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Friedhelm Funkel hat noch immer viel zu erzählen.

Promitipp Friedhelm Funkel

Friedhelm Funkel hat Neuseeland im Blick

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Das neue Leben des Friedhelm Funkel.

In den letzten Tagen hat im Hause Funkel das Handy kaum noch still gestanden. „Fast die komplette erste Liga“ habe angerufen, Trainer, Vorstände, zudem Vertreter aus der zweiten, „ja auch aus der dritten Liga, obwohl ich die kaum kannte“, zählte Friedhelm Funkel auf, der überraschend und mit einigem Getöse am vorvergangenen Mittwoch bei Fortuna Düsseldorf freigestellte Trainer. Nur einer habe sich bislang noch nicht gemeldet in Neuss, Heribert Bruchhagen, der frühere Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt. „Aber das braucht er auch nicht. Bei ihm bin ich in der Pflicht, mich zu melden, so viel Positives hat der Herri im Fernsehen über mich gesagt.“

Friedhelm Funkel: 509 Spiele in der Bundesliga

Friedhelm Funkel ist kein Trainer mehr, nicht bei Fortuna Düsseldorf, auch bei keinem anderen Klub mehr, er hat seine Karriere beendet, nach 815 Partien an der Außenlinie, davon 509 in der Bundesliga, weil „es nach der Fortuna keinen besseren Klub mehr geben wird“. Eintracht Frankfurt, die er von 2004 bis 2009 angeleitet hat, sei schon „eine geile Mannschaft“ gewesen, die Fortuna habe das nochmals getoppt. Er hat, das ist bekannt, nicht freiwillig aufgehört, und doch muss er jetzt mit der plötzlich fehlenden Aufgabe leben. Kein Training mehr, keine Videoanalyse mehr, keine Pressekonferenz, kein Trainingslager, kein Spiel mehr am Samstag. „Ich habe jetzt einen ganz anderen Tagesablauf“, sagt der 66-Jährige, das müsse er organisieren. „Das muss ich noch lernen.“ Am vergangenen Freitag, am Abend vor der Partie der Fortuna gegen seine zweite große Liebe, der Eintracht, haben ihn Freunde eingeladen in ein Restaurant, normalerweise wäre er da mit dem Team im Mannschaftshotel, um sich auf die Bundesligapartie anderntags vorzubereiten. Funkel hat viele gute Freude, die ihm helfen, die ungewohnte Freizeit mit Leben zu füllen. Auch aus der Bundesliga habe er zahlreiche Einladungen erhalten, er sei immer gern gesehen als Gast in den Stadien.

Friedhelm Funkel auf der Suche nach Abstand

Funkel, der alte Fahrensmann, eines der letzten Kinder der Bundesliga, hat seit seiner Freistellung sehr viel Anerkennung aus der Branche erfahren, gerade weil er authentisch geblieben ist, ohne Dünkel und Gehabe, ehrlich, aufrecht und geradeaus, sich nie verbiegend. Friedhelm Funkel, der nie eine Spitzenmannschaft trainiert und sich stets mit den jeweiligen Gegebenheiten, sei es bei Bayer Uerdingen, dem 1. FC Köln, MSV Duisburg, Hansa Rostock, der Eintracht, Hertha Berlin, Alemannia Aachen, 1860 München oder zuletzt der Fortuna, arrangiert hat, hat in seinem sportlichen Leben eine Menge richtig gemacht. Das vor allem zeigte die Wertschätzung, sie hat ihm, dem Kumpeltyp, gut getan.

Natürlich hat er noch nicht richtig Abstand gewinnen können, „die Stimmung bei mit könnte besser sein“, sagte er. Er hat zu knabbern an der Freistellung, das Team war ihm ans Herz gewachsen. „Wir waren vier Jahre unfassbar erfolgreich.“ Die Rettung vor dem Niedergang in die dritte Liga, dann der Aufstieg in die Bundesliga gekrönt mit einem sensationellen zehnten Platz in der letzten Saison. Allen sei klar gewesen, dass dies nicht zu toppen war, dazu kam, dass die Fortuna Dodo Lukebakio, Benito Ramon abgeben musste und Kevin Stöger mit Kreuzbandriss lange ausfiel, 38 Tore hatte dieses Trio in der vergangenen Runde erzielt. „Die fehlten uns“, sagt Funkel, dessen Vertrag sich in Düsseldorf bei einem etwaigen Klassenerhalt automatisch verlängern würde.

Kein Leben im Schaukelstuhl

In den nächsten Tagen und Wochen will Funkel ein bisschen Distanz gewinnen zum aufgedrehten Bundesligabetrieb, will relaxen, nach Sylt reisen, nach Holland oder an die Nordsee. Er will sich verstärkt um seine Enkelkinder kümmern. Und er hat seinen ganz großen Traum wieder im Blick: Der Trip nach Neuseeland. Dieses Land wollte er schon nach dem Ende seines Engagements in Frankfurt bereisen, immer kam etwas dazwischen. Nun soll es so weit sein, sagt Funkel. Allerdings muss er auf Ehefrau Anja Stapel Rücksicht nehmen, die eine Praxis für Psychotherapie führt. „Die Decke wird mir schon nicht auf den Kopf fallen“ sagt er. Und ein Friedhelm Funkel im Schaukelstuhl kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen. Außerdem hat er ja nur seine Laufbahn als Fußballlehrer beendet, womöglich wird er der Bundesliga als Berater, Vorstand oder TV-Experte erhalten bleiben.

Und irgendwann wird man Funkel auch wieder öfter in den Stadion sehen. Denn einer wie er kann ohne Fußball nun wahrlich nicht sein.

Eintracht Frankfurt gegen den FC Augsburg

Friedhelm Funkel tippt das Spiel: 2:1

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