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Muss um seinen Platz kämpfen: Djibril Sow.
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Muss um seinen Platz kämpfen: Djibril Sow.

SGE

Eintracht Frankfurt: Djibril Sow - Der Schattenmann

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Mittelfeldläufer Djibril Sow hat eine harte Zeit hinter sich und taut auf, wenn er weniger Verantwortung tragen muss.

  • Djibril Sow fühlt sich im Schatten wohler.
  • Der Schweizer von Eintracht Frankfurt auf, wenn wer weniger Verantwortung tragen muss.
  • Ilsanker macht es ihm schwer, einen Stammplatz bei der SGE zu erkämpfen.

Frankfurt - Es kommt im Profisport ja nicht so oft vor, dass man mit seinem Vorbild in einer Mannschaft spielen darf. Bei Djibril Sow, 23 Jahre alter und zehn Millionen schwerer Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt, ist das ein bisschen anders. Er spielt Seite an Seite mit seinem Idol, nicht im Verein, aber in der Auswahlmannschaft der Schweiz. Dort ist die Hackordnung klar: Er, Sow, ist der Azubi, der Wasserträger, der andere, Granit Xhaka, ist der Leitwolf, der Chef, „der Leader“, wie Sjibril Sow sagt. Schwärmerei, fast schon Bewunderung, schwingt in seiner Stimme mit.

Der bienenfleißige Dauerläufer fühlt sich sehr wohl im Schatten der unumstrittenen Führungskraft. „Er ist eine absolute Persönlichkeit, er hat auf dem Platz eine Präsenz, die ich so noch nicht gesehen habe.“ Sow geht sogar so weit zu sagen, dass ihm die Nebenrolle in der „Nati“ guttut, da trägt er nicht so schwer an der Last der Verantwortung. „In Granits Rücken kann ich meine Qualitäten zeigen.“ Das konnte er in Frankfurt bisher nicht wirklich. So richtig angekommen scheint er auch nach eineinhalb Jahren noch nicht zu sein.

Eintracht Frankfurt: Schwerer Start für Djibril Sow

Schon sein Start bei der Eintracht stand unter keinem guten Stern, gleich im ersten Trainingslager riss eine Sehne, was einen monatelangen Ausfall zur Folge hatte. Dabei war er doch als Hoffnungsträger gekommen, als Wunschspieler von Adi Hütter, der ungeheuer große Stücke auf seinen Ziehsohn aus gemeinsamen Berner Zeiten hält. Als der laufstarke Athlet wieder genesen war, spielte er sofort. Er spielte und spielte und spielte, bis keiner mehr wusste, weshalb er spielte, er selbst auch nicht, und er quasi darum bettelte, mal eine Verschnaufpause zu bekommen, denn die Leistungen korrespondierten nicht mit seiner Einsatzzeit. Das merkte der kluge Mann selbst. „Man überlegt viel“, sagt er rückblickend, er habe sich von seiner Premierensaison mehr erhofft, mehr von sich erwartet. „Ich war immer auf der Suche nach der richtigen Rolle.“

Klar ist, dass bei dem introvertierten Spieler vieles im Kopf abgeht, das Mentale nimmt großen Raum ein. Man kennt das ja: Man beginnt zu zweifeln, versteckt sich, das Selbstvertrauen schwindet in dem Maße, in dem die Furcht vor Fehlern wächst. Man verkrampft, die Stärken gehen verschütt. Ein Teufelskreis. Auch der Re-Start der Bundesliga misslingt dem Zürcher. „Ich bin nicht gut in die Corona-Phase gestartet“, sagt er. Das alte Spiel. „Ich bin in ein Loch gefallen.“ Im Sommer der Neustart.

Doch in dieser Saison kommen noch mehr Frusterlebnisse dazu, in den ersten sieben Partien sitzt er draußen, Nettospielzeit: 25 Minuten. Neben ihm kauert oft Dominik Kohr, neun Millionen Euro teuer – fast 20 Millionen Euro vereint auf der Bank. Keine guten Bilder. „Man muss sich immer wieder aufrappeln“, findet Sow.

Eintracht Frankfurt: Ilse macht’s ihm schwer

Kurioserweise haben ihm ausgerechnet die Spiele mit der Nationalmannschaft geholfen, er zeigt ansprechende Leistungen. Auswahltrainer Vladimir Petkovic sei „sehr zufrieden“ gewesen, „ich habe da schon einen Vertrauensvorschuss.“

Sow hat versucht, alle Nebenschauplätze auszublenden, die Zweifel zu vertreiben. „Ich habe mehr gemacht, mehr trainiert“, sagt er. „Man muss auch im Kopf einen Schritt nach vorne machen.“ Er habe sich irgendwann sogar eingeredet, dass diese missliche Zeit gut für ihn sei, weil er gestärkt aus ihr hervorgehen werde. „Und dann kann ich stolz darauf sein.“

Djibril Sow ist für seine Beharrlichkeit belohnt worden, gegen Leipzig stand er erstmals in der Startelf, zeigte eine ordentliche Leistung, zumindest defensiv, nach vorne ist noch ganz viel Luft nach oben. „Man muss auch den Matchplan kennen“, wirft er ein. „Die beiden Sechser sollten erst mal die Mitte schließen.“ Sechser, ein gutes Stichwort. Für ihn ist es auch deshalb nicht leicht, weil Coach Hütter in dieser Saison „einen defensiven Sechser“ will, wie Sow sagt. Eben Stefan Ilsanker. „Letzte Saison waren wir nicht nur auf Ilse auf der Sechs fixiert.“ Anklagend soll das nicht klingen.

Eintracht Frankfurt: Sow gibt nicht auf

Daran, die Flinte ins Korn zu werfen, hat er nicht gedacht. „Ich habe noch immer das Gefühl, das ist der richtige Verein für mich.“ Es würde ihm schwer fallen, die Eintracht zu verlassen. „Das ist ein geiler Verein mit richtig viel Potenzial.“ Und auch mit dem größeren Druck könne er mittlerweile umgehen, er habe vor 18 Monaten andere Angebote gehabt von sehr viel bekannteren Klubs. „Da wäre der Schritt, wie ich finde, zu groß gewesen.“

Und auch mit seinem Förderer sei er im Reinen, das Verhältnis zu Hütter nicht abgekühlt. Er werde behandelt wie jeder andere Spieler auch. „Ich finde nicht, dass wir uns nicht mehr in die Augen sehen können“, sagt Djibril Sow und schließt: „Es bleibt alles sportlich.“ So soll es sein.

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