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Hat trotz der Schwere der Aufgabe gegen den FC Arsenal gut lachen: Eintracht-Trainer Adi Hütter.

Eintracht Frankfurt gegen FC Arsenal

Eintracht gegen Arsenal: Festspiele in der Frankfurter Burg

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Die SGE freut sich auf den Start in ihrem Lieblingswettbewerb - muss gegen den FC Arsenal allerdings auf Mittelfeldmotor Sebastian Rode verzichten.

Natürlich kommt das Spiel gegen den „strahlend hellen Stern am internationalen Fußballhimmel“, wie Sportvorstand Fredi Bobic den heutigen Europa-League-Gegner FC Arsenal erstaunlich blumenreich umschrieb, für alle, die es mit Eintracht Frankfurt halten, viel zu spät. Um knapp vier Monate zu spät, denn eigentlich hätten die Hessen sehr viel lieber am 29. Mai in Baku gegen die Londoner gespielt, im Finale, doch das klappte unglücklicherweise nicht ganz. Ist es deshalb ein besonderes Spiel? Nö, findet der Trainer Adi Hütter staubtrocken, deswegen nicht. Ansonsten aber schon.

Arsenal ist beim Spiel gegen die SGE Favorit 

Selbstverständlich ist es auch nach der vergangenen, tollen Europa-League-Saison „mit grandiosen Fußballfesten“ (wieder Bobic) eben nicht selbstverständlich, dass Hochkaräter wie der Spitzenklub aus der Premier League, der gespickt mit Weltstars ist und einem Marktwert von 683,75 Millionen Euro besitzt, im Frankfurter Stadtwald aufspielen. „Die Anspannung ist da“, sagt Hütter, gleichzeitig aber auch die Freude darüber, sich eben mit diesen Besten zu messen. „Arsenal ist der Favorit“, verrät der Frankfurter Fußballlehrer kein Geheimnis, allenfalls mit einer „Topleistung“ könne man dem Gegner Paroli bieten. Immerhin, sagt Kapitän David Abraham, schütte die Mannschaft, wie immer an diesen besonderen Abenden „ein gewisses Europa-League-Adrenalin aus“. Internationale Spiele verströmten ein anderes Fluidum, „da liegt was in der Luft“.

Am Freitagmorgen (20.09.2019) wurde ein 25-jähriger Arsenal London Fan am Hauptbahnhof Frankfurt von einer S-Bahn überfahren. Zuvor war er in das Gleis gestürzt. Doch der junge Mann hatte offenbar mehrere Schutzengel gehabt.

Es wäre ganz sicher nicht verkehrt, wenn Eintracht Frankfurt heute Abend durchaus etwa mehr von diesem Adrenalin im Blut spüren könnte, oder zumindest beim Anstoß (18.55 Uhr/live in Dazn) mal hellwach auf dem Platz ist. Das war ja in der jüngeren Vergangenheit nicht so der Fall, in Mannheim, in Straßburg, zuletzt in Augsburg hatten die Hessen die erste Hälfte mehr oder weniger „verschlafen“ (Hütter). Solch eine eher laxe Einstellung wird sich die Eintracht gegen die Londoner nicht leisten können, wenn man nicht relativ schnell ins Hintertreffen geraten will. „Wir brauchen die zuletzt fehlende Aggressivität“, sagt Abraham, der sich vermutlich mit dem flinken Pierre-Emerick Aubameyang wird auseinandersetzen müssen. Nur gemeinsam werde man die Offensivkräfte aus Nordlondon ausschalten können, vermutet Abraham, und Bobic assistiert im Stadionheft weiter mit reichlich Pathos: „Nur wenn wir zusammenstehen, verbunden mit untrennbarer Schweißnaht“, werde man erfolgreich sein.

SGE verlor in der letzten Rückrunde kein Heimspiel

Dessen ungeachtet fühlt sich Eintracht Frankfurt gerüstet für die sechs Gruppenspiele. Es ist ja für die Hessen keineswegs ein Kaltstart, sechs Qualispiele haben sie schon erfolgreich hinter sich gebracht, konnten Fahrt aufnehmen und „sich Appetit holen“, wie Stopper Abraham sagt. Auch Trainer Hütter empfindet die Ochsentour durch Europa vor der Saison nicht als Nachteil, „die Spiele haben uns geholfen“. Die Fans jedenfalls haben sich längst warmgelaufen. Erneut baut die Eintracht auf deren Unterstützung und ihre Heimstärke. In der vergangenen Europa-Runde verloren die Frankfurter kein einziges Heimspiel, selbst Topteams wie Benfica Lissabon, Schachtjor Donezk oder Olympique Marseille mussten unverrichteter Dinge nach Hause reisen, Inter Mailand, der FC Chelsea und zuvor 2014 der FC Porto kamen über Unentschieden nicht hinaus. Seit 15 internationalen Heimspielen ist die Eintracht zu Hause ungeschlagen. Marketingvorstand Axel Hellmann weiß das auch: „Wir haben natürlich eine Burg in Frankfurt. Die muss auch erstmal Arsenal knacken.“

Und auch die Eintracht spürt immer deutlicher, dass sie „auf der europäische Landkarte wahrgenommen“ (Bobic) werde, dass ihr Respekt und „weltweit Anerkennung“ (Abraham) zuteil geworden ist. „Vor einem Jahr“, erinnert sich Abraham, „waren wir ein unbeschriebenes Blatt“. Mittlerweile ist das erneute Erreichen des Sechzehntelfinales Mitte Februar nächsten Jahres das erklärte Ziel, selbst wenn die Erwartungshaltung nicht ausufern sollte. „Die Latte liegt hoch“, sagt Hütter. So schnell will man, bei aller Bescheidenheit, diesen feinen Wettbewerb nicht verlassen. Zumal erneut ein warmer finanzieller Regen wartet: Durch den vergangenen europäischen Auftritt, der erst im Halbfinale endete, nahm der Klub 44 Millionen Euro ein, 20 Millionen blieben dabei in der Kasse. Allein an Prämien (für die Qualifikation, sechs Siege, den Gruppensieg und das Weiterkommen) strichen die Hessen in der letzten Runde von der Uefa knapp acht Millionen Euro ein. Die Europa League ist für Frankfurt ein wichtiger Wachstumstreiber.

Rückschlag für die SGE: Rode fällt aus

„Jeder weiß, wie gut das tut, mit einem Sieg zu starten“, sagt Hütter, im vergangene Jahr war das 2:1 in Marseille zum Auftakt „der Türöffner“. Andererseits ist ein Erfolg über Arsenal nicht unbedingt zwingend, um europäisch überwintern zu können, wenn man sich Standard Lüttich und Vitoria Guimares vom Leib hält.

Personell hat Adi Hütter einen kleinen Rückschlag zu verkraften: Auf Mittelfeldmotor Sebastian Rode wird er verzichten müssen. Der 28-Jährige laboriert an einer Knieprellung, die er sich im Training zugezogen hatte. Dabei hatte er von Mitspieler Djibril Sow einen Schlag auf das zuletzt operierte Knie erhalten. „Es war Glück im Unglück“, so Hütter, gravierend sei die Blessur nicht, allerdings dürfte auch sein Einsatz gegen Borussia Dortmund am kommenden Sonntag gefährdet sein. Stattdessen dürften Dominik Kohr und Gelson Fernandes im zentralen Mittelfeld zum Einsatz kommen. Immerhin hat sich Frankfurts wichtigster Spieler, Filip Kostic, gesund gemeldet und wird in der Startelf stehen.

Die Arena im Stadtwald ist, wie immer, mit 47 500 Zuschauern ausverkauft, 1500 Fans bringen die Engländer mit, die „begeistert sein werden ob der urgewaltigen Kraft, die uns auszeichnet“, fabuliert Bobic. Das ist nicht überall so: Beim VfL Wolfsburg, der heute um 21 Uhr ebenfalls in der Europa League den ukrainischen Klub PFK Oleksandriya erwartet, wäre schon gottfroh, es kämen wenigstens 10 000 Fans - und dabei gibt es, anders als zuletzt, sogar alkoholisches Bier.

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