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Hardkohr bei der Arbeit: Dominik Kohr hat in Frankfurt einiges vor.

Neuzugang Dominik Kohr

Dominik Kohr - ein gnadenloser Zweikämpfer, der in die Duelle fegt, als gebe es kein Morgen

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Wer Dominik Kohr holt, weiß, was er bekommt: „Ich bin ein aggressiver Spieler“, sagt der Neuzugang von Eintracht Frankfurt. 

Daniel Baier ist der Ideengeber, ihm gebührt, wenn man so will, das Copyright. Damals, im Trainingslager mit dem FC Augsburg, ein paar Jahre liegt das zurück, da bestaunte der Kapitän des FCA seinen Mitstreiter Dominik Kohr, der einen sehr rustikalen und kompromisslosen Spielstil bevorzugt, und irgendwann fand Daniel Baier den perfekten Spitznamen für seinen Nebenmann: Hardkohr. Der Eintracht-Neuzugang saß gestern der versammelten Presse in Frankfurt gegenüber und erzählte die Geschichte mit einem fetten Grinsen im Gesicht. „Hardkohr“, bedeutete Hardkohr und lachte, „passt wie die Faust aufs Auge.“

Damit ist schon eine ganze Menge über den 25-Jährigen gesagt. Dominik Kohr, Neuzugang aus Leverkusen für annähernd zehn Millionen Euro und mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattet, ist ein Spieler, der auf dem Feld dorthin geht, wo es wehtut, ihm selbst, aber auch anderen. Er ist ein gnadenloser Zweikämpfer, der in die Duelle fegt, als gebe es kein Morgen, als seien sie seine letzten. Das zeichnet den Mittelfeldmann aus, das hat ihn zu einem gestanden Bundesligaspieler reifen lassen. Wer Kohr holt, weiß, was er bekommt. „Ich bin ein aggressiver Spieler“, sagt er über sich selbst.

Dominik Kohr will nicht im Vordergrund stehen

Das Bemerkenswerte, was auf den zweiten Blick aber gar nicht so bemerkenswert ist, weil eben sehr häufig so: Der Mensch hinter dem Fußballer ist ein zurückhaltender junger Mann, bescheiden und ausgleichend, einer, der kein Scheinwerferlicht braucht, um zu glänzen, der nicht in den Mittelpunkt drängt. „Ich möchte nicht unbedingt im Vordergrund stehen“, sagte er.

Von seiner Art und seiner Spielweise passt er perfekt ins Frankfurter Anforderungsprofil und zur Ausrichtung auf dem Fußballfeld. Kohr, 2017 mit der U21 Europameister und 2012 sowie 2013 mit der Fritz-Walter-Medaille in Bronze ausgezeichnet, ist ein absoluter Teamplayer, ein dynamischer und schneller Spieler, der den Umschaltfußball der Eintracht noch einmal intensivieren kann. Kohr weiß, auf was er sich eingelassen hat, er hat den Frankfurter Klub auch und gerade deshalb für sich auserwählt. „Wir brauchen hohes Pressing, und ich denke, ich kann mit meiner Spielweise schnelle Ballgewinne forcieren.“

Der Antreiber, der sich wie der andere Zugang, Djibril Sow, auf der „Achter“-Position sieht und sich ebenfalls als „Box-to-Box-Spieler“ bezeichnet, vereint, wie er glaubt, das Beste aus zwei Welten: den kämpferischen Ansatz, der beim FC Augsburg im Vordergrund stand, und die spielerische Komponente, die seit jeher das Markenzeichen von Bayer Leverkusen ist. Und genau so sieht er auch seinen neuen Verein, irgendwo in der Mitte zwischen diesen Polen: „Die Eintracht spiegelt das gut wider.“

Die Besetzung des neuen Mittelfelds ist in jedem Fall interessant, Kohr und Sow verkörpern beide die in Frankfurt gefragten Tugenden: Aggressivität, Dynamik, Tempo, aber auch eine gewisse Spielstärke. Ein ähnlicher Typ ist ja auch Sebastian Rode, der noch fest verpflichtet werden soll. Da lässt sich schon deutlich herauslesen, in welche Richtung das Eintracht-Spiel gehen wird.

Unterm Bayer-Kreuz lief es für den schon recht erfahrenen Kohr, der 145 Bundesligapartien, 15 Europapokaleinsätze und elf DFB-Pokalspiele vorzuweisen hat, zuletzt nicht mehr gut, da kam er unter Trainer Peter Bosz nur noch zu wenigen Kurzeinsätzen. Für die technisch zuweilen brillante Leverkusener Elf und die Vorstellungen des Coaches reichte sein fußballerisches Vermögen nicht so ganz aus. Genau da, räumt er ein, habe er „noch Potenzial“, das er heben könne, auch wenn er davon überzeugt ist, dass ihn die Leverkusener Schule geprägt und ihm geholfen hat. „Ich habe mich spielerisch und in der Offensive weiterentwickelt.“ Von einem Ausnahmetalent wie Kai Havertz könne jeder nur lernen, Kohr gerät ins Schwärmen. „Manchmal habe ich mich gefragt, ob der Kerl von dieser Welt ist“, erzählt er lachend. „Er weiß immer, was er mit dem Ball macht, ist eiskalt vor dem Tor. Als Gegenspieler hast du keine Chance gegen ihn.“

Enttäuschende Rückrunde bei Bayer

Das letzte halbe Jahr im Rheinland war für ihn zwar bitter, aber auch lehrreich. „Man muss die innere Ruhe bewahren“, befindet er. Die beleidigte Leberwurst habe er nicht gespielt, die Rolle als Stinkstiefel oder Miesepeter liege ihm auch nicht und sei auch unfair den Kameraden gegenüber. „Es bringt ja nichts, negativ eingestellt zu sein und am Ende andere damit noch runterzuziehen. Ich war bis zum Schluss positiv motivierend.“

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Der Wechsel an den Main wurde bereits vor einiger Zeit auf den Weg gebracht, weil die Eintracht den gebürtigen Trierer schon länger auf der Liste hatte und ihn frühzeitig kontaktierte. Lange überlegen musste er nicht, weil ihm die Spielweise und die Auftritte imponierten. „Das ist ein super Verein. Für mich war es keine Frage, dass ich das machen will.“ Gerade die Atmosphäre im Stadion im Stadtwald sei imposant. „Es war immer unangenehm, in Frankfurt zu spielen, weil die Fans die Mannschaft noch mal auf ein anderes Level pushen.“ Tipps von Lukas Hradecky, den heutigen Leverkusener und einstigen Frankfurter Torwart, musste er sich nicht mehr holen, doch klar ist, dass ihm der finnische Gute-Laune-Keeper zuriet. „Ich verstehe mich super mit Lukas, er hat nur Positives von Frankfurt und der Eintracht berichtet.“

Mit seinem neuen Klub hat er einiges vor, mal nach Berlin und den Pokal stemmen so wie die neuen Kollegen im alten Jahr, ja das hätte schon etwas. „Berlin ist mein Traum“, sagt er. „Genauso wie die Nationalmannschaft.“

Vorher geht es aber erst einmal durch die europäische Provinz, in nicht mal drei Wochen steht schon das erste Pflichtspiel an, die zweite Qualifikationsrunde der Europa League, entweder im estischen Tallinn oder im serbischen Nis. Dass es bald ernst wird, findet Kohr gar nicht schlecht. „Jeder Spieler hasst doch die Vorbereitung, und dieses Mal ist sie so kurz, wie ich es noch nie erlebt habe.“ Er glaubt, dass die frühen Qualispiele ein Vorteil für den Ligabetrieb sein könnten. „Wir werden schon eingespielt sein, das ist auf jeden Fall gut.“

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