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Durfte mal wieder spielen und traf prompt: Evan Ndicka.

Eintracht Frankfurt

Evan Ndicka und Frederik Rönnow: Durchs tiefe Tal ans Licht

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Evan Ndicka und Frederik Rönnow haben ihre Bewährungsproben bestanden - fürs Erste.

Gelson Fernandes, der Ersatzkapitän mit hoher Sozialkompetenz, wusste sehr genau, was er unmittelbar nach dem Abpfiff zu tun hatte. Er lief nach hinten zu seinem Torwart und umarmte ihn so herzlich und liebevoll, dass seine Freundin direkt neidisch werden könnte, hätte sie es gesehen. Der Torwart Frederik Rönnow freilich hatte alle Streicheleinheiten verdient, nicht, weil er so überragend gehalten hätte.

Dazu hatte er praktisch kaum Gelegenheit bekommen, die meiste Arbeit war ihm erspart geblieben. Sondern weil er in den vergangenen Wochen und Monaten in Frankfurt durch „ein Tal gegangen war“, wie er hinterher sagte. Kaum Spielpraxis, sechs Pflichtspiele in eineinhalb Jahren, dazu einen deutschen Nationaltorhüter vor der Nase und immer wieder mit Verletzungen kämpfend. „Ich bin einfach nur happy, gespielt und ein clean sheet behalten zu haben.“ Die Weiße Weste ist Torhütern immer besonders wichtig, große Fehler haben sie dann nicht gemacht.

Eintracht Frankfurt ist froh, dass Rönnow funktioniert

Natürlich waren die sportlich Verantwortlichen bei Eintracht Frankfurt froh, dass Rönnow seine erste, nicht besonders anspruchsvolle Bewährungsprobe bestanden hatte. So ganz trauen sie dem Braten nicht, noch hat der dänische Nationaltorwart, der trotz seiner 27 Jahre immer noch so aussieht, als könne er in der Jugend spielen, seine Tauglichkeit auf hohem Niveau unter Beweis gestellt. „Er war absolut fehlerfrei. Ohne Gegentor zu starten, mehr kann man nicht verlangen“, hob Sportvorstand Fredi Bobic den Daumen.

Auch Trainer Adi Hütter lobte den Ballfänger, der wegen der langen Verletzungspause von Kevin Trapp mindestens bis zur Winterpause die Nummer eins bei Eintracht Frankfurt sein wird. „Alles, was auf sein Tor gekommen war, hat er souverän gehalten.“ Viel war das nicht: In den ersten Minuten hatte er zwei leichte Fernschüsse zu fangen, von den 13 Torschüssen der Portugiesen war kein einziger brandgefährlich. Rönnow freilich vermied es, bei Flanken seinen Torraum zu verlassen, er klebte auf der Linie, zudem fehlte es ihm noch an Ausstrahlung.

Evan Ndicka war ins Abseits geraten

Zu seiner Ehrenrettung muss aber gesagt werden, dass er sein letztes Pflichtspiel im Dezember bei Lazio Rom gemacht hat. „Ich muss noch meinen Rhythmus finden und werde dafür einige Spiele brauchen“, sagte Rönnow erleichtert nach den 90 Minuten. Er räumte ein, vor der Partie nervös gewesen zu sein, in der Begegnung selbst aber sei er absolut ruhig geworden. Gegen Werder Bremen am Sonntag (18 Uhr) wird die Herausforderung an den Ballfänger wohl ungleich größer sein.

Erstaunlicherweise sprach auch der andere Gewinner des Abends, der Siegtorschütze Evan Ndicka, anschließend von „einem tiefen Tal“, das er zu durchschreiten hatte. Auch der Verteidiger war lange Zeit nicht zum Einsatz gekommen, war ins Abseits geraten. Seit dem 2:4 bei Benfica Lissabon, als der 20 Jahre alte Franzose einen Strafstoß verursacht und daraufhin vom Platz geflogen war, gehörte er nicht mehr zur Stammformation. Dabei bringt Ndicka alles mit, was man als moderner Verteidiger braucht, und technisch stark ist er - im Gegensatz zu seinem direkten Konkurrenten Martin Hinteregger - auch noch. Es schien, als sei Ndicka bei Trainer Hütter wegen dieses auch der Jugend geschuldeten Fehlers in Ungnade gefallen.

Am Ende gab's Krämpfe bei Evan Ndicka

Er habe sich aber im Training immer voll eingebracht, sagte der Spieler am Donnerstagabend, weil „ich wusste, ich werde zurückkommen“. „Ein schönes Gefühl“ sei es gewesen, als der Ball am Donnerstag nach 36 Minuten plötzlich im Tor von Vitoria Guimaraes lag. Dass es der entscheidende Treffer sein würde, konnte der junge Mann da noch nicht wissen. Er war es auch, der mit einem schnellen, mutigen Antritt den zum Tor führenden Eckball überhaupt erst herausgeholt hat. Damit habe er „seine tolle Leistung gekrönt“, hob Hütter hervor. „Es ist klasse, dass so ein junger Spieler, der nicht gerade in jedem Spiel trifft, hier als Siegtorschütze vom Platz geht.“

Fußballerische Armut erschreckt: Eintracht Frankfurt muss sich deutlich steigern

Es war erst sein zweites Pflichtspieltor, seit er in Frankfurt ist. Seinen letzten Einsatz hatte der U21-Nationalspieler am 25. August, im Spiel bei RB Leipzig. Kein Wunder also, dass Evan Ndicka gegen Ende des Spiels Krämpfe bekam und behandelt werden musste. Ob der Held des Abends am Sonntag wieder auf die Bank muss, wenn Makoto Hasebe ins Team zurückkehrt und Hinteregger nach links raus rückt? Möglich wäre es, Hinteregger ist bei Hütter nun mal gesetzt. „Gegen Guimaraes hat Hinti den Laden zusammengehalten“, sagte Hütter. Klingt nicht gut für Ndicka.

Von Thomas Kilchenstein

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