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So sieht die nähere Zukunft des Fußballs hierzulande aus: ein leeres Stadion und Kicker, die sich für ein Geisterspiel in Frankfurt vorbereiten.

Eintracht Frankfurt

SGE will Corona-Helfer mit Ticketeinnahmen unterstützen

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Der Frankfurter Bundesligist will bereits verbuchte Ticketeinnahmen nicht zwingend behalten, sondern damit Organisationen unterstützen, die die Gesellschaft in der Corona-Krise zusammenhalten.

  • Eintracht Frankfurt hilft helfenden Organisationen finanziell
  • SGE lässt Kampagne neu aufleben
  • Bundesligist will in der Krise helfen

Frankfurt - Vier Jahre ist es her, dass Eintracht Frankfurt die Kampagne „Auf jetzt“ ins Leben rief; damals ging es darum, eine Einheit zwischen Fans und Mannschaft zu formen, um im Abstiegskampf zu bestehen. Bekanntlich gelang dies in der Relegation, es folgten vier bemerkenswert erfolgreiche Jahre, gekrönt mit dem Pokalsieg von 2018 mit anschließendem Triumphzug durch Europa. Damals ging es aber nur um Fußball.

Eintracht Frankfurt: Kampagne neu aufleben lassen

Jetzt, in „dieser außergewöhnlichen Zeit und unter den schwierigen Bedingungen“ des Coronavirus, das die ganze Welt aus den Angeln gehoben hat, wird der hessische Bundesligist diese Kampagne neu aufleben lassen. In diesen Zeiten also will Eintracht Frankfurt den Fokus auf jene richten und finanziell unterstützen, die „an der Corona-Front im Tageseinsatz“ engagiert sind, wie Vorstand Axel Hellmann am Dienstagvormittag bei einer Telefonkonferenz erläuterte. Vor kurzem hat der Klub rund 80 000 Tageskarteninhaber, 30 000 Dauerkartenbesitzer und etwa 1000 Kunden im Business- und Logenbereich angeschrieben; dabei ging es um die Rückerstattung für ausfallende Spiele. Sehr wahrscheinlich werden, sofern in dieser Saison überhaupt noch mal der Ball rollen sollte, auch die restlichen Partien ohne Zuschauer ausgetragen. Eintracht Frankfurt hat jenen Kartenbesitzern nun die Wahl gelassen, wie mit den bereits verbuchten Geldbeträgen umgegangen werden soll: Drei Möglichkeiten hat der Klub, der mittlerweile 90 000 Mitglieder zählt, aufgezeichnet: Zum einen könnten die Zahlungen ganz normal rückerstattet werden, zweitens könnten die Anhänger auf die Rückerstattung verzichten oder sie könnten, drittens, den Geldbetrag spenden. Dabei denkt Eintracht Frankfurt in erster Linie an Organisatoren, die der Klub ohnehin unterstützt, zu denen er persönliche Kontakte geknüpft hat und die in dieser Krise Erstaunliches leisten; nämlich Arche Frankfurt, Diakonie Hessen,DRK Frankfurt, Frankfurter Tafel und Universitäts-Klinik.

Eintracht Frankfurt will helfen

Jetzt sei die Zeit gekommen, „auf die zu gucken, die ganz besonders unter Corona und den Folgen leiden“. Deshalb wolle Eintracht Frankfurt etwas Ähnliches entfachen wie seinerzeit im Jahr 2016, nämlich „Wucht, Kraft und Zusammenhalt“. Und zwar unter aktiver Einbeziehung aller im Klub Tätigen, Mannschaft, Vorstand, Mitarbeiter. Dabei gehe es laut Hellmann nicht in erster Linie um Gehaltsverzicht, sondern um „Worte, Taten und Spenden“. Jeder könne sich aktiv bei den genannten Organisationen einbringen. Es sei denkbar, dass etwa Filip Kostic, um ein Beispiel zu nennen, einen Bus lenkt, der Essen ausfährt. Die Mannschaft sei über diese Goodwill-Aktion informiert, sie ziehe mit und jeder könne sich dabei einbringen. In diese auf mehrere Wochen angelegte Kampagne soll die gesamte Eintracht-Gemeinde involviert sein. „Wir wollen unsere Partner, Fans, Anhänger möglichst breit für diese Aktionen mobilisieren“, sagte Hellmann. „Wir haben in den letzten fetten vier Jahren so viel aus der Region bekommen, Eintracht Frankfurt ist davon getragen worden, auch wirtschaftlich“, bekundete das Vorstandsmitglied, einen Teil wolle man nun an die Region zurückgeben. „Das ist kein PR-Gag. Wir unterstützen jetzt die, die die Gesellschaft zusammenhalten und wollen sie möglichst schadlos durch diese Krise begleiten.“

Der 48-Jährige legte Wert darauf, dass diese Aktionen komplett auf freiwilliger Basis erfolgen solle. Es möge nur spenden oder verzichten, wer es sich auch leisten könne. Wer sein Geld zurückhaben möchte, werde es „selbstverständlich“ erhalten. „Dafür habe ich totales Verständnis“, sagte Hellmann. Selbst wenn nur ein geringerer Beitrag am Ende bei Eintracht Frankfurt verbleibe, können „wir damit in dieser Saison umgehen, wir sind so stabil aufgestellt, dass selbst der komplette Betrag gespendet oder zurückerstattet werden könnte“.

Eintracht Frankfurt: Starke Einbußen durch entgangene Zuschauereinnahmen

Gerade bei Business- und Logenbesitzern, die teilweise 20 000 Euro und mehr entrichteten, käme durchaus ein hoher Betrag zusammen. Auch die Eintracht rechnet mit starken Einbußen durch entgangene Zuschauereinnahmen, Hellmann sprach von „Millionenbeträgen, und keinen geringen“. Immerhin fallen fünf Heimspiele aus, und es fehlen die Einnahmen aus zumindest einem weiteren Europapokalspiel, gegen den FC Basel. Ohnehin rechnet der Klub wegen der Krise und den Geisterspielen mit Verlusten in Höhe von offiziell 15 bis 20 Millionen Euro. Intern könnte das Minus noch höher liegen, bei 25 Millionen. Sollte diese Runde abgebrochen und die nächste Saison später angepfiffen werden, würden die Einbußen massiv werden und selbst einen wirtschaftlich gut aufgestellten Klub wie Eintracht Frankfurt im Herbst in die Bredouille bringen. „Für 2020 werden wir keinen Gewinn ausweisen.“ Ob und wann die Saison 2020/21 angepfiffen werde, steht derzeit in den Sternen. „Wie wir mit der neuen Saison umgehen, ist offen. Wir fahren auf Sicht“, meinte Hellmann. Erst wenn feststehe, wann der Ball nach dem Sommer rollt, werde man auf die Kundschaft zugehen „Bei Geisterspielen müssen wir uns überlegen, wie wir mit dem Geldeinzug umgehen. Es macht keinen Sinn, Gelder zu vereinnahmen, die wir später zurückzahlen müssen.“

DieEintracht hat sich auch in der Frage der Unterstützungsleistung aus dem Fußball, wie schon beim Gehaltsverzicht, Zeit gelassen, um „einen breiten Konsens“ innerhalb des Klubs herzustellen. „Wir halten nichts von symbolischen Schnellschüssen.“ Man hatte zunächst einmal die eigene Lage analysieren müssen, um auf einem „sicheren Fundament“ zu stehen. „Manchmal liegt das Gute nicht in der Schnelligkeit, sondern in der Gründlichkeit“, sagte Hellmann. Schließlich: Was sei Mitgliedern, Mitarbeitern, Spielern überhaupt zumutbar, welche Organisationen kämen in Frage. „Das alles hat Zeit gekostet.“

Ohnehin stehe der Fußball unter dem Generalverdacht, viel Aktionismus zu betreiben, um sein „Gewissen reinzuwaschen oder um Argumente sammeln zu können, irgendwelche Sonderrechte durchsetzen zu können.“ Den Hessen sei es stattdessen um Nachhaltigkeit gegangen.

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