Frederik Rönnow: Foto: Hübner
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Frederik Rönnow.

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Eintracht: Frederik Rönnow steht gegen Köln im Tor

  • Thomas Kilchenstein
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Eintracht-Ersatztorwart Frederik Rönnow wird gegen den 1. FC Köln „aus Respekt“ anstelle von Kevin Trapp spielen - ist es schon ein Abschiedsgeschenk für den Wechselwilligen?

Frankfurt - Am Donnerstag ist Adi Hütter aus gegebenem Anlass vor die Mannschaft getreten, er hatte Neuigkeiten zu verkünden. Beim vorletzten Bundesligaspiel der Frankfurter Eintracht gegen den schwächelnden 1. FC Köln (15.30 Uhr) am heutigen Samstag wird rotiert, und zwar im Tor. Unter der Latte wird in dieser Begegnung die Nummer zwei stehen, Frederik Rönnow. „Das hat sich Freddy verdient“, sagte der Frankfurter Fußballlehrer am Freitag, der diese Personalentscheidung auch mit dem uneingeschränkten Stammkeeper Kevin Trapp abgesprochen hatte. Rönnow, der dänische Nationaltorhüter und seit Sommer 2018 in Frankfurt, war in all der Zeit nie an Trapp vorbeigekommen, der bald 28-Jährige kam in den beiden Jahren lediglich auf zehn Bundesligaspiele. Das lag auch an einer Reihe von unglücklichen Verletzungen, die Rönnow erlitten hat, insbesondere an deren Zeitpunkten.

Gerade frisch von Bröndby IF gekommen, warf ihn 2018 gleich eine Knieblessur zurück, die Eintracht lieh sich von Paris St. Germain Kevin Trapp aus. Dann 2019, als Trapp wegen einer Schulter-Operation ausfiel, konnte Rönnow in der entscheidenden Phase wegen einer Sehnenverletzung erneut nicht den Zweikampf mit dem Platzhirsch aufnehmen. Dass die Hessen tatsächlich über „zwei Einser-Tormänner“ verfügen, wie Trainer Adi Hütter sagte, hat Rönnow just in dieser Hinrunde unter Beweis gestellt, als er Trapp hervorragend vertrat und etwa gegen Bayer Leverkusen, einen Tag nach der Geburt seines Sohnes Theo, eine Weltklasse-Leistung zeigte. Trotz der Aussichtslosigkeit des Duells um den einen Platz auf der Linie, hat sich Rönnow nie hängen lassen, hat im Gegenteil dem Konkurrenten Beine gemacht und sich immer fair und anständig verhalten. Beide Torleute würden sich trotz aller Revierkämpfe schätzen, sagte Hütter. „Aus Respekt gegenüber Freddy“ werde er heute in Köln-Müngersdorf spielen. „Er ist ein richtig guter Torhüter.“

Ob diese 90 Minuten die letzten von Frederik Rönnow in Frankfurt sein werden, vermochte der Coach nicht zu sagen. „Das ist kein Abschied, das ist Anerkennung.“ Klar ist, dass der Däne mit seinem Status als zweiter Mann nicht zufrieden ist, der 27 Jahre alte Ballfänger will spielen, will auch seinen EM-Platz im Nationalteam nicht gefährden.

In Frankfurt freilich läuft sein Vertrag noch bis 2022, unrealistisch erscheint es nicht, dass der unkomplizierte, belesene Mann aus Horsens in Ostjütland nach dieser Saison den Klub wechselt - sofern es in Zeiten von Corona Interessenten gibt. Hütter würde ihn nur ungern ziehen lassen, hat aber Verständnis, falls Rönnow sich verändern wolle. Jetzt aber sei er „froh, dass wir ihn haben“, er wolle ihn möglichst halten. Rönnow habe eine „tolle Entwicklung“ genommen und noch einmal „einen Riesensprung“ gemacht. Sollte der Däne tatsächlich gehen, müsste sich die Eintracht nach einer neuen Nummer zwei umsehen.

Wäre Frederik Rönnow in der Hinrunde, als Trapp fehlte, nicht wegen eines Infekts und später wegen einer Sehnenblessur für drei Spiele ausgefallen, womöglich hätte die Eintracht ihr Saisonziel bereits erreicht, die erneute Qualifikation für den internationalen Wettbewerb. Denn als Rönnow passen musste und Felix Wiedwald, die Nummer drei, unter der Latte stand, unterlagen die Frankfurter dreimal: 0:2 gegen Wolfsburg (nach kapitalem Bock von Wiedwald), 2:4 gegen Köln (nach 2:0-Führung) und 1:2 in Paderborn, als Wiedwald ebenfalls schlecht aussah. Gerade die Partien gegen Paderborn und Köln nannte Adi Hütter, als er darüber resümierte, wo die Hessen im Lauf dieser Saison leichtfertig Punkte hatten liegen lassen. Auch gegen Freiburg und Mainz habe man „ die Punkte bereits in der Hand gehalten“, sagte der österreichische Coach und hatte sie doch, vor allem wegen der Platzverweise für Gelson Fernandes und Dominik Kohr, hergeben müssen. Diese fehlenden Zähler tun jetzt weh, diese Punkte sind verschenkt worden und hätten Eintracht Frankfurt gut getan. „Das ärgert uns.“

Nun müssen sie versuchen, auf den letzten Metern viel Boden gut zu machen und vielleicht doch noch - über Umwege - die Europa League zu erreichen. Denkbar ist das, dafür müssen aber mindestens die beiden letzten Spiele heute gegen Köln und am darauffolgenden Samstag gegen Paderborn gewonnen werden. In der eigenen Hand hat es die Eintracht nicht mehr, Freiburg, Hoffenheim und Wolfsburg liegen mit vier und fünf Punkten davor. Aber selbst, wenn es nicht klappen sollte mit einem erneuten Gastspiel in Europa und statt dessen realistischerweise ein einstelliger Tabellenplatz herausspringen sollte, wäre Adi Hütter ziemlich zufrieden. „Wir könnten dann von einer sehr ordentlichen Saison sprechen.“

Nach dann 104 Spielen binnen zwei Jahren zweimal unter den ersten Zehn gelandet, dazu in diversen Halbfinals gestanden - das alles sei sehr erfreulich. Und wie die Mannschaft die kurze Phase im Abstiegsstrudel bewältigt habe, das verdiene „alle Achtung“, lobte der Coach sein Team. Ohnehin hat Eintracht Frankfurt den Re-Start prima bewältigt und stellt hinter Bayern München, Dortmund, Leipzig und Leverkusen das fünftbeste Team: 13 Punkte holte man aus acht Spielen, der Gegner Köln dagegen lediglich drei und blieb zudem ohne einen einzigen Sieg.

Und die Saison geht ja für die Eintracht über den 27. Juni hinaus, am 5. August steigt das Rückspiel in der Europa League gegen den FC Basel. Nicht mehr dabei werden Gelson Fernandes sein, der seine Karriere beendet, und Jonathan de Guzman, dessen auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. Gespräche wegen einer Vertragsverlängerung wird es demnächst auch mit Trainer Hütter geben. „Dass wir zusammenkommen werden, ist kein Geheimnis“, sagte der Trainer, dessen Kontrakt noch bis 2021 läuft, gestern. Und er signalisierte Bereitschaft, weiter in Frankfurt zu bleiben: „Grundsätzlich können beide Parteien sehr gut miteinander umgehen.“

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