Ein Lob vom großen Bruder: Makoto Hasebe (links) und Daichi Kamada. hübner
+
Ein Lob vom großen Bruder: Makoto Hasebe (links) und Daichi Kamada. 

Nach Sieg gegen Salzburg

Daichi Kamada und Makoto Hasebe: Japaner im Glück

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
    schließen
  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
    schließen

Daichi Kamada und Makoto Hasebe prägen bei der Europapokal-Gala gegen Salzburg das Spiel der Eintracht.

  • Eintracht Frankfurt gewinnt 4:1 gegen Salzburg
  • Daichi Kamada war Mann des Tages
  • Makoto Hasebe für SGE in dieser Form unverzichtbar

Da standen sie nun am Flatterband, zwei über die Maßen glückliche Japaner, der eine in Fußballschuhen, der andere in Badelatschen, den Spielball in der Hand, einen Eintracht-Schal um den Hals, und die überbordende Freude hörte sich so an. „Sehr ordentlich“ habe er gespielt, sagte Makoto Hasebe, „ich freue mich sehr“, sagte Daichi Kamada. Er sagte das so, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt, was kurz zuvor auf dem Rasen des Frankfurter Stadions passiert war.

Beide Aussagen waren an Zurückhaltung und Bescheidenheit eigentlich nicht zu überbieten.

Eintracht-Trainer Adi Hütter: „Eine tolle Europacup-Nacht“

Hasebe und Kamada waren bei dieser „tollen Europacup-Nacht“ (Trainer Adi Hütter) die beiden Akteure, die das Spiel am nachhaltigsten prägten. Natürlich stand Daichi Kamada, der 23-Jährige, im Mittelpunkt, drei Tore in einem Spiel schießt man ja nicht jeden Tag. Lange musste er in der Mixed Zone Rede und Antwort stehen, natürlich vorrangig den japanischen Pressevertretern und für die hiesigen übernahm Hasebe der Übersetzung.

Er hätte niemals für möglich gehalten, drei Tore in einer Partie zu erzielen, ließ der schmächtige Japaner übersetzen. Und es waren ja darüber hinaus schöne Treffer, vor allem das zweite des Abends: Da versetzte Kamada nach langem Sprint noch einen Salzburger Verteidiger, ehe er die Kugel mit links leicht anhob und über Torwart Cican Stankovic lupfte. „Einfach überragend“ habe er das gemacht, lobte der 13 Jahre ältere Hasebe. Und dann gelingt dem Jüngeren auch noch ein Kopfballtor, mit ein wenig Fortune zwar, denn ein Abwehrspieler hatte den Ball abgefälscht und damit unhaltbar gemacht. Aber wenn es läuft, dann gelingt einem auch alles.

Eintracht Frankfurt und „Mr. Europacup“ Daichi Kamada

Daichi Kamada ist in Frankfurt mittlerweile so etwas wie der Mr. Europacup. Sechs Tore hat der offensive Mittelfeldspieler in diesem bei Eintracht Frankfurt so beliebten Wettbewerb erzielt, zwei gegen den FC Arsenal (2:1), eines gegen Vitoria Guimaraes (2:3) und jetzt drei gegen Salzburg (4:1) - mehr Tore hat in der ganzen Europa League kein anderer Spieler geschossen. Warum sich der Mann, der im letzten Jahr noch an den belgischen Klub St. Truiden ausgeliehen war, ausgerechnet auf internationaler Ebene so pudelwohl fühlt, kann er sich selbst auch nicht erklären. In der Liga etwa ist ihm in 17 Partien noch kein einziger Treffer gelungen, das müsse er dringend ändern. „Jetzt muss ich auch in der Bundesliga treffen.“

„Daichi hat jetzt mehr Selbstvertrauen“, sagte Hasebe, der ein bisschen wie ein großer Bruder für Kamada ist und sich um die Integration seines Landsmannes in Frankfurt kümmert. Dabei ist Kamada nicht gut aus der Winterpause gekommen, die ersten Tage des Trainingslagers in Florida hatte er wegen einer Magen-Darm-Grippe verpasst, dann hatte er sich im Testspiel in den Staaten gegen Hertha BSC einen Bänderriss zugezogen, weswegen er die ersten beiden Partien gegen Hoffenheim und Leipzig verpasste.

„Bin noch nicht zufrieden“

Gegen Fortuna Düsseldorf, seinem bislang einzigen Bundesligaeinsatz in diesem Jahr, spielte er lediglich in der ersten Halbzeit, und da lieferte er eine ziemlich schwache Vorstellung ab. Er wirkte kraftlos und trat wie in seiner Frankfurter Anfangszeit im Stile eines Jugendspielers auf. Die Verletzung, so ließ er am Donnerstagabend übersetzen, habe ihn zurückgeworfen. Er hoffe, die „drei Tore werden mir helfen“. Für ihn, sagte Torwart Kevin Trapp, sei es „fantastisch“ gelaufen. „Für uns ist er unheimlich wichtig.“

Trainer Hütter hatte trotz der kleinen Formdelle dem 23-Jährigen das Vertrauen geschenkt. Noch am Tag vor dem Salzburg-Spiel sagte er, Kamada sei für ihn „immer ein Thema“. Der Fußballlehrer schätzt die Spielweise des Technikers, er könne mit dem Ball sehr gut umgehen, habe ein gutes Auge und könne den letzten Pass spielen. Das Vertrauen zahlte Kamada eindrucksvoll zurück. „Er hat uns den Weg zum Sieg geebnet“, sagte Hütter und lobte sich ein bisschen selbst, bei seiner Aufstellung habe er „ein gutes Händchen“ bewiesen.

Eintracht Frankfurt braucht spielstarke Akteure

Kamada also war Mann des Abends, der strategische Kopf des Teams war freilich Landsmann Hasebe, der als eine Art Mittelfeld-Libero dem Spiel Struktur und Linie verlieh. Er ist es, der den Ball fordert und die Angriffe eröffnet. Dank seiner Spielintelligenz und seiner Fähigkeit, richtig zu stehen, schafft er Raum für die Kollegen, schafft Situationen. In dieser Form ist Hasebe, der spätestens an diesem Donnerstag unter Beweis gestellt hat, dass er selbst mit 36 Jahren noch im Mittelfeld agieren kann, für die Mannschaft unverzichtbar.

Und es hat sich erneut gezeigt: Eintracht Frankfurt hat dann Erfolg, wenn ausreichend Fußballer auf dem Feld stehen, also Spieler, die mit dem Ball umgehen können, mit denen Kombinationen über viele Stationen möglich sind, die in schwierigen Situationen auch Lösungen parat haben. Kamada und Hasebe waren zuletzt nicht im Team, vielleicht hat auch deswegen die Eintracht spielerisch etwa in Dortmund kein Bein auf den Boden bekommen. Gute Fußballer kann man nie genug haben. Und zumindest Hasebe verspricht noch einiges auf seine alten Tage: „Ich bin mit mir nie zufrieden.“

Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

Es lebe der Bolzplatz: Wie Andreas Möller die Eintracht-Jugend wieder nach oben führen will 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare