„Das alles tut mir auch persönlich weh“, sagt Sportchef Fredi Bobic über die Situation bei Eintracht Frankfurt.
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„Das alles tut mir auch persönlich weh“, sagt Sportchef Fredi Bobic über die Situation bei Eintracht Frankfurt.

Pandemie und Fußball

Eintracht Frankfurt in der Corona-Krise: „Es geht ums Überleben“

  • Thomas Kilchenstein
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Eintracht-Vorstand Fredi Bobic skizziert den Ernst der Lage beim Fußball-Bundesligisten. Überall muss gespart werden, und die Profis verzichten bis Saisonende auf Teile des Gehalts

Frankfurt - In diesen Tagen, da die Bundesliga pausiert, hat Fredi Bobic zwischen zwei Länderspielen und einem Gipfeltreffen der Klubs in Frankfurt, noch Zeit und Muse gefunden, ein erstes, ganz vorsichtiges Zwischenfazit nach sieben Spieltagen zu ziehen. Zehn Punkte aus sieben Spielen sei für Eintracht Frankfurt „nicht perfekt, aber okay“. Es hätte „besser sein können“, aber auch „schlechter“, so lala also. Große Begeisterung schwang da nicht mit. Aber im Grunde, das hörte man aus dem im vereinseigenen Fernsehkanal verbreiteten Statement deutlich heraus, geht es in diesen schwierigen Zeiten auch um viel mehr, um Größeres, als um den einen oder anderen verlorenen oder gewonnenen Punkt. Es geht um die Existenz, nicht mehr und nicht weniger. Der Vorstand des Bundesligisten hat es klipp und klar gesagt: „Das Wichtigste für mich ist, dass wir mit Eintracht Frankfurt überleben.“

Eintracht Frankfurt: Halbierter Jahresumsatz

Die Pandemie, das ist nichts Neues, bedroht selbst solide und besonnen wirtschaftende Fußballunternehmen wie Eintracht Frankfurt in ihren Grundfesten. Dabei war der hessische Klub gerade „so gut im Wachstum“, wie Bobic sagte. Denn der Plan der Frankfurter war aufgegangen, die Eintracht sah sich auf der Überholspur. Rund 100 Millionen Euro waren an Transfereinnahmen durch den Verkauf des Stürmertrios eingegangen, es wurde im vergangenen Jahr zudem ein Überschuss von 37 Millionen Euro erwirtschaftet, das Eigenkapital betrug stolze 68 Millionen – Zahlen eines vernünftig wirtschaftenden Unternehmens. Das war einmal: Jetzt benötigt der Klub eine Landesbürgschaft von 16 Millionen Euro, um Kreditlinien abzusichern, jetzt halbiert sich der Umsatz (von 280 Millionen Euro). Bobic sagt: „Die ganze Reserve wird aufgeschmolzen, das tut weh.“ Denn eigentlich habe man diese Finanzmittel für andere Projekte verwenden wollen, man wollte weiter wachsen, nächste Schritte gehen, und vielleicht auch etwas für schwierige Zeiten zur Seite legen, „aber nicht für eine Pandemie“. Man müsse sehr genau hinsehen, „was wir machen können“.

Im Grunde geht es in erster Linie darum, „irgendwie durch diese Pandemie zu kommen und danach auch noch zu leben“, sagte Bobic. Das Horrorszenario hat Finanzvorstand Oliver Frankenbach ja in der Vergangenheit bereits skizziert, ein Heimspiel ohne Publikum kostet Eintracht Frankfurt runde 2,5 Millionen Euro, sollten gar bis zum Ende der Saison keine Fans mehr in die Arena gelassen werden, würde das Einbußen zwischen 60 und 80 Millionen Euro mit sich bringen. Auch die DFL hat den Klubs empfohlen, die Saison ohne Zuschauereinnahmen zu kalkulieren. Selbst bei 8000 Besuchern, wie gegen die TSG Hoffenheim, würde die Eintracht noch drauflegen.

Eintracht Frankfurt: Profis verzichten auf Gehalt

Damit der Klub finanziellen Spielraum erhält, hatten die Profis bereits im Frühjahr auf 20 Prozent ihres Gehalts verzichtet. Dieser freiwillige Gehaltsverzicht soll nach übereinstimmenden Medienberichten bis zum Saisonende geleistet werden. „Dafür meinen Respekt“, lobte Fredi Bobic die Eintracht-Profis. Die Personalkosten beliefen sich auf rund 93 Millionen Euro.

Vieles, sagte der Sportvorstand, habe man für diese Saison eigentlich „anders gestalten“ wollen. Etwa die Verpflichtung von zwei Offensivkräften, die das Team nach vorne gebracht hätten – doch das war finanziell unter diesen Bedingungen nicht zu stemmen. Bobic spricht offen von „immensem wirtschaftlichen Druck“. Deshalb hat der Klub auch bei der personellen Ausstattung der Mannschaft für diese Runde auf die Bremse getreten. Ragnar Ache ist bereits im Winter 2019 für zwei Millionen Euro verpflichtet worden, Ajdin Hrustic kam für unter eine Million Euro, Steven Zuber kostenneutral im Tausch mit Mijat Gacinovic, Leihspieler Amin Younes hat auf viel Geld verzichtet. Deshalb wurde Goncalo Paciencia für eine Leihgebühr von zwei Millionen Euro an Schalke abgegeben, deshalb werde man, nach Lage der Dinge, den Abgang von Kapitän David Abraham ab Mitte Januar intern zu kompensieren suchen, eine Neuverpflichtung ist momentan nicht vorgesehen. „Das alles tut mir auch persönlich weh“, sagte Bobic, „denn ich weiß, was wir in den letzten vier Jahren alles bewerkstelligt haben“. Jetzt geht es ans Eingemachte.

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