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Eintracht Frankfurt gelingt ein Sieg für die Ewigkeit

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Von: Ingo Durstewitz

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Eintracht Frankfurt holt nach 42 Jahren wieder den Europapokal nach Frankfurt. Stürmer Borré und Torwart Trapp werden zu Helden.

Sevilla – Nicht selten schnurrt solch ein riesiges Ereignis, ein fast schon monumentales Fußballspiel auf ein, zwei Szenen zusammen, fünf, sechs, sieben Sekunden, die alles verändern, die alles entscheiden, die aus Berufsfußballern Helden machen, die Träume wahr werden und Märchen entstehen lassen. So war das am Mittwochabend, als Eintracht-Torwart Kevin Trapp mit einer Weltklasseparade erst eine tausendprozentige Chance der Rangers kurz vor Ende der Verlängerung zunichte machte und später dann den vierten Elfer im Elfmeterschießen von Aaron Ramsey hielt. Trapp, der Bub aus dem Saarland, der Held. Unfassbar. Unbeschreiblich.

Rafael Borré machte es dann perfekt, der Stürmer verwandelte den entscheidenden Elfer und schoss einen Verein, eine ganze Stadt ins Glück. Es war der letzte Schuss aus elf Metern, und es war der goldene. Eintracht Frankfurt hat es vollbracht. Die Hessen sind Europa-League-Sieger 2022 in einem epischen Finale gegen die Glasgow Rangers, das, wie sollte es anders sein, im Elfmeterschießen entschieden wurde. Damit spielt die Eintracht erstmals in der Champions League. Es ist ein historischer Sieg, ein Sieg für die Ewigkeit – der auf entsprechend dramatische Weise, auf die dramatisch denkbarste Weise zustande kam.

Eintracht Frankfurt ist Europa League Sieger: Mit eisernem Willen

In diesem nicht hochklassigen, aber hochdramatischen und maximal spannenden Europa-League-Finale zwischen Eintracht Frankfurt und den Glasgow Rangers prallten nicht die besten Mannschaften des Wettbewerbs aufeinander, aber ganz sicher die, die den eisernsten Willen und das größte Herz hatten, diesen Cup zu holen – für sich selbst, für das Team, für den Verein, die Stadt, ja für das ganze Land. Für die frenetischen Fans erst recht. Es war ein Finale, das eigentlich keinen Verlierer verdient hatte, weil keiner zu keiner Sekunde zurücksteckte, weil beide bedingungslos den Sieg wollten. Beeindruckend. Außergewöhnlich. Am Ende gingen beide Mannschaften auf der letzten Rille, von Krämpfen und Schmerzen gepeinigt schleppten sie sich in diesem epischen Endspiel über die Ziellinie. Respekt.

Der Moment des Sieges.
Der Moment des Sieges. © dpa

Der Finalsieg bringt 8,5 Millionen Euro, insgesamt hat die Eintracht knapp 25 Millionen verdient, 4,5 Millionen würde es für den Sieg im Super-Cup geben. Für dieses nächste Finale haben die Eintracht-Fans auch schon wieder gebucht. Am 10. August trifft der Sieger der Europa League in Helsinki dann auf den aus der Champions League, Real Madrid oder FC Liverpool. Gegen die sind früher Freundschaftsspiele ausgemacht worden, für die die Eintracht eine üppige Antrittsgage berappen musste.

Eintracht Frankfurt - Glasgow Rangers
Kevin Trapp küsst den Europapokal. © Pablo Garcia/dpa

Eintracht Frankfurt im Europacup: Für Sekunden herrschte Ohnmacht

Die Eintracht musste am Mittwoch leiden ohne Ende, und sie schien tatsächlich auf die Bretter zu gehen, weil Rangers-Stürmer Joe Aribo eiskalt zuschlug nach 57 Minuten. Und das kam so: Torwart Kevin Trapp hatte den Ball lang nach vorne geschlagen, Rafael Borré verlor das Kopfballduell, Mittelfeldspieler Djibril Sow verlängerte die Kugel unglücklich nach hinten und Libero Tuta rutschte zu allem Überfluss auch noch aus. 0:1, der Tiefschlag. Für Sekunden herrschte Ohnmacht in dem vorher so ohrenbetäubend lauten Frankfurter Fanblock. Doch die Eintracht wäre nicht die Eintracht, wenn sie nicht einfach weiter machen würde, wenn sie nicht gegen alle Widrigkeiten ankämpfen und weiter an sich glauben würde. Mit bemerkenswerter Energie und auch einiger Wut berannten die Hessen das Tor der Rangers.

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Daichi Kamadas Lupfer war noch ein paar Zentimeter zu hoch angesetzt und landete auf dem Tornetz (67.), doch zwei Minuten später war es so weit. Natürlich war es Flankengott Filip Kostic auf links – wer sonst? –, der sich am Flügel durchsetzte, den Ball mit Effet nach Innen brachte, wo Mittelstürmer Rafael Borré im Stile eines klassischen Vollstreckers die Fußspitze an die Kugel brachte und zum Ausgleich vollendete. Das war schwieriger als es aussah und das nächste wichtige Tor des kleinen Kolumbianers, der immer wertvoller wird. Und die Eintracht damit auch im Spiel hielt.

Eintracht Frankfurt im Europacup: Rangers-Fans in der Überzahl

Beeindruckend schon lange vor dem Anpfiff: Bereits 90 Minuten vorher lieferten sich die beiden Fangruppen im Estadio Ramón Sánchez-Pizjuán einen erbitterten Wettstreit, wer zumindest stimmlich stärker ist. Das ging dann die ganze Zeit so weiter und klang zumindest vor dem Anpfiff oft schwer nach Unentschieden, obwohl die Rangers-Fans nicht nur in der Stadt, sondern auch im Stadion klar in der Überzahl waren. Die Stimmung im Oval war schlichtweg phantastisch. Es waren keine Worthülsen, wonach die beiden reiselustigsten, frenetischsten und lautesten Fans des Wettbewerbs aufeinandertrafen. Die vollmundige Ankündigung von Peter Fischer ließ sich trotzdem erst mit einigem Anlauf umsetzen. „Wir werden Chef im Stadion sein“, betonte der exaltierte Vereinspräsident am Abend zuvor auf dem Empfang vor 800 geladenen Gästen. Aber er sollte Recht behalten, die Eintracht-Fans dominierten fortan das Stadion. Mit Anpfiff übernahm die Eintracht das Kommando – auf den Rängen und auf dem Feld.

Die Eintracht-Entourage wusste sowieso schon vorher, was es bedurfte, um den Pott tatsächlich heim nach Frankfurt bringen zu können. Sie erzeugte wieder dieses bestimmte Eintracht-Feeling, das Berge versetzen kann. Volkstribun Peter Fischer tat sich da dieses Mal besonders hervor, schon am Abend vor dem Spiel während des Empfangs in der mondänen Hacienda La Soledad am Stadtrand von Sevilla heizte er den Gästen weit nach Mitternacht ein. „Wir brauchen diese Aura“, befand Präsident Peter Fischer, der den Sieg, ganz klar, „besser als Sex“ findet. Nach dem Schlusspfiff rannen beim Boss die Tränen, „dieses elendigen Miststück wollen wir auf den Römer bringen“, sagte er und meinte den Pott. „Es ist der größte Moment der Vereinsgeschichte.“ Vorstandssprecher Axel Hellmann flankierte und nannte diese Symbiose mit den Fans ein „energetisches Band – wir leben diesen Wettbewerb mit jeder Faser. Das wird uns zum Titel führen“. Er sollte Recht behalten. Monumental. (Ingo Durstewitz)

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