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Könnte mal wieder einen wichtigen Part bei Eintracht Frankfurt übernehmen müssen: Mijat Gacinovic.

Eintracht Frankfurt

Das Sorgenkind heißt Sturm: Eintracht Frankfurt vor wegweisender Rückrunde

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Für Eintracht Frankfurt beginnt die letzte Woche vor dem Start in die Rückrunde mit mehr Fragezeichen als Lösungen. Das Sorgenkind heißt nach wie vor Sturm.

Frankfurt - Endlich frei. Zwei Tage bekamen die Fußballspieler von Eintracht Frankfurt zugestanden nach ihrem Trip in die Sonne Floridas. Nun sollen sie sich erholen bei ihren Familien und Freunden, daheim richtig ausschlafen und ganz nebenbei den Jetlag bei sechs Stunden Zeitunterschied zwischen den USA und Deutschland austricksen. Erst am Dienstagvormittag will Trainer Adi Hütter die Vorbereitung auf die am Samstag (15.30 Uhr) in Sinsheim gegen die TSG Hoffenheim startenden Rückrunde wieder aufnehmen, dann soll der letzte Feinschliff vorgenommen werden, um möglichst schnell möglichst erfolgreich die sechs Spiele andauernde Sieglosserie zu durchbrechen.

Mit welchem Personal? Mit Gelson Fernandes und Daichi Kamada jedenfalls nicht, die beiden Mittelfeldspieler werden bekanntlich verletzt fehlen. Auch ein Zugang ist noch nicht da. So muss sich Hütter, Stand jetzt, mit jenen Kickern begnügen, denen er in den USA die Systemumstellung von einer Dreier- zur Viererkette verordnete. Kompakt soll es werden, vor allem defensiv deutlich stabiler. Ein Blick auf die einzelnen Mannschaftsteile:

Gute Nachricht für Eintracht Frankfurt (SGE): Kevin Trapp ist zurück

Tor:Die beste Nachricht des USA-Camps: Kevin Trapp ist zurück, früher als von ihm selbst erwartet. Angst, sich bei Paraden an der vormals lädierten Schulter erneut zu verletzen, war nie zu erkennen. So wird der 29-Jährige im Kraichgau auf jeden Fall spielen.

Abwehr:Wenn Trainer Hütter nicht urplötzlich eine 180-Grad-Wende macht, verteidigen vier Mann gegen die TSG, drei Startplätze sind davon schon vergeben. Auf der linken Seite machte Evan Ndicka einen hervorragenden Eindruck. Der 20-jährige Franzose vereint defensive Stabilität und einzelne offensive Läufe. Er marschiert nicht ständig mit nach vorne, aber dann, wenn es hilft. Das passt. In der Innenverteidigung haben Martin Hinteregger und David Abraham das Vertrauen ihres Trainers, sie kennen das System aus vielen, vielen Jahren ihrer Karriere. Makoto Hasebe, in den vergangene Spielzeiten gesetzt als herausragender Libero, müsste sich im Falle einer Viererkette dagegen hinten anstellen. „Aber wir haben viele Spiele“, sagt Hütter, der dem Japaner sehr wohl zutraue, auch den rechten Part der Innenverteidigung geben zu können. Ganz optimal wäre das aber freilich nicht.

Rechts an der Linie wird sich der Coach noch entscheiden müssen. Danny da Costa kann den Posten übernehmen, wirkte in den USA aber zu häufig in den direkten Duellen zögerlich. Außerdem könnte er eine Position weiter vorne, als Rechtsaußen, eher gebraucht werden – dort liegen auch seine Stärken, für eine mangelnde Rückwärtsbewegung kassierte er den einen oder anderem Rüffel seines Trainers. Almamy Touré, eigentlich prädestiniert für den Job als Rechtsverteidiger, hatte er diesen bei seinem Vorgängerklub AS Monaco doch etliche Male begleitet, leistete sich bei allen guten Ansätzen in Florida mal wieder zu viele Schnitzer. Schnitzer, die wie schon auf Schalke Punkte kosten könnten. Damals war er einfach losgedribbelt, hatte den Ball verloren und das entscheidende Gegentor eingeleitet. Im Test gegen Berlin (1:2) verursachte er fast schon tölpelhaft einen Strafstoß.

Insofern mutet die Variante, den vielseitig einsetzbaren Timothy Chandler von Linksaußen – dort spielte er gegen die Hertha und schoss ein Tor – nach rechts hinten zu ziehen, charmant an. Chandler ist ebenso wie Ndicka ein verlässlicher Verteidiger, der nur ab und an Offensivläufe in sein Spiel einstreut. Auch fliegen seine Flanken aus dem Halbfeld recht gezielt in die Mitte.

Defensives Mittelfeld von Eintracht Frankfurt (SGE): Rode und Sow als Herzstück der Mannschaft

Defensives Mittelfeld:Dort werden mit hoher Wahrscheinlichkeit Sebastian Rode und Djibril Sow das Herzstück der Mannschaft bilden. Gerade eine Steigerung des Schweizers Sow wird nötig sein, um der Eintracht nach dem Verletzungsaus von Fernandes (und Lucas Torro) die erhoffte Stabilität zu bringen. „Man muss jungen Spielern auch mal Zeit geben“, so Hütter, der in Florida zum wiederholten Male betonte: „Ich habe Djibril nicht umsonst geholt.“ Über die aufgekeimte Kritik am Zehn-Millionen-Euro-Neuzugang urteilte der Trainer deutlich: „Es wird teilweise sehr schnell scharf geschossen.“ Für ihn viel zu scharf. Rode scheint gut in Form, Ersatzmann D ominik Kohr dagegen nicht.

Offensives Mittelfeld:Wer sonst außer Filip Kostic sollte die linke Flanke beackern? Eben, keiner. Kostic wird natürlich spielen, er war und ist der gefährlichste Frankfurter Offensivmann, oft auch der einzige. Ob er seine Stärke im möglichen neuen System mit je zwei Spielern auf der Seite ebenso ausspielen kann wie zuletzt alleine, muss sich weisen. Hütter fordert, dass die offensiven Flügelmänner häufiger als vorher auch mal in die Mitte ziehen, um den aufrückenden Außenverteidigern Raum zu lassen für deren Attacken. Das zählt nicht zu den Lieblingsbewegungen des eher geradlinigen Serben.

Auf der rechten Seite probierte Hütter gegen Berlin derweil für 45 Minuten lang Mijat Gacinovic aus, der es „sehr, sehr gut“ gemacht habe, der vor allem den gewünschten Drang in die Mitte zeigte. Doch gerade dort könnte er ohnehin gebraucht werden gegen Hoffenheim. Agiert Hütter nur mit einer Spitze, also im 4-2-3-1-System, wird Gacinovic wohl den zentralen Part anstelle des Verletzten Kamada hinter dem einzigen Angreifer übernehmen – und dafür den rechten Posten an Danny da Costa abtreten.

Im Angriff von Eintracht Frankfurt (SGE): Bas Dost als Stoßstürmer

Angriff: Bas Dost ist als Stoßstürmer gesetzt. Der Niederländer hat keine Schmerzen mehr, die Leistenbeschwerden der Hinrunde sind abgeklungen. Der 30-Jährige scheint bereit. Wo andere Spieler Feuer kriegen von ihrem Trainer, um bessere Leistungen herauszukitzeln, erledigt Dost das einfach selbst. Er wolle deutlich mehr Tore als jene vier der ersten Saisonhälfte schießen. „Ich habe jetzt keine Ausrede mehr.“ Allerdings: Auch im einzigen Test gegen Hertha BSC brachten die Kollegen den Sturmriesen kaum in Abschlusspositionen. Nur einmal kam er wirklich gefährlich an den Ball im Strafraum. Das ist nicht viel.

Gegen eine ebenfalls mögliche Doppelspitze spricht vor allem das Portugiesen-Doppel. Zum einen ist da Goncalo Paciencia, der persönlich eine passable Hinrunde hinter sich hat mit zehn Pflichtspieltreffern. Er fand bisher noch nicht richtig rein ins Jahr. Mal gelangen tolle Trainingstore, dann misslangen die vermeintlich einfachsten Versuche. Daher könnte er gerade in einem Auswärtsspiel eher eine Option zum Nachlegen von der Bank sein. Zum anderen ist da André Silva, der weit weg von einer Optimalform, ja überhaupt von so etwas wie einer Form, agierte. Auch musste der hochgepriesene Sommerneuzugang mal wieder für einige Tage wegen einer Wadenblessur zuschauen. Enttäuschend, für ihn und die Eintracht.

Abschließend machte der junge Serbe Dejan Joveljic, Stürmer Nummer vier im Ranking, bei Abschlussübungen wie so oft eine gute, fast schon sehr gute Figur. Das kann er gut. In den Trainingsspielchen aber zerschellte er dann doch ein ums andere Mal an den teaminternen Abwehrbrocken Hinteregger oder Abraham. Das kann er nicht gut.

Von Daniel Schmitt

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