Aus in der Europa League

Eintracht Frankfurt: Nun müssen kluge Entscheidungen getroffen werden

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Eintracht Frankfurt hat fast zwei Jahre lang ganz Europa aufgemischt. Doch diese Zeit ist jetzt vorbei. Der Blick geht jetzt in die Zukunft.

  • Eintracht Frankfurt muss sich vorerst von Europa verabschieden
  • Trainer Adi Hütter gibt Spielern jetzt noch einmal die Möglichkeit zur Erholung
  • Nun konzentriert sich Eintracht Frankfurt auf die Bundesliga

An welch schönen Fleckchen Europas waren sie nicht alles in den vergangenen beiden Jahren, die Fußballer und Fans von Eintracht Frankfurt. In Marseille an der wunderbar warmen Côte d’Azur, sie genossen das süße italienische Leben in Mailand und Rom, jetteten auf eine Insel im Mittelmeer, nach Limassol auf Zypern. Dazu zwei Reisen nach Portugal, Lissabon und Guimaraes, ebenso zwei in die Metropole London. Sie besuchten an einem herrlichen Sommertag das hübsche Städtchen Tallinn in Estland, waren im kalten Donezk und nicht zuletzt in Straßburg, Vaduz, Lüttich, Salzburg, Basel (ohne Fans). 15 Auswärtsfahrten, 30 Europa-League-Spiele insgesamt, 18 Siege, ein Halbfinale, ein Achtelfinale – alles innerhalb von 686 Tagen.

Reise durch Europa ist für Eintracht Frankfurt vorbei

Nun, nach der 0:1-Niederlage am Donnerstagabend beim Schweizer Tabellendritten, dem FC Basel, ist diese Reise durch Europa für Eintracht Frankfurt also vorbei. Für mindestens eine Saison wird es keine magischen Europacupnächte mehr geben, erst müssen sich diese im Alltagsgeschäft Bundesliga wieder hart erarbeitet werden. Schwer genug, wie man weiß.

„Jeder, der die Europa League ein bisschen verfolgt hat, hat gesehen, was Eintracht Frankfurt in den vergangenen beiden Jahren in diesem Wettbewerb abgeliefert hat. Aber wir sind im Klub auch realistisch genug, um zu wissen, dass es immer eine Saison ohne internationalen Fußball bei uns geben kann“, sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter nach dem Aus in der Schweiz, das völlig verdient war. Im St.-Jakobs-Park zu Basel spulten die Frankfurter zwar ordentlich Kilometer auf dem Rasen ab, sie wollten unbedingt, das war zu erkennen. Jedoch konnten sie nur bedingt. Nach dem die Eintracht das Hinspiel, noch ausgetragen im März vor der Corona-Zwangspause, kräftig verbaselt hatte und 0:3 verlor, fehlte für das Wunder von Basel „sehr viel“, wie auch Adi Hütter zugab. Vor allem mangelte es an Durchschlagskraft vor des Gegners Kasten. Kein eigener Treffer in 180 Minuten, 0:4 in der Addition beider Spiele – eine klare Angelegenheit.

Trainer Adi Hütter reagiert an der Seitenlinie mit hochgezogenen Schultern: Eintracht Frankfurt ist ausgeschieden.

Eintracht Frankfurt fehlte gegen Basel der Rhythmus

Eintracht Frankfurt hatte in Basel zwar deutlich mehr Ballbesitz als die Gastgeber (66 Prozent), dafür aber auch weniger Großchancen. Im Grunde waren hessische Torerfolge nur bei zwei Kopfbällen von Martin Hinteregger und Bas Dost sowie dem Außennetzschuss von Danny da Costa und der verstolperten Chance von Goncalo Paciencia möglich. Hundertprozentige Möglichkeiten waren aber auch das nicht. „Wir haben ein gutes Spiel gemacht und alles probiert“, sagte Torwart Kevin Trapp, bezeichnenderweise selbst bester Mann seines Teams: „Aber der letzte Pass war einfach nicht gut genug.“ Oft auch der vor- und vorvorletzte nicht.

Denn natürlich war es den Frankfurtern anzumerken, dass sie erst seit acht Tagen wieder im Training an ihrer Form geschuftet hatten. Der Rhythmus fehlte, Pässe wurden zu ungenau, zu hart oder zu leicht gespielt. Auch boten sich aufgrund der zwangsläufig gewählten Offensivtaktik in der Hintermannschaft, vor allem auf den Seiten, zu viele Lücken für die konternden Schweizer, deren Kapitän Fabian Frei spät den Endstand herausschoss. Für Basel geht es nun am Dienstagabend mit dem Viertelfinale gegen Schachtjor Donezk in Gelsenkirchen weiter.

Spieler von Eintracht Frankfurt erhalten Kurzurlaub

Allzu enttäuscht zeigten sich die Eintracht-Verantwortlichen vom Ausscheiden nicht. Na klar, sie hatten trotz der offensiven Außendarstellung, das Spiel unbedingt noch drehen zu wollen, damit rechnen können und müssen. Also sagte Sportvorstand Fredi Bobic: „Für den jetzigen Stand bin ich sehr zufrieden, weil jeder sein Herz auf dem Platz gelassen hat. Die Planung war wegen der Pandemie nicht einfach, wir mussten unsere Prioritäten setzen.“ Natürlich hätte man früher die Vorbereitung starten können, „aber wir haben den Jungs aus voller Überzeugung vier Wochen frei gegeben, weil wir in der neuen Saison wieder angreifen möchten. Dafür müssen alle frisch sein.“

Bekommt den eigens angefertigten Europa-League-Ball vorerst nicht mehr live zu sehen: Eintracht-Stürmer Goncalo Paciencia.

Und dafür erhalten die Spieler nun noch zusätzliche sechs fußballfreie Tage. Ab Sonntag bis zum darauffolgenden Samstag will Trainer Hütter seine Jungs nicht mehr an der Arena im Stadtwald sehen, sie sollen sich – ausgestattet mit Fitnessplänen für ein gediegenes Heimprogramm – lieber noch einmal ausruhen von der achttägigen Kurzvorbereitung auf das Basel-Spiel. Der vierwöchige Urlaub zuvor hatte aus Sicht der Bosse zur vollständigen Stärkung ganz offenbar noch nicht gelangt. „Wir wollen den Spielern noch einmal die Möglichkeit zur Erholung geben, um dann physisch und psychisch frisch die Vorbereitung auf die Bundesligasaison durchzuziehen. Das haben sie sich auch verdient“, sagte Coach Hütter: „Wir haben nun die Möglichkeit, eine ganze Saison ein bisschen anders vorzubereiten als die vergangenen beiden Jahre.“

Bald ist Eintracht Frankfurt wieder gefordert

Vier Wochen werden es dann noch sein, bis Eintracht Frankfurt im September wieder im DFB-Pokal gefordert ist, eine Woche länger bleibt bis zum Ligastart im eigenen Stadion gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld. Anschließend geht es für die Frankfurter mit dem Auswärtsauftritt bei der Hertha in Berlin sowie der Heimpartie gegen die TSG Hoffenheim weiter. Das erste Duell gegen Meister Bayern München wartet am fünften Spieltag, die Hin- und Rückrunde werden jeweils mit Partien gegen den SC Freiburg beschlossen.

Soll die Europapokalauszeit tatsächlich nur von einjähriger Dauer sein, sollen die magischen Nächte bald zurückkehren, benötigen die Frankfurter jedoch wieder ein wenig mehr Zauber im Alltagsgeschäft – und personelle Verstärkungen. Die Niederlage in Basel verdeutlichte einmal mehr, dass der Kader zu viele Durchschnittsspieler vereint. Wenn dann auch noch Unterschiedsspieler wie André Silva, Daichi Kamada oder Filip Kostic durchwachsene bis schlechte Tage erwischen, wird es eng.

Der Fokus von Eintracht Frankfurt liegt auf der Bundesliga

Drei Spieler gaben die Hessen bisher freiwillig ab (Lucas Torro, Rodrigo Zalazar, Mijat Gacinvoic), zwei externe Zugänge sind da (Ragnar Ache, Steven Zuber) - dabei sollte es nicht bleiben. Nach wie vor fehlt vor allem ein Denker und Lenker, der nicht nur selbst zu glänzen vermag, sondern auch seine Kollegen gekonnt in Szene setzen kann. Ein Spieler, der Abwehr und Angriff, Rechts- und Linksaußen verbinden kann. Weder Djibril Sow noch Sebastian Rode und Dominik Kohr erfüllen dieses Anforderungsprofil, für den in seinen Leistungen wechselhaften Daichi Kamada wiegt die Rolle des Gestalters ebenfalls häufig (noch) zu schwer. Bezeichnend, dass auch in Basel der mittlerweile 36 Jahre Altmeister Makoto Hasebe wieder mal die klügsten Pässe spielte – und das, obwohl er in der Sommerpause am Knie operiert worden war.

„Jetzt gilt unser Fokus der Bundesliga“, sagte Sportvorstand Bobic, der mit klugen Transfers in komplizierten Zeiten die Grundlage schaffen muss, will Eintracht Frankfurt bald wieder die schönen Fleckchen Europas erkunden. (Daniel Schmitt)

Rubriklistenbild: © Gian Ehrenzeller/dpa

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