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Wird auch künftig den linken Flügel bei der Eintracht beackern: Filip Kostic.

Bundesliga-Finale

Endspiel um Europa: Eintracht Frankfurt reist zum Showdown nach München

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Schafft Eintracht Frankfurt den Sprung nach Europa? Die SGE will als Europapokalteilnehmer aus München zurückkehren. 

Den Worst Case, also diesen vermaledeiten achten Platz, blendet Adi Hütter geflissentlich aus. „Habe ich nicht in meinem Kopf“, sagt der Frankfurter Trainer, der heute Nachmittag (15.30 Uhr) mit seinem Team zum großen Finale in München antreten wird. Ein Endspiel am 34. Spieltag, für die Bayern und für die Eintracht. Für die einen geht es um den Titel, für die anderen um Europa. „Ich glaube an meine Mannschaft“, bekundet Coach Hütter und versucht so überzeugend wie möglich zu klingen. „Und so werde ich sie auch einstellen. Wir wollen mutig nach vorne spielen.“ Gedanken an ein Scheitern lässt er nicht zu. „Wir wollen unser Ziel erreichen.“ Die Qualifikation für den Europapokal. Die war schon so gut wie eingetütet, ist in den vergangenen Wochen aber peu à peu unsicherer geworden. Und auf einmal beginnt das große Zittern.

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Um dabei zu sein, müsste die Eintracht beim amtierenden Deutschen Meister zumindest einen Punkt holen, auch eine Teilnahme an der Champions League ist noch möglich, genauso wie Platz sieben, der eine Ochsentour mit drei Qualifikationsrunden bis zur Europa League bedeuten würde. Oder eben: Rang acht – nichts, null, nada. Das würde sich nach dieser „tollen Saison“ (Hütter) irgendwie falsch anfühlen, wäre aber nicht zu ändern.

Die Eintracht hatte genügend Chancen, den Sack zuzumachen, die letzten drei Heimspiele gegen nicht eben furchteinflößende Kontrahenten aus Augsburg, Berlin und Mainz verpatzte sie, holte nur einen Punkt. „Das hat mich sehr geärgert, da waren wir sauer“, betont der Österreicher.

Hütter gibt sich keinen Illusionen hin

So haben sich die Frankfurter in die verzwickte Lage gebracht, ausgerechnet bei den bayerischen Goliaths etwas holen oder eben auf Patzer der Konkurrenz aus Wolfsburg und Hoffenheim hoffen zu müssen. „Es geht um sehr, sehr viel“, sagt Hütter, dem die Anspannung anzumerken war. Ein Abrutschen aus den Europapokalplätzen hinaus würde diese grandiose Spielzeit zu einer ganz guten schrumpfen lassen. Das würde an einem gleichermaßen ehrgeizigen wie reflektierten Hütter nagen.

Die Eintracht-Profis werden in ihrem 50. und letzten Pflichtspiel noch einmal alles aus den geplagten Körpern herausholen müssen, sie werden die letzte Saisonpartie wie ein Endspiel angehen müssen, wie ein K.-o.-Spiel in der Europa-League. Für einzelne Höhepunkte konnte sich das Team immer noch einmal aufraffen, zuletzt hatte es dem großen FC Chelsea im Europa-League-Halbfinale einen heroischen Kampf geliefert. Hütter gibt sich keinen Illusionen hin. Eine ähnlich herausragend gute Performance wird sein Ensemble auch am Samstagnachmittag liefern müssen. „Wir brauchen eine Leistung wie in London. Wenn wir das nicht schaffen, wird es sehr schwer.“

Zum Spiel
München: Ulreich – Kimmich, Süle, Hummels, Alaba – Goretzka, Thiago – Gnabry, Müller, Coman – Lewandowski.

Frankfurt: Trapp – Abraham, Hasebe, Hinteregger – de Guzman, Fernandes – da Costa, Kostic – Gacinovic – Rebic, Jovic.  

Schiedsrichter:  Stegemann (Niederkassel).

Der Eintracht fehlen: Rode (Knorpelschaden), Tawatha (Knöchel-OP).

Das wird es auch so: München ist für die Frankfurter nicht das beste Pflaster. 1:4, 0:3, 0:1, 0:3, 0:5, lauteten die letzten Ergebnisse in Fröttmaning, wo der letzte Punkt 2007 ergaunert wurde, ein 0:0, als Oka Nikolov ungefähr 264 Schüsse abwehren konnte. Den letzten Sieg fuhren die Hessen 2000 ein, damals traf Jan-Aage Fjörtoft. Die norwegische Kultfigur traut der Eintracht heute den großen Wurf zu: „Die Bayern haben mehr zu verlieren, sie müssen Meister werden.“ Und: „Solche Herausforderungen liegen den Frankfurtern eher als vermeintlich einfache Spiele, das haben sie dieses Jahr in der Europa League bewiesen. Das Ding ist noch nicht durch.“ Druck haben die Bayern, die ihre letzten zehn Heimspiele am Stück gewannen, sehr wohl, sollten sie am letzten Spieltag zu Hause die Meisterschaft verpassen, wäre das eine mittelschwere Katastrophe. Ex-Eintracht-Coach Niko Kovac würde das mit ziemlicher Sicherheit seinen Job an der Säbener Straße kosten. Und dass die Eintracht ein gefährlicher Gegner sein kann, wissen sie spätestens seit dem verlorenen Pokalfinale vor einem Jahr. Anderseits sind es die Münchner gewohnt, mit solchen kitzligen Situationen umzugehen.

Ein Unentschieden würde beiden reichen, den Bayern zum erneuten Titelgewinn, der Eintracht für Europa. „Von Anfang an Taktieren wird nichts bringen“, sagt Hütter, schränkt aber ein: „Wenn es zehn Minuten vor Schluss Unentschieden steht, weiß ich nicht, was passiert.“

Mit der Taktik der gezielten Nadelstiche will die Eintracht den Bayern beikommen, sie wird nicht blindlings nach vorne rennen. Dass alle Topstürmer, Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller, gemeinsam auflaufen, scheint ausgeschlossen. „Mit drei Spitzen, das wäre sehr, sehr mutig“, befindet Hütter, der auf Wuchtbrumme Rebic gewiss nicht verzichten wird. Der bullige Kroate hatte die Bayern im Pokalfinale im Alleingang erledigt.

Gutes Geschäft für Eintracht Frankfurt

Ob Haller nach seinem langen Ausfall schon so weit ist, ist zweifelhaft. Bleibt Jovic, der ja mit Real Madrid schon einig sein soll, es dürfte sein letztes Spiel im Eintracht-Dress sein. Hütter sieht das ganz locker. „Wenn es so kommt, haben wir alle gewonnen. Es würde mich unglaublich stolz machen, dass einer unserer Spieler zu einem der besten Vereine der Welt geht.“ Das ganze Theater gehe indes nicht „spurlos an Luka vorbei“, zumal sich Jovic in Frankfurt „unglaublich wohlfühlt, und da ist es dann nicht einfach, wenn man dort weggehen soll“. Ein Gehalt von rund zehn Millionen Euro wird den Trennungsschmerz lindern.

Einer, der sich ebenfalls „in die Notizbücher der internationalen Vereine“ (Hütter) gespielt hat, ist Filip Kostic. Der 26 Jahre alte Flügelspieler wird aber in Frankfurt bleiben, die Eintracht hat den bisher bis 2020 vom Hamburger SV ausgeliehenen Linksfuß fest verpflichtet und ihn mit einem Vertrag bis 2023 ausgestattet. Eine weise Entscheidung, der unverwüstliche Serbe ist eine Klasse für sich, der beständigste Spieler der Eintracht, der seine Leistungen Woche für Woche auf höchstem Niveau bringt.

Die Kaufoption war einst auf 6,5 Millionen Euro festgesetzt worden, da dem in der Klemme steckenden HSV aber der Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt sehr recht ist, konnte die Eintracht den Preis um rund eineinhalb Millionen Euro drücken. Ein gutes Geschäft. „Für uns“, sagt Sportvorstand Fredi Bobic völlig zu Recht, „ist Filip ein echter Glücksgriff.“

Verfolgen Sie auch den Live-Ticker zum Spiel Bayern München - Eintracht Frankfurt

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