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Eintracht Frankfurt gewinnt 2:1 beim FC Arsenal.

Arsenal-SGE

Eintracht Frankfurt: Der europäische Traum lebt weiter

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Eintracht Frankfurt spielt beim FC Arsenal eine Hälfte desaströs, siegt dennoch dank zweier Tore von Kamada und hat im Europapokal nun beste Chancen aufs Weiterkommen.

Am Tag des unerwarteten Comebacks hatten sie sich bei Eintracht Frankfurt extra einen Glücksbringer ins Mannschaftshotel geholt. Einen, der sich in London auskennt, der die Millionenmetropole an der Themse „überragend“ findet und nur vom nahe am Kollaps befindlichen Verkehr „genervt“ ist. Sebastien Haller fühlt sich wohl in der englischen Kapitale nach seinem Wechsel von der Eintracht zum Londoner Klub West Ham United. 

Im Teamhotel also begrüßte er seine Ex-Kollegen, mit denen er vergangene Runde bis ins Halbfinale der Europa League vorgeprescht war, machte einige Fotos und gab den Kumpels vor dem Europapokalduell gegen den FC Arsenal mit auf den Weg: „Ich glaube an die Eintracht, sie kann das packen.“ Sie packte es.

Die Gäste setzten sich dank einer Leistungssteigerung, ach was, einer Leistungsexplosion im zweiten Abschnitt, beim FC Arsenal mit 2:1 (0:1) durch und haben nun am 12. Dezember das Weiterkommen ins Sechzehntelfinale in eigener Hand. Ein Heimsieg gegen Guimaraes, das nach dem gestrigen 1:1 gegen Lüttich bereits raus ist, und die Eintracht wäre weiter.

Der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic hatte vor der Partie, immerhin in dieser Saison schon die 19. internationale Begegnung der Hessen, eine unmissverständliche Losung ausgegeben: „Du musst hier was holen, wenn du weiterkommen willst. Es liegt allein an uns.“ Sportdirektor Bruno Hübner zeigte sich diesbezüglich optimistisch. Er habe bei den Spielern ein „Kribbeln“ erkannt. 

„Angespannt, fokussiert, konzentriert“, fasste er das Befinden der Profis zusammen. Es gehe darum, „mutig zu sein gegen diesen hochkarätigen Gegner.“ Vermutlich hatte sich Hübner da längst mit Adi Hütter austauscht. Denn der Frankfurter Trainer wählte in seinem 75. Pflichtspiel für die Hessen tatsächlich die für ihn typische, weil vergleichsweise mutige Aufstellungsvariante.

Eintracht Frankfurt zeigt zwei Gesichter

Für Bas Dost stürmte André Silva, für Sebastian Rode durfte Daichi Kamada hinter den beiden Spitzen ran, und nicht etwa der defensiv stärkere Dominik Kohr. Mit dem Neun-Millionen-Neuzugang, den Kampfeswillen auszeichnet und weniger der gekonnte Umgang mit dem Ball, scheint Hütter offenbar zu fremdeln. Zudem rutschten die in der Bundesliga gesperrten Gelson Fernandes und David Abraham erwartungsgemäß in die Startformation.

Bei den Gastgebern mischte der angezählte Trainer Unai Emery seine Elf durch. Einige Stars durften ran, Defensivlocke David Luiz zum Beispiel, oder auch Sturmflitzer Pierre-Emerick Aubameyang. Dazu gesellten sich junge, motivierte Männer.

Auf dem nahezu perfekten Rasen und vor halbleeren Tribünen, auf die sich auch Frankfurter Fans trotz der Sperre gemogelt hatten, machte die Eintracht in der ersten Hälfte dann das, was sie unbedingt vermeiden wollte: Sie agierte ängstlich, wirkte paralysiert, überließ Arsenal den Ball und das Spiel. Aubameyang (11.), Gabriel Martinelli mit zwei Versuchen hintereinander (16.), Bukayo Saka (41.) und Granit Xhaka (45.) vergaben beste Chancen. Die Eintracht konnte sich bei ihrem Torhüter Frederick Rönnow bedanken, dass sie zur Pause nicht schon deutlich im Rückstand lag. 

Und dann steht’s plötzlich 2:1.

Stattdessen trafen die Londoner nur einmal, in der 45. Minute, als Martin Hinteregger auf seiner linken Abwehrseite seltsam schläfrig das Duell gegen Martinelli verweigerte, die Hereingabe dann flach durch den Strafraum rollte und Aubameyang seinen Freiraum nutzte. Der Schuss sprang von Rönnows Fuß nach oben an die Latte und dotzte dann hinter die Linie. Ein bisschen Pech und doch so verdient.

Eintracht Frankfurt steigert sich nach einer enttäuschenden ersten Halbzeit

Die Eintracht ließ in den ersten 45 Minuten quasi alles vermissen. Defensiv waren die Hessen mit den flinken Engländern überfordert, offensiv fanden die Gäste nicht statt. Die Außen Filip Kostic und Danny da Costa waren selten am Ball, und wenn, dann schenkten sie ihn her. Die Leistungen der Stürmer Goncalo Paciencia und André Silva, der sich nach 30 Minuten einem tobenden Trainer Hütter ausgesetzt sah und zur Pause ausgewechselt wurde, grenzte an Arbeitsverweigerung. Und im Mittelfeldzentrum wurden die Gäste ordentlich rund gespielt. Absolut enttäuschend.

Auch nach dem Seitentausch änderte sich erstmals nichts – zumindest für drei Minuten. Bis dahin hatten die Londoner Aubameyang und Calum Chambers schon beste Gelegenheiten zum wohl vorentscheidenden 2:0 verpasst. Und dann? Dann kam Kamada. Und das mit Wucht. Der Japaner zog halblinks an der Strafraumkante auf, holte mit seinem linken Bein aus, schwang durch und schoss den Ball unhaltbar ins lange Eck. Ein schöner Treffer, der die Frankfurter wachküsste. Fortan witterten sie ihre Chance im Norden von London gar als Sieger vom Feld zu gehen, es war keine Fehleinschätzung.

Nach einer zu kurz abgewehrten Ecke schoss wieder Kamada, diesmal mit seinem rechten Fuß, den Ball zum 2:1 ins Netz – ausgerechnet Kamada, hatte er doch ansonsten im bisherigen Rundenverlauf vor dem Kasten mit zittrigen Beinchen zu kämpfen. In der Schlussphase, als bei den Londoner auch Ex-Nationalspieler Mesut Özil eingewechselt wurde, drückte Arsenal zwar aufs Remis, die Eintracht-Abwehr aber hielt stand.

Von Daniel Schmitt

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