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Frust beim Hüter: Kevin Trapp sitzt enttäuscht am Pfosten, die Europa League rückt in weite Ferne.

Ausverkauf?

Eintracht Frankfurt: Bei Europa-Aus drohen gravierende Folgen

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Sollte Eintracht Frankfurt den erneuten Sprung auf die europäische Bühne verpassen, könnte das gravierende Auswirkungen auf den Kader haben.

In den letzten knapp 50 Jahren hat es drei Spiele mit Beteiligung von Eintracht Frankfurt gegeben, bei denen der Sieger auch gleichzeitig Deutscher Meister wurde, alle drei Partien fanden im Waldstadion statt: In der Saison 1970/71 sicherte sich Borussia Mönchengladbach durch ein 4:1 in Frankfurt den Titel, 1987/88 Werder Bremen mittels eines 1:0-Erfolges, und 2012/2013 bedeutete das einzige Tor von Bastian Schweinsteiger die Meisterschaft für die Bajuwaren, sechs Spieltage vor Schluss übrigens.

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Bekanntlich können die Frankfurter am kommenden Samstag das Zünglein an der Waage sein und den Bayern die Meistersuppe gehörig versalzen - ein Sieg und die großen Zampanos aus München hätten ein veritables Problem, falls Borussia Mönchengladbach im Fernduell mit Borussia Dortmund mitspielt. 

Eintracht Frankfurt hofft auf das „mittelgroße Wunder“

Aber das sind Frankfurter Wunschträume, relativ fern von Realität, selbst wenn das komplette Gebilde FC Bayern derzeit nicht gerade vor innerer Stärke bebt, und der FC Ruhmreich dieses Mal definitiv etwas zu verlieren hat. Trotzdem müsste schon ein „mittelgroßes Wunder“ geschehen, um in der bayrischen Kapitale zu reüssieren, wie Marketingvorstand Axel Hellmann sagt.

Dazu wirkt die Eintracht aktuell einfach überspielt, aufgezehrt von 49 Pflichtpartien. Es sieht nicht danach aus, als könnte sie sich noch einmal zu solch einer Willensleistung zusammenreißen, die sie insbesondere durch die internationalen Spiele getragen hat. Und am Ende könnte diese Mannschaft, die mit so viel Power und Freude durch Europa geeilt ist, die als einzige die deutsche Fahne bis fast zum guten Schluss hochgehalten hat und die zeitweise zum beliebtesten Klub Deutschlands aufgestiegen war, am Ende könnte diese Mannschaft mit leeren Händen dastehen. Das wäre extrem bitter, außerordentlich ärgerlich, man könnte es fast als Hohn empfinden - aber es ist Sport. Und da zählen nur Ergebnisse.

Eintracht-Höhenflug weckt Begehrlichkeiten

Für Eintracht Frankfurt könnte ein verpasster Sprung auf die europäische Bühne gravierende Konsequenzen nach sich ziehen. Finanzielle, weil Einnahmen von mehr als 30 Millionen Euro (wie in dieser Runde) fehlen würden, in erster Linie aber sportliche und personelle. Denn natürlich hat der Frankfurter Höhenflug Begehrlichkeiten bei anderen, potenteren Klubs geweckt. Die Eintracht stand im Schaufenster, grell ausgeleuchtet, jeder konnte sehen, zu welch außerordentlichen Leistungen die Spieler in der Lage sind.

Ein Pfund, mit der die Eintracht bei anstehenden Vertragsverlängerungen wuchern konnte, war die Aussicht auf die Champions League oder zumindest die Europa League. Diese sportlich höchst attraktive Perspektive könnte im Worst Case wegfallen - und damit ein gewichtiger Grund für Topspieler, bei der Eintracht zu bleiben. Am heißesten begehrt ist zweifelsohne Klassestürmer Luka Jovic, 17 Tore in der Liga und zehn in Europa sind beste Argumente, Real Madrid soll bereit sein, 60 Millionen Euro für den 21 Jahre alten Serben auszugeben. Ein bisschen mehr sollte es schon sein, zumal die Eintracht ein gutes Drittel an Benfica Lissabon weiterreichen müsste.

Dass es Interessenten für dessen Sturmkollegen Ante Rebic und Sebastien Haller gibt, vor allem aus England, ist ebenfalls keine Überraschung. Gerade Haller ist als sogenannter „target man“, als Schlüssel- oder Zielspieler, einer, der jeder Mannschaft guttut und der sie weiterbringen würde. Der Eintracht indes kam die sechswöchige Verletzungspause des Stoßstürmers freilich nicht ungelegen, der Mann geriet da ein wenig aus dem Fokus. Haller will die Eintracht unbedingt halten, bei Jovic überwiegen dann doch wirtschaftliche Überlegungen. Bei Rebic scheint alles offen.

Offen ist neuerdings die Zukunft von Torwart Kevin Trapp, den laut französischen Medienberichten Paris St. Germain doch ganz gerne wieder ins eigene Tor stellen will. Trainer Thomas Tuchel soll sich für den deutschen Nationalschlussmann stark gemacht haben, er will eine neue feste Nummer eins. Den Zweikampf mit Alphonse Areola könnte Trapp aufnehmen.

Fredi Bobic bleibt gelassen

Sogar eine Vertragsverlängerung seines ohnehin sehr gut dotierten Kontraktes beim Champions League-Teilnehmer über 2020 hinaus sei denkbar, hieß es aus Frankreich. Trapp, der eine Immobilie im Herzen Paris’ besitzt, dürfte da ins Grübeln kommen. Zwar hat er in der Vergangenheit immer wieder betont, wie „superwohl“ er sich in Frankfurt fühlt und wie sehr er die Entwicklung des Klubs goutiert, doch da war die Aussicht, weiterhin international unterwegs zu sein, noch deutlich besser. Und wer den Ehrgeiz des Ballfängers kennt, weiß, dass es ihm schwerfallen würde, in der neuen Saison „nur“ Bundesliga zu spielen.

Und der PSG hat seine Fühler zudem nach Verteidiger Evan Ndicka ausgestreckt, der im Sommer für sechs Millionen Euro aus Auxerre kam. Zuletzt ist der junge Franzose, 19, etwas in Ungnade gefallen. Sein Wert wird aktuell auf 22 Millionen Euro taxiert. Darüber hinaus ist die Zukunft von Martin Hinteregger, vom FC Augsburg nur ausgeliehen, und Sebastian Rode, der nach seinem dritten Knorpelschaden ohnehin erst mal wieder auf die Beine kommen muss, ungewiss. Hinteregger hat freilich keinen Hehl daraus gemacht, dass er gerne in Frankfurt bleiben würde. Die Eintracht müsste ihn für rund zehn Millionen Euro auslösen, auch Filip Kostic ist vom HSV nur ausgeliehen, allerdings läuft der Leihvertrag noch ein weiteres Jahr. Die Ablösesumme ist fest taxiert, 4,5 Millionen Euro.

Eintracht-Vorstand Fredi Bobic verfolgt derlei mehr oder weniger intensive Abwerbeversuche einigermaßen routiniert. Man sei auf jeden erdenklichen Fall vorbereitet, sagt er, man habe seine Hausaufgaben erledigt und ausreichend talentierte, aber auch gute Spieler in der Hinterhand. Auch im kommenden Jahr werde die Eintracht ein schlagkräftiges, neues Team auf die Beine stellen, Geld, das durch die Verkäufe generiert wird, wäre ja vorhanden. Aber natürlich weiß er: Der Anreiz, erneut in der Europa League spielen zu können, würde die Kaderplanung um ein Vielfaches erleichtern.

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