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Eintracht Frankfurt: Der ewige Makoto Hasebe

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Von: Thomas Kilchenstein

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Der bald 39 Jahre alte Japaner Makoto Hasebe von Eintracht Frankfurt versteht das Spiel wie kein Zweiter und strahlt Ruhe und Sicherheit aus.

Was sind nicht alles schon für Elogen über diesen Mann geschrieben worden, auch und gerade in der Frankfurter Rundschau, ganze Füllhörner an Lob und Preis sind über Makoto Hasebe ausgeschüttet worden, über einen Mann, der nicht alt zu werden scheint und in knapp einem Monat trotzdem 39 Jahre wird. Neununddreißig, und immer noch Fußball spielt. Er wird dann, drei Tage vor der Wiederaufnahme der durch die WM unterbrochenen Saison und dem Spiel zu Hause gegen Schalke 04, wie immer auf dem Trainingsplatz stehen, sich vorbereiten und fit sein, wie er das seit bald 20 Jahren jedes Mal an seinem Geburtstag getan hat. Die Leistung stimmt ja immer - sofern er sie denn zeigen darf.

Es hat mal wieder ein paar Wochen gedauert, ehe Oliver Glasner, der Trainer von Eintracht Frankfurt, auf den stets Verlässlichen zurückgegriffen hat, andere taktische Vorstellungen hatten nicht den gewünschten Erfolg gezeitigt, die Dreierkette mit einem zentralen Mann in der Mitte ist das System, im dem sich die Eintracht am wohlsten fühlt. Hasebe hatte lange warten müssen, klaglos wie immer, bis er, Mitte September, endlich wieder den Libero geben durfte, und zwar gleich auf der ganz großen Bühne. In der Champions League, im Spiel bei Olympique Marseille, spielte der Altmeister auf seinem angestammten Platz, nachdem er in den Wochen zuvor nur auf der Ersatzbank saß und Glasner noch im Viererverbund die beste Lösung sah. In Marseille überzeugte ihn der Japaner aber von etwas anderem, Ruhe und Ordnung war eingekehrt in die zuweilen hibbelige Abwehr, Hasebe gibt seinen Nebenleuten Sicherheit. Eine Woche später wurde in Stuttgart (3:1) gewonnen und Union Berlin (2:0) die erste Saisonniederlage beigebracht.

Der Altmeister in der Königsklasse: Makoto Hasebe im Duell mit Tottenham-Profi Ryan Sessegnon.
Der Altmeister in der Königsklasse: Makoto Hasebe im Duell mit Tottenham-Profi Ryan Sessegnon. © PA Images/Imago

Makoto Hasebe: Lob vom Superstar

Und dann kam schon das Spiel, das Makoto Hasebe von höchster Warte Lob einbrachte, das Champions-League-Hinspiel gegen Tottenham Hotspur, eine Partie, in der er keinen geringeren als Harry Kane nach allen Regeln der Kunst abkochte. Es spricht für den englischen Superstar, dass er nach dem „tollen Duell“ von seinem Gegenspieler förmlich schwärmte: „Großer Respekt für ihn, mit 38 Jahren Champions-League-Fußball zu spielen, das spricht für seine Professionalität“, sagte der Kapitän der englischen Nationalmannschaft.

FR-Zwischenzeugnis

Europa-League-Triumphator , Champions-League-Achtelfinalist, Tabellenvierter in der Bundesliga mit so vielen Punkten nach 15 Spieltagen wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr – Eintracht Frankfurt blickt auf ein außergewöhnliches, ja historisches Jahr zurück, das beste und schönste seit einer ganzen Ewigkeit. Grund genug, die Mannschaft zu würdigen, die ein Zwischenzeugnis mit der Note eins erspielt hat.

Das große Klassenbuch der Eintracht zum ersten Saisonteil, diesmal in Serienform und loser Folge. Spieler für Spieler im Einzelporträt – vom Musterschüler bis hin zu jenen mit einem Blauen Brief. Nun an der Reihe: Makoto Hasebe. Alle weiteren Spielerbewertungen unter: fr.de/eintracht-zeugnis

Das Rückspiel freilich verlief weniger erfreulich für den Methusalem, seit 2014 bei der Eintracht, einmal guckte ihn Harry Kane aus, dann verwandelte er einen Strafstoß (und verschoss einen weiteren wie zuletzt in Katar), schließlich zog sich Hasebe nach einer Stunde und einem Zusammenprall einen Innenbandanriss im Knie zu und fiel für den Rest des Jahres aus. Auch das war ein Grund, warum Hasebe, der 272 Pflichtspiele für die Hessen bestritt, in dieser Saison bislang nur auf neun Einsätze kam, vier in der Liga, vier in der Champions League und einer im Pokal.

Immerhin spielt die Eintracht seitdem weiter in der Dreierkette, dem Erfolgskonzept, Hasebes Part übernahmen im Wechsel Kristijan Jakic, Tuta und Hrvoje Smolcic.

Hasebe ist Spieler und Botschafter von Eintracht Frankfurt

Inzwischen ist Hasebe längst wieder fit, unlängst im Training fiel er gar durch exzessives Toreschießen in seinem blauen Leibchen auf, das ihn als Zusatzspieler für die jeweils im Ballbesitz befindliche Mannschaft ausweist. Die Japan-Reise mit der Eintracht hat er nicht nur mitgemacht, sie war ihm eine Herzensangelegenheit. Ohnehin ist er ja Botschafter und soll, nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn, als Mittler zwischen beiden Ländern wirken. In Japan genießt Hasebe einen Ruf wie Donnerhall, er wird in seiner Heimat als früherer Kapitän der Nationalmannschaft angehimmelt.

Wie lange er noch dem Ball nachläuft? Das ist, wie immer, offen, und wie immer schauen sich im März beide Parteien in die Augen und überlegen, ob ein weiteres Jahr Sinn macht. Glasner jedenfalls hält große Stücke auf seinen ältesten Spieler, ein überragender Profi sei er, von dem sich viele eine Scheibe abschneiden könnten, und als Mensch sei er ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

Die andere aktive Eintracht-Legende Kevin Trapp soll übrigens noch lange im Verein gehalten werden, wenn es nach den Verantwortlichen der Frankfurter geht.

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