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Muten unwirklich an, sind es aber nicht, diese ständigen Jubelarien bei Eintracht Frankfurt.

Traum von der Champions League

Doppelte Chance für Eintracht Frankfurt

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Die Champions League winkt: Eintracht Frankfurt will „Geschichte schreiben“.

Bei Eintracht Frankfurt sind sie zurzeit nachvollziehbarer Weise ja schon ein bisschen überschwänglich. Nach dem 2:0 gegen Benfica Lissabon zum Beispiel, dem begeisternden Heimsieg, der zum Weiterkommen ins Halbfinale der Europa League reichte, sagte Axel Hellmann kurz nach Spielschluss hellauf begeistert zu den Reportern: „Wir haben ein Glanzlicht für die Bundesliga auf europäischen Parkett gesetzt.“ Es mache die Eintracht enorm stolz, Deutschland als einziger Verein europäisch zu vertreten, das waren sonst in diesen Endphasen der Wettbewerbe ja meist nur der FC Bayern oder ab und an mal Borussia Dortmund. Hellmann weiter: „Es war ein ganz großer Abend, sicher auch ein historischer für den Klub.“

Das Vorstandsmitglied des hessischen Vorzeigevereins, das schon von Kindheitstagen an mit den Frankfurter Fußballern fiebert und daher natürlich in so manch Krisenzeiten gestählt wurde, strahlte bei seinen Worten über beide Wangen, er bekam die Mundwinkel gar nicht mehr richtig eingefangen, so weit waren sie nach oben gedriftet. Eintracht Frankfurt, das ist unbestritten, kann es sich dieser Tage erlauben, auch mal ein bisschen überschwänglich zu sein.

Eintracht Frankfurt hat sich in ganz Europa Respekt erspielt

Nicht nur in den deutschen Medien werden kurz vor dem Saisonende und den anstehenden Entscheidungsspielen in Liga und Europapokal regelmäßig Lobeshymnen über die Eintracht verfasst, in ganz Europa haben sich die Mannen vom Main großen Respekt erspielt. Gerade auf der Insel, in England, genießt die Mannschaft von Trainer Adi Hütter vor dem anstehenden Europapokal-Halbfinale gegen den Londoner Klub FC Chelsea eine deutlich erhöhte Aufmerksamkeit. Die „Daily Mail“ etwa, ein bekanntes Boulevardblatt mit Hauptsitz in London, schrieb vor wenigen Tagen: „Vergesst das grandiose Ajax Amsterdam mit seiner fußballerischen Brillanz. Das romantischste Team in ganz Europa heißt Eintracht Frankfurt. Sie sind eine Mannschaft, die mit ihrem Verständnis des Spiels, mit ihrer brachialen Art und Weise des Fußballs die Menschen begeistert.“

Nun ist der aufgestellte Vergleich zu Ajax Amsterdam natürlich ein rein subjektiver. Objektiv betrachtet hinkt dieser wohl doch ein klein bisschen, denn die Holländer spielen eine europäische Saison, die noch eine Spur stärker einzuordnen ist als jene der Eintracht – immerhin warfen die jungen, spielerisch so feinen Fußballer aus Amsterdam in den K.o.-Spielen bisher die Spitzenteams Real Madrid und Juventus Turin aus der Champions League. Zuvor setzten sie sich in der Gruppenphase unter anderem gegen den vergangenen Eintracht-Opponenten Benfica Lissabon zweimal verdient mit 1:0 durch. Zudem wartet im Halbfinale Tottenham Hotspur. Ein Aufeinandertreffen, in dem der Favorit nur schwerlich auszumachen ist und der Einzug ins Endspiel für Ajax auf jeden Fall möglich scheint.

Nicht weit zurück auf dem imaginären Barometer der Überraschungsmannschaften dieser Saison folgt aber tatsächlich die Frankfurter Eintracht. Oder wie der „Independent“, eine überregionale Tageszeitung aus London, jüngst schrieb: „Die Eintracht wird für den FC Chelsea ein total unberechenbarer Gegner werden. Wenn die Frankfurter ihre Bestform in beiden Spielen abrufen, sind sie eine beeindruckende Mannschaft.“

Das Halbfinalhinspiel gegen den Tabellenvierten der Premier League am kommenden Donnerstag wirft seinen riesigen Schatten voraus, in Sachen Bedeutung kann das Bundesligaduell am Samstag (15.30 Uhr) gegen Hertha BSC trotz aller gebotener Professionalität unter den Profikickern natürlich nicht annähernd mithalten. Und im Umfeld sowieso nicht. „Jetzt haben wir Chelsea, die vierte Mannschaft mit einer Champions-League-Qualität. Dass wir uns auf dieses Niveau heben können, macht mich stolz“, sagte Hellmann.

Champions-League-Qualität, das ist eine, mit der sie sich bei der Eintracht auch künftig anfreunden könnten, mit der sie sich auch kommende Saison gerne messen würden. In der Bundesliga liegen die Frankfurter vier Spieltage vor dem Abpfiff der Saison auf Platz vier – mit zwei Punkten Vorsprung auf Mönchengladbach und drei Zählern auf Hoffenheim. Sollten die Hessen diesen Platz wirklich behaupten, wären sie in der kommenden Spielzeit in der europäischen Eliteklasse dabei – erstmals seit 1960. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, erstmals seit 59 Jahren, da waren eine Vielzahl der Frankfurter Fans noch nicht einmal geboren, geschweige denn der Trainer oder die Spieler.

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Adi Hütter, der bis vor zwei, drei Monaten öffentlich noch um Zurückhaltung gebeten hatte, ist mittlerweile längst wie seine Mannschaften in den Angriffsmodus gewechselt. „Ich versuche, die Jungs immer zu noch höheren Zielen zu treiben. Und das sind nun mal die ersten Vier. Wir könnten in dieser Saison Geschichte schreiben.“

Großer Sprung in die Königsklasse für Eintracht Frankfurt

Neben der Qualifikation über die Liga bietet sich im Europacup noch eine zweite Chance – mit dem Gewinn des Pokals, was freilich unrealistischer erscheint, müssten die Hessen dafür nicht nur Chelsea bezwingen, sondern in einem möglichen Finale auch den FC Arsenal oder Valencia. Würde das gelingen, wäre die Eintracht kommende Saison bei der Auslosung der Champions-League-Gruppen gar im ersten Lostopf unter all den Barcelonas, Manchesters oder Madrids dieser Welt vertreten, aber das nur nebenbei.

Über welchen Weg auch immer, der Sprung in die Königsklasse wäre für die Eintracht ein großer. Die Frankfurter, die von Hellmann als „gehobene Mittelklasse-Mannschaften“ bezeichnet werden, könnten sich aufs nächsthöhere Niveau hieven. Die Möglichkeit, die aktuelle Mannschaft zusammenzuhalten, würde steigen. Der Reiz für die Spieler, ihre Erfolgsgeschichte bei der Eintracht fortzuschreiben, immens. Auch könnten die Frankfurt mit rund 25 bis 30 Millionen Euro vorab planen. Rund 16 Millionen gibt es von der Uefa als Startgebühr für die Königsklasse, dazu fast drei Millionen für jeden Sieg, eine pro Unentschieden, weitere Millionenbeträge aus dem TV-Pool, logischerweise auch Zuschauereinnahmen. Und die Chance auf weitere Verdienstmöglichkeiten bei einer Qualifikation für die K.o.-Duelle. Für die Achtelfinalteilnahme schüttet die Uefa noch einmal 9,5 Millionen an jeden Klub aus. Nicht schlecht.

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