Wuchtig, wichtig, wertvoll: Frankfurts Filip Kostic.
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Wuchtig, wichtig, wertvoll: Frankfurts Filip Kostic.

Filip Kostic

Eintracht Frankfurts Filip Kostic: Dampfmacher vor Comeback

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Der schmerzlich vermisste Filip Kostic kehrt nach seiner Verletzungspause ins Training von Eintracht Frankfurt zurück – und ist darüber „sehr, sehr glücklich“.

Erstaunlicherweise hat Filip Kostic gleich das volle Programm mitgemacht, damit hatte man nicht rechnen können. Dass der wichtigste und beste Feldspieler bei Eintracht Frankfurt am gestrigen Dienstag erstmals wieder mit Kickschuhen an den Füßen mit der Mannschaft trainieren konnte, hat bei den Verantwortlichen für Aufatmen gesorgt. Vor allem aber: Auch nach dem ersten Belastungstest blieb der Profi „zu 100 Prozent beschwerdefrei“, wie ein Eintracht-Sprecher erklärte. Kostic war entsprechend „sehr, sehr glücklich: Ich habe mich richtig gut gefühlt. Jetzt kann ich wieder angreifen“, sagte er.

Ohne Filip Kostic, das haben die jüngsten Spiele gerade gegen massiv verteidigende Teams gezeigt, fehlt der Elf von Trainer Adi Hütter ein entscheidendes Element, ohne Kostic sind die Hessen leicht, viel zu leicht, auszurechnen. Es fehlt Tempo, es fehlt Wucht, es fehlt Aggressivität, es fehlt einer, der mal einen Gegenspieler ausspielen und damit eine neue Spielsituation kreieren kann. Es fehlte schlicht einer wie Filip Kostic.

Ob der seit Sonntag 28 Jahre alte Serbe für die Partie am nächsten Samstag gegen den kecken Aufsteiger VfB Stuttgart schon in Frage kommt, ist noch offen, aber allemal möglich. Nach der Länderspielpause am Wochenende des 13./14 November dürfte der Linksaußen allemal ins Team zurückkehren, es wäre die Partie zu Hause gegen Leipzig. „Dass ich jetzt wieder dabei sein kann, ist für mich ein super Moment. Jetzt versuche ich, mich für den Kader zu empfehlen“, so Kostic.

Vier komplette Spiele hat der Serbe bisher verpasst, am zweiten Spieltag, beim 3:1-Erfolg bei Hertha BSC, hatte er sich bereits nach zehn Minuten nach einem Zusammenprall am Knie verletzt, er erlitt dabei einen Innenband-anriss, „eine schwere Zeit“ liege hinter ihm, sagte er am Dienstag. Für ihn spielt seitdem Neuzugang Steven Zuber. Der Schweizer konnte den dynamischen Nationalspieler aus Serbien nicht ersetzen. Das hatte niemand erwartet, zu unterschiedlich sind beide Spielertypen, hier der Draufgänger, dort der Zögerliche, der lieber sicher quer oder zurück als riskant nach vorne passt.

Weil Eintracht Frankfurt dann tatsächlich auch ohne ihren Besten in Berlin gewann und weitere Punkte sammelte - acht in den fünf Spielen ohne Kostic - kam zeitweise die irrige Auffassung auf, es ginge sehr gut ohne den Dampfmacher auf links. Auf den ersten Blick und nach einer durchaus respektablen Punktausbeute scheint diese Vorstellung plausibel. Allerdings sind es doch genau die Tempoläufe über den Flügel, die eine Hintermannschaft aufreißende Soli über links, die zuletzt gegen schwächere Teams wie Köln oder Bremen so schmerzlich vermisst wurden. Diese Dribblings verändern die Statik des Spiels, überraschende Sprints brechen die starren und bei Eintracht Frankfurt in der Offensive viel zu oft festgefahrenen Strukturen auf - nur damit werden gefährliche Situationen geschaffen. Dass Kostic seit seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt der beste Vorlagengeber ist, verdeutlicht seinen Wert. Auch die Flanke im allerersten Spiel gegen Arminia Bielefeld, die über Bas Dost dann zum Torschützen André Silva flog, hatte Kostic geschlagen. Womöglich hätten die Hessen die Partien gegen Köln und Bremen mit einem fitten Windmacher nicht nur unentschieden gestaltet. Aber das ist natürlich pure Spekulation.

Sicher ist aber: Eintracht Frankfurt hat es verpasst, sich eine etwas dickere Speckschicht anzufuttern, zwei bis vier Punkte mehr hätten die Hessen ohne weiteres auf ihr Konto schaufeln können, sagt selbst Coach Hütter. Gegen Köln und Bremen sei man die bessere Mannschaft gewesen, habe mehr investiert und hätte gewinnen müssen.

Viel zu einfache Gegentore

Haben die Frankfurter aber nicht, weil ihnen ein bisschen mehr als ein Quäntchen fehlt, weil sie sich so immens schwer tun, das Spiel zu machen und gut verteidigende Teams auszuspielen. Weil sie auch grundsätzlich nicht die Spielertypen haben, zumindest zu wenige, um aggressiv und bissig einen Gegner massiv unter Druck zu setzen. Das schaffen sie allenfalls vorübergehend und in Ansätzen.

Dazu kommt freilich die fatale Angewohnheit, sich praktisch in jedem Spiel mindestens ein Gegentor einzufangen. Zuletzt war Torwart Kevin Trapp am 3. Juni in Bremen (3:0) mit reiner Weste geblieben, elf Spiele sind seitdem gespielt, selbst Drittligist 1860 München schaffte im Pokal ein Tor gegen die Eintracht. Oft reicht dem Widersacher, auf einen Fehler zu warten. Die Frankfurter kassieren ihre Gegentore viel zu leicht.

Und nun haben die Hessen, nach dem Gastspiel bei Kostic‘ altem Klub in Stuttgart bis zum Jahresende durchaus anspruchsvolle Aufgaben, vor allem zu Hause. Da erwartet die Eintracht hintereinander RB Leipzig, Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach, auswärts geht es gegen Union Berlin und den VfL Wolfsburg. Umso wichtiger, dass Filip Kostic wieder an Bord ist.

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