1. Startseite
  2. Eintracht

Fans im Fokus: „Wir haben keine Rachegelüste“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Kilchenstein

Kommentare

Sieht schön aus, ist es aber nicht: Eine Rakete explodiert überm Eintracht-Block in Marseille.
Sieht schön aus, ist es aber nicht: Eine Rakete explodiert überm Eintracht-Block in Marseille. © dpa

Ein großes Polizeiaufgebot vor dem Hochrisikospiel zwischen der Eintracht und Marseille soll eine Eskalation verhindern. Zwiespältige Signale aus der Fanszene.

Frankfurt - Michael Brehl, der in Marseille beim Hinspiel durch eine abgeschossene Leuchtrakete schwer verletzter Eintracht-Fan, kennt seine Pappenheimer genau, und deswegen hat er einen Tag vor dem mit einiger Spannung erwarteten Rückspiel gegen Olympique an alle Anhänger der Frankfurter einen flammenden Appell gerichtet: Er hege trotz der Schwere der Verletzung, die ihm wie er selbst sagt, eine „Nahtoderfahrung“ beschert hatte, weder „Zorn noch Wut auf irgendjemand“, ließ sich der 57-Jährige, der gestern erst das Krankenhaus hatte verlassen können, auf der Homepage der Eintracht zitieren. „Eintracht Frankfurt hat eine Haltung. Wir sind ein bunter Haufen, wir sind tolerant, wir haben keine Rachegelüste.“ Man lasse sich nicht provozieren, „wir zeigen unser bestes Gesicht, denn wir sind nicht in Marseille“.

Dennoch ist diese Partie heute Abend ein „Hochrisikospiel“, wie Eintracht-Vorstand Philipp Reschke sagte, die Brisanz liegt auf der Hand. Die Vorfälle aus dem Spiel Mitte September sind noch in sehr unschöner Erinnerung, als sich beide Lager gegenseitig mit Feuerwerksraketen beschossen und insgesamt eine sehr aggressive Stimmung herrschte. Wie es aus der Szene heißt, ist offen, ob etwas passiert oder nicht. Ein Teil sinnt in der Tat auf so etwas wie Vergeltung, andererseits gebe es Informationen, wonach die ganz problematische Klientel aus Marseille womöglich gar nicht nach Frankfurt anreisen werde, allerdings erwartet die Polizei durchaus „sogenannte Problemfans, aber nicht en gros“, wie Polizeisprecher Marc Draschl der FR am Dienstag sagte. Mit 2000 Olympique-Fans wird gerechnet, 500 Tickets des Kontigents seien nicht abgerufen worden, das Stadion ist ausverkauft.

Eintracht Frankfurt spielt international weiter auf Bewährung

Ein bisschen Sorge bereiten der Frankfurter Klubführung Teile der eigenen Anhängerschaft. Weiterhin spielt Eintracht Frankfurt international auf Bewährung, erneute Ausschreitungen im Stadion könnten einen Zuschauerausschluss nach sich ziehen, was tunlichst vermieden werden soll. Man stehe „in intensivem Dialog“ mit den Gruppierungen, sagt Reschke, etwa 1100 Ordnungskräfte, 400 mehr als bei normalen Spielen, seien vor Ort. Und: Es wird, anders als in Marseille, Kontrollen geben.

Sicher ist, dass die Polizei mit einer „Vielzahl an Kräften“ präsent sein wird, am Spieltag sei man früh im Stadtgebiet und an neuralgischen Punkten vertreten, etwa im Bahnhofsviertel oder in Sachsenhausen, zudem wird eng mit Bundespolizei und Kollegen aus Frankreich zusammengearbeitet, sagte der Sprecher. Auch wird auf die Dienste der „Deutsch-Französische Einsatzeinheit“ („DFEE“) zurückgegriffen. (kil)

Auch interessant

Kommentare