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Eintracht-Mittelfeldspieler Djibril Sow ist sicher:  „Wir sind der hohe Favorit“.

Europa League

Eintracht in der Europa-League: Das Jahrhundertspiel für Vaduz

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Eintracht Frankfurt will den FC Vaduz aus dem klitzekleinen Liechtenstein nicht unterschätzen.

Um die Mittagszeit am Mittwoch, punktgenau 12 Uhr, beginnt für die Bundesligamannschaft der Frankfurter Eintracht der nächste internationale Trip. Dieses Mal geht es per Charter nach St.Gallen und schließlich hinüber nach Liechtenstein, in das zwischen der Schweiz und Österreich eingekesselte Fürstentum, das indes nur Zwischenstation sein soll für weitaus größere europäische Destinationen. Der FC Vaduz stellt sich in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League dem vormaligen Halbfinalisten in den Weg, eine nicht allzu hohe Hürde, die die Hessen überspringen können sollten.

Der Klub aus dem klitzekleinen Liechtenstein, aufgrund überschaubarer nationaler Konkurrenz ganze 47-mal Pokalsieger, tritt im Ligabetrieb in der Schweiz an, zweitklassig ist er seit 2017 nur noch, zurzeit rangiert er nach drei Spielen auf Rang fünf. Vor wenigen Tagen kam das Team von Cheftrainer Mario Frick nicht über ein 3:3 beim Vorletzten Stade-Lausanne hinaus, immerhin 450 Zuschauer wollten die doch ziemlich spektakuläre Partie sehen. Das alles klingt nicht gerade nach großer weiter Fußballwelt, ist es auch nicht. Das Alpenland ist 25 Kilometer lang, hat 38.000 Einwohner und ist der sechstkleinste Staat auf diesem Planeten, 1700 Menschen spielen aktiv Fußball, der FC Vaduz hat gerade mal 630 Mitglieder. „Wir sind sicher der hohe Favorit“, sagt der aus der Schweiz stammende Eintracht-Mittelfeldspieler Djibril Sow daher. „Aber wir müssen diese Rolle auch erfüllen, für Vaduz ist das ein Jahrhundertspiel. Sie werden uns nicht freiwillig in die nächste Runde einziehen lassen.“ Das ist in der Tat nicht zu erwarten.

Für die Liechtensteiner steigt am Donnerstag (20.30 Uhr/live bei RTL Nitro und im Liveticker dieser Zeitung) das Spiel der Spiele, für viele Akteure werden die beiden Aufeinandertreffen mit der Eintracht die Partien ihres Lebens sein. „Die Jungs werden sich zerreißen“, prophezeit Christian Kolodziej. „Das ist das absolute Highlight für den ganzen Verein.“ Der 50-Jährige muss es wissen, bis vor wenigen Wochen trimmte der frühere Eintracht-Konditionstrainer die Spieler aus dem Fürstentum, ehe er sich nun dem FC Zürich anschloss.

Wie der Underdog den Favoriten ärgern will und ob er überhaupt eine Chance hat, ist gänzlich unklar. „Die Mannschaft ist schwer einzuschätzen“, sagt Kolodziej dieser Zeitung. Aber junge Burschen seien dabei, talentierte, willige Typen, und der Charakter des Spiels sei halt auch besonders. Dennoch: Bei Licht betrachtet dürften die Mannen aus Liechtenstein nur geringe Erfolgsaussichten haben, das Niveau ist vielleicht mit einem unterdurchschnittlichen deutschen Drittligisten zu vergleichen.

Kein konkretes Angebot für Rebic

Zumal die Eintracht auch morgen eher ein Heimspiel haben wird, von den 6100 Zuschauern dürften sehr viele aus Frankfurt kommen, in der Liga pilgern nicht mal 1500 Besucher zu den Partien ins Rheinpark Stadion. „Ein Hexenkessel ist das nicht“, sagt Kolodziej. „Die Liechtensteiner sind nicht so fußballverliebt, bei schönem Wetter ziehen sie sich lieber in ihr Häuschen ins Tessin zurück.“ Dafür liege das Stadion malerisch. „Man schaut auf 2000 Meter hohe Berge hoch. Das ist ein schönes Ambiente.“

Den Frankfurter Profis wird das herzlich egal sein, für sie geht es nur darum, sich in Form zu bringen für den DFB-Pokal am Sonntag in Mannheim und den Grundstock zu legen für den Einzug in die Playoffs zur Europa League. Dabei muss die Eintracht auf Stürmer Ante Rebic verzichten, der am Rücken verletzte Kroate konnte weiterhin nicht mit der Mannschaft trainieren, absolvierte auf dem Platz ein individuelles Programm.

Der 25-Jährige ist, unabhängig von seiner Blessur, nach wie vor wechselwillig, doch weder ihm selbst noch dem Verein liegt ein konkretes Angebot vor. Auch nicht, wie erst jüngst wieder kolportiert, von Inter Mailand. Ein Transfer steht dennoch im Raum, schließlich schließt die Transferliste erst in mehr als dreieinhalb Wochen. Dass Rebic in Frankfurt bleibt, ist aber keineswegs auszuschließen.

Auch der Schweizer Neuzugang Djibril Sow wird in Liechtenstein fehlen, er wird nach seinem Sehnenanriss im Oberschenkeln noch einige Wochen pausieren müssen. Selbst der Nationalspieler kann den FC Vaduz nicht richtig einschätzen, obwohl er bis vor kurzem noch in Bern aktiv war. „Die zweite Liga habe ich aber nicht so verfolgt. Ich weiß nicht, auf wen man achten muss.“ Der 22-Jährige ist aber überzeugt von einem Sieg der neuen Kollegen, denn: „In der Mannschaft ist eine explosive Dynamik, die Jungs sind hungrig.“ Auch wenn noch nicht ein Rädchen ins andere greife. „Es ist Luft nach oben, es wird noch einige Zeit brauchen.“

Er selbst muss sich gedulden, hat die fußballlose Zeit genutzt, um seine Defizite aufzuarbeiten, also etwas mehr Muskulatur am Oberkörper aufzubauen. Er sieht sich auf einem „guten Weg“ und dem ursprünglichen Genesungsplan voraus. „Es ist sehr gut verheilt, aber wir schauen von Tag zu Tag“, sagt Sow. Gegen die Liechtensteiner aus Vaduz sollte es auch ohne den Züricher reichen.

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