Kann nicht mehr hinsehen: Trainer Adi Hütter. Foto:dpa
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Kann nicht mehr hinsehen: Trainer Adi Hütter. 

Trend zeigt nach unten

Eintracht Frankfurt befindet sich im freien Fall

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Die aktuelle Situation von Eintracht Frankfurt erinnert frappierend an die Krise ausgangs der Hinrunde.

Nach einem satten 5:0 gegen den FC Augsburg, Anfang Februar war das und es klingt wie aus einer anderen Zeit, da hat ein breitbeiniger Fredi Bobic alle Kritiker ordentlich abgekanzelt: „Die ganze Panik, die wir im Umfeld hatten, ist derart lächerlich gewesen“, bellte seinerzeit der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt. Nach einer wochenlangen Schwächephase ausgangs der Hinrunde mit lediglich einem Punkt aus sieben Spielen waren allenthalben Bedenken geäußert worden, ob denn die Qualität des Kaders ausreiche für den Tanz auf drei Hochzeiten. Kein Bedarf, bedeutete die Sportliche Führung, weder auf Rechtsaußen noch für die kreative Abteilung oder gar im Angriff, stattdessen wurde Stefan Ilsanker als sechster defensiver Mittelfeldspieler dazugeholt.

Eintracht Frankfurt: Negative sportliche Entwicklung sollte zu denken geben

Fünf Wochen später ist alles ein bisschen anders. Eintracht Frankfurt befindet sich im freien Fall, der Trend zeigt, wie im Spätherbst, gnadenlos nach unten, die Leistungen auf dem Platz sind bedenklich, das jüngste 0:3 gegen eine mittelmäßige Mannschaft des FC Basel nannte selbst Trainer Adi Hütter „erschreckend“, nie und nimmer habe man mit dieser Niederlage gerechnet. Die negative sportliche Entwicklung der letzten Wochen sollte zu denken geben: Bis zum Augsburg-Spiel holten die Hessen in fünf Pflichtspielen 13 Punkte bei 13:3 Toren. Seitdem sammelten sie in den nächsten sieben Pflichtpartien nur noch sieben Zähler bei einem Torverhältnis von 9:16. Damit kassiert die Eintracht zwei Gegentore im Schnitt, viel zu viel. Genau dies hatte Hütter bei seiner Hinrundenanalyse als großen Schwachpunkt ausgemacht. Im Grunde steht der Klub wieder so da wie vor der Winterpause.

Nun mag sich die besondere Atmosphäre eines Geisterspiels ohne Zuschauer durchaus lähmend auf die Aktionen auf dem Rasen ausgewirkt haben. Andererseits lässt diese traurige Stille von den Rängen natürlich auch alle Defizite offen zutage treten. Er ist eben nicht mehr da, der Schub von der Kulisse, der die Frankfurter Kicker zuletzt in Heimspielen mit Rückenwind versorgte, nun mussten sie es allein schaffen, mussten sich auf ihre fußballerischen Fähigkeiten verlassen - und „versagten“ komplett, wie Djibril Sow selbstkritisch einräumte.

Man habe, sagte Hütter, „sehr wenig richtig gemacht“. Allenfalls 20 Minuten habe man „versucht, Fußball zu spielen“. Das ist zu wenig. Es fehlte im Kern alles, was eine erfolgreiche Frankfurter Mannschaft einst ausmachte: Wucht, Leidenschaft, Dynamik, Intensität und Durchschlagskraft. Diese Mannschaft wirkte an diesem Donnerstag, eigentlich ein „Eintracht-Tag“ (Sportdirektor Bruno Hübner), stattdessen seltsam matt, uninspiriert, kraft- und harmlos. Druck nach vorne gab es nicht, 30 Meter vor dem Tor versandeten die meisten der schablonenhaften Angriffsversuche.

Der Eindruck drängt sich förmlich auf: In diesem Team stimmt es nicht mehr, es läuft nicht rund, manche winken verärgert ab, andere bleiben stehen, die Abstände sind viel zu groß, und dazu passt, dass Hütter fand, das seine Elf nicht „100 Prozent Professionalität“ auf den Rasen gebracht hat.

Eintracht Frankfurt: Im Verhältnis zwischen Trainer und Team stimmt nicht alles

Auch im Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer gibt es manche Disharmonie. Ein Beispiel: Dass Hütter Neuzugang Ilsanker gleich eingesetzt hatte - ohne dass er auch nur einmal mit der Mannschaft trainiert hatte - war in der Kabine nicht gut angekommen; verwundert zeigten sich einige Akteure von der Nibelungentreue des Coaches zu manchen Spielern, zu Djibril Sow etwa, oder darüber, dass andere praktisch kaum noch spielen. Erik Durm, Jonathan de Guzman oder Danny da Costa, auch Dominik Kohr gehört dazu; StürmerTalent Dejan Joveljic nahm im Winter frustriert Reißaus, weil er keine Chance bekam.

Erstaunlich ist zudem, warum Hütter auf eine größere taktische Variabilität verzichtet; seit Beginn der Rückrunde lässt er in einer 4-2-3-1-Formation agieren, egal gegen wen es geht. Zuletzt hat sich dieses Konzept nicht bewährt. Er könnte durchaus auf die lange Zeit sehr erfolgreiche 3-5-2-Konzeption zurückgreifen, macht er aber nicht, vermutlich aus bestimmten Gründen.

All dies stimmt für die nähere Zukunft nicht sonderlich zuversichtlich. Die vorübergehende Aussetzung des Ligabetriebs könnte die Eintracht dazu nutzen, sich neu aufzustellen.

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