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Da Costa (li.) und die Eintracht erlebten gegen den FC Bayern ein Debakel.

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Eintracht erlebt Debakel in München - Bobic stolz auf herausragendes Jahr 

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    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt verliert das Endspiel in München zwar deutlich, geht aber dennoch nicht leer aus.

München - Die völlig einseitige Partie beim alten und neuen deutschen Meister aus München geriet für alle, die es mit Eintracht Frankfurt hielten, irgendwann in der zweiten Hälfte zur Nebensache. 2:1, 3:1 für die Bayern, großer Bahnhof für Franck Ribery und Arjen Robben, die sich emotional verabschiedeten und prompt die Tore zum 4:1 und 5:1 machten, womit die Meisterschaft endgültig eingetütet war, all das interessierte die Delegation aus dem Hessischen nicht die Bohne. Sportvorstand Fredi Bobic etwa hatte sich nach 80 Minuten von der Tribüne hinunter in den Bauch der Arena in Fröttmaning begeben, um sich die Konferenz im Fernsehen anzusehen - und Mainz 05 die Daumen zu drücken. Viele andere blickten via Smartphones nach Mainz, verfolgten bangen Blickes den Liveticker oder warteten auf Textnachrichten aus Rheinhessen. Die Eintracht, das war klar, würde den europäischen Traum aus eigener Kraft nicht weiterleben lassen können, sie war auf Schützenhilfe angewiesen - ausgerechnet vom Nachbarn aus Mainz.

Eintracht Frankfurt: Lob an den FSV Mainz 05

Und der FSV zeigte tatsächlich eine beeindruckende und vorbildliche Einstellung, die Nullfünfer rafften sich in ihrem Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim zu einer wahren Energieleistung auf, drehten ein 0:2 zur Halbzeit in einen niemals mehr für möglich gehaltenen (und durch einen Hoffenheimer Platzverweis begünstigten) 4:2-Erfolg und kegelten die Kraichgauer auf den letzten Metern aus dem Europapokal – Nutznießer ist die Frankfurter Eintracht, die zwischenzeitlich auf Rang acht und aus dem internationalen Geschäft gepurzelt war. Am Ende lief sie als Siebter ein, was ihr zumindest die Chance eröffnet, sich erneut für die Gruppenphase der Europa League zu qualifizieren – durch insgesamt drei Qualirunden. Die Ochsentour quer durch die europäischen Provinzen beginnt mit dem ersten Spiel am 25. Juli und würde, im besten Fall, sechs Wochen später mit dem Einzug in die Gruppenphase enden. Die geplante Vorbereitung wird entsprechend modifiziert werden müssen, „der Urlaub wird kürzer“, sagte Danny da Costa verschmitzt lächelnd.

Fredi Bobic schickte sogleich einen Dank rüber nach Mainz: „Respekt für den Sportsgeist und die Fairness“, sagte er zu Recht. Es ist in der Tat nicht selbstverständlich, dass sich eine Mannschaft in einem eigentlich bedeutungslosen Spiel zu einem solchen Kraftakt aufrafft und sogar einen 0:2-Rückstand dreht.

Eintracht Frankfurt kroch auf dem Zahnfleisch ins Ziel

Die Eintracht, die aus den vergangenen sechs Partien nur zwei Punkte holte, ist auf dem Zahnfleisch ins Ziel gekrochen und hat sich irgendwie hinübergerettet. Sehr viel länger hätte die Saison nicht gehen dürfen. Die Mannschaft ist platt, fix und foxi. Trainer Adi Hütter warb um Verständnis: „Die Jungs sind komplett ausgepresst wie die Zitronen – geistig und körperlich.“ Diese 1:5-Packung in München war ein Spiegelbild der vergangenen Wochen, die erneut denkbar schwache Eintracht, für die Sebastien Haller zum zwischenzeitlichen Ausgleich traf, war chancenlos, die Bayern, wie Hütter einräumte, „zwei Klassen besser“. Nur Torwart Kevin Trapp verhinderte noch ein sehr viel höheres Debakel.

Die Frankfurter werden ihre Lehren aus den zurückliegenden Wochen ziehen müssen, um einen solchen Einbruch wie zum Schluss vermeiden zu können. Platz sieben ist so etwas wie ein Trostpreis, vielleicht etwas mehr, auch wenn mehr drin gewesen wäre. Die Frankfurter mussten der langen Spielzeit mit 50 Partien, davon 14 (zumeist herausragenden) auf internationalem Terrain, Tribut zollen. Das hat eine noch bessere Platzierung verhindert.

Ein Ende mit leeren Händen wäre in dieser über weite Strecken so famosen Saison extrem bitter gewesen, es hätte sich merkwürdig schal angefühlt, „es wäre nicht verdient gewesen“, befand Verteidiger Martin Hinteregger richtigerweise. Der Worst Case ist abgewendet worden. Und die Frankfurter blicken der neuen Herausforderung schon mit großer Vorfreude entgegen. „Nicht viele Vereine freuen sich über Platz sieben so wie wir“, befand Hinteregger nach der Klatsche gegen die Bayern, die damit ihre siebte Meisterschaft hintereinander feierten. Sehr routiniert übrigens. Immerhin wurden die Publikumslieblinge Ribery und Robben gebührend verabschiedet, und sogar der angeschlagene Trainer Niko Kovac wurde von den Fans gefeiert.

Eintracht ist erleichtert über Platz sieben

Den Eintracht-Verantwortlichen war die Erleichterung anzusehen, nicht ganz leer ausgegangen zu sein. „Jetzt gehen wir halt früher auf Tour und beginnen damit, Stimmung in Europa zu machen“, sagte Sportchef Bobic, der mit dem Erreichten sehr zufrieden war. „Es ist eine Steigerung zur letzten Saison. Es war ein tolles, emotionales Jahr mit so vielen Highlights wie sie andere Vereine in fünf Jahren nicht erleben.“ Man brauche vielleicht ein paar Tage, um die vergangenen zwölf Monate zu verarbeiten. Aber dann könne einer jeder nur zu dem Schluss kommen und sagen: „Boah, das war ein geiles Jahr für die Eintracht.“

Von Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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