+
Frankfurts Makoto Hasebe (linkjs) und David Abraham.

Niederlage gegen Mönchengladbach

Eintracht Frankfurt findet zu spät in die Spur

  • schließen
  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
    schließen

Eintracht Frankfurt zeigt beim 2:4 gegen Borussia Mönchengladbach erst in der zweiten Halbzeit und damit viel zu spät die notwendige Entschlossenheit.

In der Halbzeitpause des am Ende mit 2:4 (0:2) verlorenen Spiels gegen Borussia Mönchengladbach hat der Frankfurter Trainer Adi Hütter klare und deutliche Worte finden müssen, um sein Team wieder in die Spur zu bringen. Das ist ihm gelungen, „ich bin immer klar“. Das war auch erforderlich gewesen, nach diesen ersten 45 Minuten musste es einfach sein. Zu pomadig, zu lasch, zu harmlos hatte seine Mannschaft da im Gladbacher Nordpark Fußball gespielt, 0:2 lag sie zudem schon zurück, die Partie schien im Grunde entschieden, es sei denn Eintracht Frankfurt raffte sich noch einmal auf. Dazu bedurfte es einiger klarer Worte und fast hätten sie die Begegnung noch gedreht.

Die erste Halbzeit hatte Eintracht Frankfurt mehr oder weniger „verschlafen“, wie Dominik Kohr selbstkritisch einräumte, wenig bis nichts lief zusammen, „viel zu wenig haben wir investiert“, assistierte Gelson Fernandes, noch einer der ganz wenigen Aktivposten der Frankfurter im ersten Abschnitt. Der Schweizer kam kaum hinterher, all die vielen Löcher zu stopfen, die seine Kollegen offen gelassen hatten. Für die Gladbacher war es ein Leichtes, diese Räume zu nutzen. „Da waren wir nicht entschlossen genug, zu wenig griffig“, sagte der Frankfurter Coach. „Das, was wir vorher angesprochen haben, habe ich nicht gesehen. Ich habe keine Mannschaft gesehen, die daran glaubt, hier gewinnen zu können.“ Und Adi Hütter will jedes Spiel gewinnen.

Der österreichische Coach hatte erwartungsgemäß auf seine beiden Stürmer André Silva (Achillessehnenprobleme) und Bas Dost (Adduktorenblessur) verzichten müssen, beide waren erst gar nicht mit nach Mönchengladbach gereist. Selbst das Pokalspiel an diesem Mittwoch beim Zweitligisten FC St. Pauli könnte noch zu früh kommen für die beiden. Auch Mijat Gacinovic, der noch am Donnerstag gegen Standard Lüttich gespielt hat und erstmals Vater geworden war, konnte nicht mittun, muskuläre Schwierigkeiten im Oberschenkel verhinderten einen Einsatz. Ins Gewicht fiel aber zunächst der Ausfall der Angreifer, denn Goncalo Paciencia und Daichi Kamada sahen im Gladbacher Nordpark sehr lange Zeit überhaupt kein Land. Während der Japaner wenigstens noch bemüht war, ihm aber das meiste missraten war, war dem Portugiesen lange Zeit wenig gelungen.

Eintracht Frankfurt: Abwehr erweist sich als nicht sehr stabil

Allerdings erfuhren die beiden Spitzen auch kaum Unterstützung aus den Mittelfeld, sie blieben weitgehend auf sich allein gestellt. Weil auch über die Flügel anfangs wenig lief, entpuppte sich der Sturm als laues Lüftchen, verbreitete so viel Gefahr wie ein niedlicher Plüschteddybär. Das Tor der Gladbacher geriet im ersten Abschnitt nie ernsthaft in Gefahr, lediglich bei einem Kopfballversuch von Kamada (9.) blitzte so etwas auf, was man mit viel gutem Willen als Torchance hätte identifizieren können.

Danny da Costa brachte die Eintracht mit seinem Tor zwischendurch zurück ins Spiel.

Unglücklicherweise erwies sich auch die Frankfurter Hintermannschaft als nicht sonderlich stabil. Vor allem über die linke Seite, die Seite von Martin Hinteregger, kamen die Gastgeber, die wie die Eintracht am Donnerstag international unterwegs waren, zu ihren Möglichkeiten. Makoto Hasebe, eigentlich freier Mann im Zentrum, musste so zu vielen Zweikämpfen nach außen eilen. Vermochte Gelson Fernandes nach 20 Minuten das Schlimmste noch verhindern, als er einen Kopfball von Marcus Thuram im letzten Augenblick von der Linie kratzte, so war er und die Eintracht Minuten später machtlos: Breel Embolo war rechts allen von der Fahne gegangen, seine scharfe flache Hereingabe brauchte Thuram nur noch über die Linie zu drücken. Dem 0:2, in der letzten Minute der Nachspielzeit vor der Pause gefallen, war ein krasser Stellungsfehler von Danny da Costa vorausgegangen, der eine an sich harmlose Flanke von Patrick Herrmann unterlief, Fernandes konnte den Schuss von Thuram noch abblocken, gegen den Nachschuss von Oscar Wendt war dann kein Kraut mehr gewachsen - 0:2 unmittelbar vor dem Pausenpfiff.

Die Eintracht kam erst nach einer Stunde besser ins Spiel, zuvor hatte sie einige brenzlige Situationen zu überstehen. Danny da Costa, der Rechtsverteidiger war es, der die Hessen, die zur Pause Dominik Kohr für Sebastian Rode gebracht hatten, zurück ins Spiel brachte. Auf Vorarbeit des sehr fleißigen, nie aufsteckenden Kamada wuchtete da Costa den Ball zum Anschluss ins Tor (59.). „Danach hatten wir eine gute Phase, da haben wir versucht, das Spiel noch zu drehen“, sagte Kohr. Es war insbesondere Kamada, der auf einmal mächtig aufdrehte, gleich dreimal (66., 67 und 68.) hätte er den Ausgleich erzielen können, doch zweimal rauschten seine Kopfbälle nur um Haaresbreite am Tor vorbei, Yann Sommer wäre jedes Mal ohne Abwehrchance geblieben, beim dritten Mal jagte Kamada den Ball mit Verve über den Balken.

Die zweite Halbzeit gefällt Trainer Hütter sehr gut

Die Partie, die lange Zeit von der Borussia dominiert war, war komplett gekippt, die Eintracht gab nun den Ton an. Da agierte sie endlich, nahm das Heft des Handelns in die Hand. Doch es war zu spät. Zudem sei es schwierig, „auswärts zwei oder drei Tore schießen zu müssen“, sagte Gelson Fernandes, dessen persönliche Serie an diesem Sonntagabend gerissen war. Immer wenn er in der Startelf gestanden hatte, hatten die Hessen nicht verloren.

Borussia Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt: Der Live-Ticker zum Nachlesen

Dieses Mal war die Aufholjagd nicht von Erfolg gekrönt. Einen Freistoß von Laszio Benes köpfte Nico Elvedi als Bogenlampe zum 1:3 ins Tor. Doch die Frankfurter schlugen keine drei Minuten später zurück, erneut hatte Kamada die Vorlage geliefert, seinen Eckball bugsierte Hinteregger zum 2:3 (78.) ins Tor. Doch all die Frankfurter Bemühungen machte Denis Zakaria (85.) mit seinem 4:2 zunichte. Immer, wenn man das Gefühl hatte, jetzt fällt der Ausgleich, hatten die Gladbacher zurückgeschlagen. „Da hat man die Klasse der Gladbacher bei Kontern gesehen“, fand Kohr.

Niederlage in Mönchengladbach:  Eintracht Frankfurt in der Einzelkritik

Adi Hütter, dem sein Team in der zweiten Halbzeit „sehr gut gefallen“ hat, war natürlich sauer über die vielen Gegentore. „Vier Tore sind einfach zu viel, zumal sie leicht zu verteidigen gewesen wären. Wenn zwei Tore auswärts nicht genug sind, dann passt etwas nicht“, urteilte der Fußballlehrer. Dessen ungeachtet habe er Mitte der zweiten Halbzeit wirklich „das Gefühl gehabt, das Spiel kippt“. Ist es dann doch nicht. Weil die Frankfurter erst viel zu spät in die Spur fanden.

Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

Übrigens: Gute Neuigkeiten für alle Eintracht-Fans: Die Fußball AG konnte sich mit der Stadt Frankfurt einigen, das Waldstadion wird ausgebaut. 

Am Samstag, 02.11.2019, muss Eintracht Frankfurt in der Bundesliga gegen den FC Bayern München ran. Wir sagen Ihnen, wie und wo Sie das Spiel live im TV und im Live-Stream verfolgen können. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare