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Ein Tor wie ein Gemälde: Bas Dost (rechts) erlupft das 2:0 für die Eintracht beim FC St. Pauli

Eintracht-Stürmer Bas Dost

Wandspieler mit Torriecher: Bas Dost nutzt die Zeit vorm Bayern-Spiel zum Luftholen

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Bas Dost fallen seine beiden Treffer auf St. Pauli leichter als der Abnutzungskampf der zweiten Halbzeit - zumal er länger spielen musste als vom Trainer geplant.

Bas Dost kam nach dem 2:1-Pokalsieg beim FC St. Pauli als letzter Frankfurter Fußballprofi vom Spielfeld in den Spielertunnel des Millerntorstadions. Der Mittelstürmer hatte die Trophäe des „Man of the Match“ dabei, draußen hatte er noch einige TV-Interviews geben müssen. Das gehört zur Arbeit eines zweifachen Torschützen, der ein Spiel entschieden hat. Nicht im Alleingang, das wäre übertrieben, aber allemal eindrucksvoll. 

Einmal, nach guter Hereingabe von Martin Hinteregger, traf Dost per Kopf, was in der komplizierten Situation und hart bedrängt nach einer Flanke aus dem Halbfeld, noch dazu mit Schnitt zum Tor vielleicht nicht so viele andere Fußballspieler geschafft hätten. „Da habe ich mich voll reingeschmissen.“ Und bald darauf nach einem nicht minder perfekten Steilpass von Dominik Kohr, den Dost im Sprint erlief, nicht unbedingt typisch für sein Spiel, das eher mit dem Rücken zum gegnerischen Tor stattfindet. Der 30-Jährige schaute, verzögerte kurz und lupfte den Ball dann über Pauli-Keeper Korbinian Müller ins Tor. Dost fand den Treffer zur Recht „geil“ und schloss Kohrs „Traumpass“ ausdrücklich mit ein.

Bas Dost sollte eigentlich nur 60 Minuten spielen

Die Messe schien zeitig gelesen für Eintracht Frankfurt. Aber dann kam es noch anders. Und Dost musste länger arbeiten, als ihm und seinem Trainer eigentlich lieb war. Eigentlich hatte der 1,96-Meter-Mann schon viel eher ausgewechselt werden sollen. Es war ohnehin knapp gewesen mit einem Einsatz in der Startelf. Erst im Abschlusstraining hatte der 30-Jährige seinen Vorgesetzten Adi Hütter durch Worte und Taten überzeugen können, dass er in Hamburg spielen kann. Zuvor, am Sonntag in Mönchengladbach, hatte Dost wegen Adduktorenproblemen aussetzen müssen. So eine Verletzung kann sich ziehen, aber sie zog sich diesmal nicht. So konnte Hütter dem stark belasteten Goncalo Paciencia, auch mit Blick aufs Spiel gegen die Bayern am Samstagnachmittag, eine Pause gönnen. Nur sollte die Pause eigentlich kürzer sein.

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Hütter hatte vorgehabt, Dost nach etwa einer Stunde auszuwechseln. Aber weil zuvor schon Hinteregger und Timothy Chandler angeschlagen rausmussten und weil wegen des (allerdings recht harmlosen) Dauerdrucks des Gegners auch eine Verlängerung noch in der Luft lag, musste Dost durchhalten. Bis zur 88. Minute. „Wir brauchten ihn auch in der Defensive wegen seiner Kopfballstärke“, erläuterte Hütter. Tatsächlich war Dost dort hinten einige Male zur Stelle, ehe es überhaupt brenzlig wurde.

Auch ins Kombinationsspiel brachte der im Sommer für schlappe sieben Millionen Euro aus Lissabon verpflichtete Torschütze vom Dienst sich in der ersten Hälfte geschickt mit ein. „Die zweite Halbzeit war für mich sehr schwer, da bin ich mit meinem Level runtergegangen“, berichtete er in seinem lustigen Deutsch, „da haben wir vorne zu viele Bälle verloren.“

Makoto Hasebe lobt Bas Dost

Erst jüngst hatte Makoto Hasebe den niederländischen Kollegen im Interview ausgiebig belobigt. Hasebe weiß, wovon er spricht; schließlich hat der Japaner schon in Wolfsburg zwei Jahre lang mit Dost zusammengespielt. Er sagt, Dost sei „genau wie Alex Meier. Er macht immer seine Tore, weiß, wo er stehen muss und braucht nicht viele Chancen. Und er schießt auch nur mit der Innenseite, seine Füße sind ja groß genug, er hat bestimmt Schuhgröße 50.“ Da hatte Hasebe natürlich ein bisschen übertrieben, sie liegt nur bei 48.

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Für Sportvorstand Fredi Bobic, früher selber gefürchteter Mittelstürmer, stand jedenfalls nach dem Abgang von Sebastien Haller zu West Ham United sofort fest, dass die Eintracht einen wuchtigen Nachfolger benötigt, um ihren Spielstil beibehalten zu können. Von einer Angriffsformation ohne echten Mittelstürmer hält Bobic nämlich rein gar nichts. Dost, der in der kommenden Länderspielpause Mitte November noch Fortschritte in Sachen Fitness machen soll, erfüllt Bobics Anforderungsprofil als Wandspieler mit Torriecher.

Das soll am Samstag auch der Branchenführer zu spüren bekommen. „Gegen die Bayern zu spielen – das sind die Spiele, wofür man Fußball spielt“, sagt Dost und stellt klar: „Bayern ist immer Favorit, aber wir haben alles Vertrauen in uns.“ Er dürfte gemeinsam mit Paciencia das Frankfurter Sturmduo bilden und will die kurze Zeit zum Luftholen nutzen.

Von Jan Christian Müller

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