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Eintracht Frankfurt: Rafael Borré vor Abschied?

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Von: Thomas Kilchenstein

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Wirkt ganz schön lustlos: Rafael Borré.
Wirkt ganz schön lustlos: Rafael Borré. © Eibner/Imago

Faride Alidou und Rafael Borré: Gewinner und Verlierer des Eintracht-Gastspiels in London.

London – Ein paar Minuten in einem denkwürdigen Finish waren im schicken Tottenhamer Fußballtempel noch zu spielen gewesen, die Eintracht war kurz davor, für eine faustdicke Überraschung zu sorgen, da war Faride Alidou richtig wütend. Vielleicht nicht richtig wütend, eher sauer, auch verblüfft, angefressen, und zwar über den Spielkollegen Rafael Borré. Gerade hatte der junge Kerl, ganze 21 Jahre alt, in seinem ersten Champions-League-Einsatz für die Hessen, die Kugel im Mittelfeld nach einem Solo an zwei attackierenden Londonern vorbei behauptet, dann wollte er den Kolumbianer anspielen. Der aber blieb seltsam uninspiriert, Tottenhams Verteidiger machte eine lockeren Schritt nach vorne und hatte die Kugel. Alidou hob die Hände und raunzte Borré an.

Rafael Borré, das Sorgenkind

Es war eine Szene mit Symbolcharakter. Auf der einen Seite Borré, das Sorgenkind, einer, der momentan überhaupt nicht in der Spur ist, der seine Unzufriedenheit offen zeigt, ja, geradezu lustlos wirkt, was eigentlich in einem Champions-League-Spiel unvorstellbar ist. Und auf der anderen Seite einer, der nicht nur Trainer Oliver Glasner Spaß macht: Faride Alidou hat die 20 Minuten, die er spielen durfte in Nordlondon, genutzt, um nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen. Nicht umsonst war es der gebürtige Hamburger, der in der 87. Minute einen Eckball des ebenfalls eingewechselten Mario Götze zum 2:3 ins Tor köpfte und eine erstaunliche Frankfurter Aufholjagd einleitete. Und ums Haar wäre der gelernte Linksaußen, der bislang fünfmal in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt zu Kurzeinsätzen gekommen war, sogar der strahlende Held des Abends geworden: Seinen strammen Schuss in der Nachspielzeit parierte der französische Nationaltorhüter Hugo Lloris. 3:3 - das wäre der Lucky Punch gewesen.

Dickes Lob für Faride Alidou

Alidou erhielt allenthalben ein dickes Lob, von Sportvorstand Markus Krösche, der seinen mutigen, erfrischenden Auftritt hervorhob, aber auch von Trainer Oliver Glasner. Er solle unbekümmert aufspielen, hatte er ihm geraten, und das tat er dann. Bemerkenswert empfand der Coach vor allem, dass Alidou hinten links in der Fünferkette eingesetzt werden musste und bislang weder im Kopfballspiel noch in der Defensive besondere Stärken offenbart hatte. Aber er hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt, etwas, das Glasner hoch schätzt. Alidou dürfte auch in der Liga seine Chance bekommen.

Mit Borré wird Glasner ernsthaft reden müssen, er hat ein längeres Gespräch angekündigt. Glasner verstehe zwar dessen schwierige Situation: Im Mai war er mit dem Tor und dem verwandelten Elfmeter im Finale noch der Held von Sevilla und absoluter Stammspieler, jetzt sitzt er auf der Bank. Seinen Platz hat er an Randal Kolo Muani verloren. „Das ist nicht einfach, dafür habe ich Verständnis“, sagt Glasner. Für was er aber kein Verständnis hat, ist, dass „die Mannschaft die Leidtragende ist“. Mit seiner zur Schau gestellten Lustlosigkeit schneidet sich der Kolumbianer auch ins eigene Fleisch, früher kehrt er damit sicher nicht ins Team zurück. Seine Reaktion nennt Ex-Spieler Glasner „nachvollziehbar“, aber er müsse damit lernen, umzugehen. „Rafa ist ein ganz überragender Kerl, der momentan gefangen ist in dieser Konstellation.“ Womöglich werden sich schon im Winter die Wege trennen. (Thomas Kilchenstein)

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