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Eintracht Frankfurt

Wende im „Fall Bobic“? Aufsichtsrat verweigert die Vertragsauflösung

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Fredi Bobic will im Sommer Eintracht Frankfurt verlassen. Doch so leicht will die SGE den Sportvorstand nicht gehen lassen. Bahnt sich eine Wende an?

  • Am Mittwoch (10.03.2021) tagt der Aufsichtsrat bei Eintracht Frankfurt.
  • Die SGE hofft auf eine saubere Trennung von Fredi Bobic.
  • Den Sportvorstand zieht es zum Ligakonkurrenten Hertha BSC.

Update vom Mittwoch, 10.03.2021, 22.05 Uhr: Nach der Aufsichtsratssitzung des hessischen Bundesligisten ist klar: Eintracht Frankfurt will Sportvorstand Fredi Bobic nicht kampf- und kostenlos ziehen lassen. Sein Vertrag läuft noch bis einschließlich Juni 2023, er wollte aber eine vorzeitige Vertragsauflösung zum Saisonende - diese wird ihm nun verweigert. Fredi Bobic kann Eintracht Frankfurt im Sommer nur für eine Millionen-Ablöse vorzeitig verlassen.

Das Gremium habe Bobic darauf hingewiesen, „dass sein Vorstandsvertrag ohne jede Kündigungs- oder Ausstiegsmöglichkeit noch bis 30. Juni 2023 läuft“, teilte die Eintracht am Abend nach der mit Spannung erwarteten Aufsichtsratssitzung mit. Bobic habe dies bestätigt und erklärt, „dass er sich vertragskonform verhalten und dementsprechend seinen Vertrag einhalten wird“.

Eintracht Frankfurt will Sportvorstand Fredi Bobic nicht ohne Ablöse vorzeitig gehen lassen. (Archivbild)

SGE: Wechsel von Bobic noch nicht vom Tisch

Allerdings ist ein Wechsel des Ex-Profis, der den Posten seit 2016 bekleidet, nicht endgültig vom Tisch. Der Aufsichtsratsvorsitzende Philip Holzer wurde von dem Gremium einstimmig dazu bevollmächtigt, „Verhandlungen über die Bedingungen einer vorzeitigen Auflösung des Vorstandsvertrages von Fredi Bobic zu führen“, wenn es von Seiten eines anderen Vereins Interesse an einer Verpflichtung des Frankfurter Sportvorstandes geben sollte.

Spekuliert worden war zuletzt über einen Wechsel zu Hertha BSC. Die Berliner sind nach der Trennung von Manager Michael Preetz auf der Suche, bislang aber noch nicht an den hessischen Ligarivalen herangetreten. Für Bobic wäre es eine berufliche Rückkehr an seinen Wohnort.

SGE: Aufsichtsrat kommt in der Causa Bobic zusammen

Erstmeldung vom Dienstag, 09.03.2021, 15.28 Uhr: Frankfurt – Wird dieser Schwebezustand, den Eintracht Frankfurt auf der Führungsebene erfasst hat, am Mittwochabend in etwas Belastbares umgewandelt? Wird sich die brisante Angelegenheit rund um den abwanderungswilligen Sportvorstand Fredi Bobic irgendwie aufklären, lösen oder zumindest moderieren lassen? Oder wird die Personalie Bobic den Verein in eine handfeste Krise und heftige Turbulenzen stürzen?

Am frühen Nachmittag kommt es im Stadion im Stadtwald zum großen Showdown. Dann trifft der Aufsichtsrat samt Ehrenmitglied Wolfgang Steubing erstmals wieder auf den Sportchef, der den Verein trotz eines bis 2023 laufenden Vertrages im Sommer verlassen will und dies seltsamerweise in einer Fernsehsendung kundgetan hat.

Eintracht Frankfurt: „Fall Bobic“ erhitzt die Gemüter

Klar ist vor der mit Hochspannung erwarteten Sitzung im Business-Bereich der Arena, dass der Klub kein Interesse daran hat, dass die Situation eskaliert oder es zu einer Schlammschlacht kommt, die womöglich doch auf den sportlichen Sektor mit Trainerteam und Mannschaft abstrahlt. Am liebsten wäre es den Gremien, man würde den „Fall Bobic“ geräuschlos beenden können.

Ob das klappt, hängt auch vom Auftreten des 49-Jährigen ab, der schon mal sperrig und bockig sein kann und selbstbewusst ohne Ende ist. Der frühere Nationalstürmer gibt private Gründe für seinen geplanten Rückzug an, klammert sich an eine ein Jahr alte vorgebliche Absprache mit dem damaligen Aufsichtsratschef Steubing. Wie belastbar ist das? Steubing, der Bobic geholt und stets gestützt hat, wird seine Sicht der Dinge darlegen. Im Eintracht-Zirkel geht man keinesfalls von einer belastbaren Zusage des Börsen-Gurus an Fredi Bobic aus.

Eintracht Frankfurt: Bobic hat gegen das Stillschweigenabkommen verstoßen

Bei einigen Verantwortlichen ist dagegen der Ärger über den Alleingang des Managers so groß, dass sie ihn am liebsten umgehend von seinen Aufgaben entbunden hätten. Sie stören sich daran, dass er in einer TV-Show mit einiger Chuzpe Fakten geschaffen, bewusst gegen das Stillschweigenabkommen verstoßen und sich weit über den Verein gestellt hat. Dieses Selbstverständnis, wonach er der Eintracht zu einer gewissen Größe verholfen habe, sie zu Dankbarkeit verpflichtet sei und er demnach selbstbestimmt seinen Abgang forcieren könne, hat für erhebliche Irritationen gesorgt.

Eine vorzeitige Abberufung des Vorstands ist aber am Mittwoch eigentlich nicht geplant, niemand will die großen sportlichen Ziele gefährden. Vielmehr ist den Funktionären an einer sauberen Trennung im Sommer gelegen. Eine Vertragsauflösung ist nach den Vorkommnissen der vergangenen acht, neun Tage eigentlich alternativlos. Aber nicht zu Bobics Konditionen, also nicht zum Nulltarif, was für den ausgebufften Manager einem Goldenen Handschlag gleichkäme.

Eintracht Frankfurt will Sportvorstand Fredi Bobic nicht ohne Ablöse vorzeitig gehen lassen. (Archivbild)

Eintracht Frankfurt: Fünf Millionen Euro Ablöse im Gespräch

Es ist davon auszugehen, dass das Kontrollorgan mit dem einflussreichen Ex-Investmentbanker Philip Holzer an der Spitze eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum 30. Juni an gewisse Vereinbarungen koppeln wird. Da ist zum einen die wirtschaftliche Seite: Die Eintracht will für den begehrten Schwaben eine Entschädigungssumme herausschlagen, fünf Millionen Euro soll der aufnehmende Klub zahlen. Dass es sich dabei um Hertha BSC handelt, ist ein offenes Geheimnis. Jedoch: Bislang ist kein Berliner Verantwortlicher an die der Eintracht herangetreten – und so lange das nicht passiert, gibt es logischerweise keine Verhandlungsgrundlage. Still ruht der See. Wie lange noch?

Der Aufsichtsrat ist, streng genommen, sogar gezwungen, einen harten Kurs zu fahren und eine einfache Vertragsauflösung abzulehnen, um ein Signal an Spieler, Trainer und zukünftige Manager zu senden, dass man nicht en passant und wenn es einem gerade passt aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis aussteigen kann – egal, wie erfolgreich man gewirkt hat.

Eintracht Frankfurt: Was passiert mit Jovic und Kostic?

Zudem wird es den Räten wichtig sein, sich gegen weiteres Unbill, sprich Abwerbungen durch Fredi Bobic, abzusichern. Es ist bekannt, dass er gerne Fachkräfte seines Vertrauens um sich schart und mitnimmt. Wie viele Leute reißt er also aus dem Eintracht-Kosmos und aus dem funktionierenden System?

Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt, ist es nicht auszuschließen, dass er sogar bei den Spielern wildern würde. Hertha-Investor Lars Windhorst hätte die Wirtschaftskraft, um Akteure wie Luka Jovic oder Filip Kostic zu finanzieren. Bobic hält auf beide große Stücke und gute Kontakte zu deren Berater. Da freilich lassen sich durch entsprechenden Optionen, verankert im Auflösungsvertrag, Riegel vorschieben.

Eintracht Frankfurt: Verhärten sich die Fronten, dann könnt es zu einer vorzeitigen Trennung kommen

Die Frage wird sein, ob und zu welchen Zugeständnissen der Sportvorstand bereit zu gewähren ist oder ob er tatsächlich auf dem Standpunkt beharrt, dass man ihm keine Steine in den Weg legen dürfe. Sollten sich die Fronten verhärten, wäre es nicht auszuschließen, dass die Eintracht ihren Sportboss mit sofortiger Wirkung freistellt.

Vieles hängt zudem von dem Antrieb des 49-Jährigen ab, in wie weit er diese Saison noch mit aller Kraft durchziehen und alles fürs große Ganze geben wird. Dem Trainer und der Mannschaft ist er das schuldig, und dass er auf den letzten Metern das einreißt, was er mit aufgebaut hat, wäre ungewöhnlich.

Eintracht Frankfurt: Kaderplanung liegt bei Adi Hütter und Ben Manga

Dessen ungeachtet steht fest, dass der Manager in die Ausgestaltung des Kaders und die Planungen für die neue Saison nicht mehr involviert sein wird. Sie sind ohnehin schon sehr weit fortgeschritten und sollen bis zur Installation eines neuen Sportchefs von Trainer Adi Hütter und Kadermanager Ben Manga vorangetrieben werden. Alles andere wäre auch nahezu absurd.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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