ Gegner eingestuft hatte, den „wir sehr respektieren“, hatte sich dazu entschieden. Superstar Eden Hazard nicht von Anfang an zu bringen. Der Belgier kam erst nach einer Stunde. Auch der Argentinier Gonzalo Higuain saß zunächst auf der Bank, beide wurden geschont, weil Chelsea in der Premier League unbedingt die Qualifikation für die Champions League schaffen will.

Natürlich war die Stimmung in der seit Wochen ausverkauften Arena wieder grandios, fast ekstatisch, wieder hatten sich die Fans eine spektakuläre Choreographie einfallen lassen, wieder war der Lärmpegel extrem hoch. Jeder wusste, um was es in dieser Begegnung ging, zuvor, auf der Waldtribüne, hatten die Anhänger bereits einem der größten Fußballer der jüngeren Vergangenheit gehuldigt, Lajos Detari, der auf Einladung der Eintracht extra zu diesem Halbfinal-Knaller nach Frankfurt gekommen war.

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Chelsea entpuppte sich dann tatsächlich, wie befürchtet, als anderes Kaliber als die vorhergehenden Widersacher. Die Engländer hatten gleich mehr vom Spiel, die Eintracht hatte anfangs alle Hände voll zu tun, Bindung zu finden. Die „Blues“, die ganz in gelb spielten, waren enorm ballsicher, zudem schnell zu Fuß, während sich die Hessen zu sehr in die eigene Defensive drücken ließen. Aber: Die Gastgeber waren enorm bissig, nahmen die Zweikämpfe an, taten den Chelsea-Profis im Duell Mann gegen Mann richtig weh. Nach vorne ging lange nicht viel, Jovic war auf sich gestellt. Mal verpasste der zunächst sehr agile Danny da Costa eine Hereingabe (18.), dann löffelte David Abraham mit links die Kugel übers Tor (21.).

Insofern war die Frankfurter Führung überraschend: Jovic hatte sich im Mittelfeld behauptet, hatte Kostic auf links mitgenommen und dessen fein getimte Flanke hechtköpfte Jovic ins entfernte Eck – 1:0 nach 23 Minuten, das war ganz nach dem Geschmack des schier euphorisierten Publikums. Es war bereits der neunter Treffer des 21 Jahre alten Serben in dieser Europa- League-Saison. Danach bekamen die Frankfurter die Begegnung mehr und mehr in den Griff, ohne sie zu kontrollieren. Dafür war der englische Tabellenvierte zu versiert, technisch zu gut.

Die Eintracht versuchte, immer wieder kleine Nadelstiche zu setzen, große Torchancen gab es nicht. Warum aber Mijat Gacinovic (41.) nicht allein aufs gegnerische Tor lief, sondern reklamierend stehen blieb, nachdem er das Kopfballduell gegen Andreas Christensen gewonnen hatte, bleibt sein großes Geheimnis. Gegen Ende der ersten Hälfte konnten die Hessen dem stetig größer werdenden Druck der Engländer nicht mehr Stand halten.Eine ganze Eckball-Serie bedrohte das Frankfurter Gehäuse im Minutentakt, dann war es Rechtsaußen Pedro, der mit einem satten Linksschuss kurz vor der Pause den Ausgleich erzielte. Genau das, nämlich ein Gegentor, wollte Eintracht Frankfurt unbedingt verhindern .

Auch im zweiten Abschnitt waren die Londoner die bessere Mannschaft. Die Eintracht kam kaum noch aus der eigenen Hälfte, von einem geordneten Spielaufbau ganz zu schweigen. Viel mehr hatten sie ihre liebe Müh und Not, keinen weiteren Treffer zu fangen. Ruben Luftus-Cheek hatte Möglichkeiten, auch Willian und David Luiz traf mit einem Freistoß (60.) die Latte.

Die Eintracht verteidigte nur noch, schlug die Bälle nur noch aus der eigenen Hälfte , kämpfte aufopferungsvoll. Das war auch das einzige, was sie Chelsea entgegensetzen konnten. Nach 70 Minuten schien die Eintracht platt, müde gespielt von bärenstark kombinierenden Londonern.Torwart Kevin Trapp musste immer wieder eingreifen, um seine Farben überhaupt noch im Spiel zu halten.

Und zum Schluss hatte sogar die Eintracht noch die Chance zum 2:1, erst wurde Makoto Hasebe (85,) im letzten Moment abgeblockt, dann Goncalo Paciencia, dessen Hereinnahme für frischen Wind und Entlastung gesorgt hatte. David Abraham köpfte zudem am Pfosten vorbei.

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