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Gut, dass er wieder spielen darf: Routinier David Abraham.

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Eintracht Frankfurt: Die Achse der Weisheit

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Trapp, Abraham, Rode, Dost: Die erfahrenen Spieler von Eintracht Frankfurt sind zurück und sollen es richten.

Wenn Bas Dost über Fußballfelder schreitet, kann das bisweilen lustig aussehen, so ungelenkt wirkt dieser Mann dann, fast tollpatschig - ganz so, als versuche sich da jemand in einer Sportart, die so gar nicht die seine ist. Doch sie ist es sehr wohl. Denn Bas Dost kann sehr gekonnt über Fußballfelder schreiten, wenn auch nicht allzu flott, und noch besser kann er Bälle ins Tor befördern, wenn auch selten spektakulär. Abstaubertore seien ihm am liebsten, hat er mal gesagt. Diese Abschlussqualität hat der 30 Jahre alte Niederländer aus Deventer Zeit seiner Karriere stets bewiesen. Egal, ob anfangs in Heerenveen, später auf dem Höhepunkt in Wolfsburg, zuletzt überragend in Lissabon - Dost ist ein echter Torjäger, ein Knipser alter Schule, der es liebt nach seinen Buden mit weit aufgerissenem Mund vor der Fankurve zu stehen und sich feiern zu lassen.

Dost plagten Schmerzen - Eintracht hofft auf Rückrunde

Im vergangenen halben Jahr konnte der 1,96-Meter-Lulatsch, Schuhgröße zwischen 48 und 50, im Dienste von Eintracht Frankfurt jedoch nicht so agieren, wie er es sich das selbst gewünscht hatte. Der Körper des Neuzugangs machte nicht mit, er taugte im vergangenen Halbjahr nicht für die hohen Belastungen vieler Spiele. Schmerzen plagten den Angreifer, eigentlich überall, aber hauptsächlich in der Leistenregion. Ein heikle, weil nur schwer zu behandelnde Stelle. „Er hat sich gequält“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic, „so kannst du keine Leistung bringen.“

Dost brachte sie dann auch tatsächlich über weite Strecken nicht. Zwar schoss er die Eintracht zum Beispiel im Pokal auf St. Pauli (2:1) fast im Alleingang eine Runde weiter, auch traf er insgesamt sechsmal in 17 Einsätzen, so richtig ist er aber nie in dieser Hinrunde angekommen, er fand keinen Rhythmus, musste immer mal wieder aussetzen. Das wurmt ihn gehörig.

Eintracht Frankfurt: Dost ist ehrgeizig

Bas Dost ist ein ehrgeiziger Typ, das sagen seine Trainer, die Mitspieler - und das zeigt er nun auch in den USA. Vom ersten Training an im Übungscamp an der Westküste Floridas präsentierte sich der Stürmer wie ausgewechselt. Nichts ist mehr zu erkennen von den lahmen Sprintversuchen, die die Fans auf den Tribünen und den Spieler auf dem Feld gleichermaßen frustrierten. Dost marschiert voran in Bradenton, er lobt die jungen Kollegen auffällig oft während der Einheiten und, nicht ganz unwichtig für den Fortlauf der Frankfurter Saison, versenkt die Bälle mit seinen neongelben Kickschuhen reihenweise im Netz. „Bei Bas haben die Doktoren ewig nach den Ursachen für seine Schmerzen gesucht, da haben richtige Spezialisten, nicht nur unsere eigenen, die Ursache nicht erkannt“, erklärte Bobic: „Erst bei der gefühlt fünften Untersuchung hat dann einer gesehen, dass ein Nerv quer hängt.“ Eine anfangs anberaumte Akupunktur soll die Leiden gar noch mal verstärkt haben.

Eintracht Frankfurt braucht ihre erfahrenen Spieler

Nun wird Bas Dost natürlich auch nicht jünger und gewiss auch nicht mehr zum Sprinter, infolge einer passenden Behandlung ist er aber wieder schmerzfrei und damit einer der Hoffnungsträger für die Rückrunde, um Platz 13 und vor allem die Abstiegszone hinter sich zu lassen. „Es ist wichtig, dass die erfahrenen Spieler wieder da sind“, sagte auch Torwart Kevin Trapp (29) und meinte damit nicht nur sich selbst, sondern neben Dost wohl auch den zuletzt gesperrten David Abraham (33) sowie den immer wieder an kleinen Wehwehchen leidenden Mittelfeldmann Sebastian Rode (29). Diese zurückgekehrte und nun offenbar auch fitte Achse, bestehend aus gestandenen Spielern aller Mannschaftsteile, soll dem Team in der zweiten Saisonhälfte viel mehr Stabilität verleihen.

Ebenso wie Dost hatte auch Rode aufgrund seiner beim Europa-League-Halbfinale in London erlittenen Knieverletzung keine vollständige Sommervorbereitung absolvieren können – ein nicht unwesentlicher Grund, warum dem Zweikampfliebhaber mit Selbstzerstörungstrieb im Verlauf der Hinserie ein ums andere Mal die Puste fehlte. Auch, und das war rückblickend wohl ein Fehler, setzte Trainer Adi Hütter zu früh zu oft auf den Blondschopf, sah er in ihm doch schlicht mehr Qualität vereint als beispielsweise in Mittelfeldkollege Dominik Kohr. Häufigere Pausen hätten Rode gerade in der Anfangsphase der Saison aber sicher nicht geschadet, wenngleich an der Qualitätseinschätzung des Trainers kaum zu rütteln ist. Denn ein Rode in Topform ist gewiss stärker als all die anderen Frankfurter Mittelfeldmänner.

Eintracht Frankfurt: Rode extrem fleißig

Mit dem Jahreswechsel scheint Rode gewillt, sich wieder ans Optimum heran zu trainieren. Bisher ist er in Florida augenscheinlich der fleißigste Frankfurter. Rode betrat den Trainingsplatz fast immer eine Viertelstunde vor den Teamkollegen, um noch eine Extraschicht einzulegen.

Körperlich in Form ist David Abraham ohnehin, zumindest so, wie es Anfang Januar während der Vorbereitung sein sollte. Auch wird der Abwehrmann gewiss darauf brennen, es nach seiner wochenlangen Sperre allen Kritikern zu zeigen. Der Argentinier hatte nach einem für ihn eher durchwachsenem Saisonstart im Verlauf ja recht gut reingefunden, ehe er sich erst in Freiburg selbst rausrempelte aus dieser Runde. Nun präsentiert er sich wieder strahlend unter den Sonnenstrahlen Floridas, wenngleich er öffentlich nicht mehr reden will nach seiner Attacke gegen Freiburg-Trainer Christian Streich.

Bas Dost, Sebastian Rode, Kevin Trapp und David Abraham (im Verbund mit Gelson Fernandes, der aber um seinen Platz im Mittelfeld bangen muss), probieren also mehr als alle anderen Profis des Teams den Neustart. Die Achse der Weisheit soll Eintracht Frankfurt die Wende zum Positiven bringen. Es gibt Anzeichen dafür, dass dies gelingen könnte.

Von Daniel Schmitt

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