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Fußballballett in Hoffenheim: Djibril Sow und Andrej Kramaric (links).
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Fußballballett in Hoffenheim: Djibril Sow und Andrej Kramaric (links).

Tore am Fließband

Eintracht Frankfurt: Coole Auftritte voller Dominanz

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt besticht durch spielerische Klasse, ganz viel Selbstvertrauen und eine Menge individueller Qualität. Topklubs locken Kostic und Silva.

Von diversen Versteckspielen hat Armin Veh Zeit seines Trainerlebens nicht besonders viel gehalten. Der frühere Coach von Eintracht Frankfurt, gerade 60 Jahre alt geworden, war der Meinung, dass man im Glaskasten Bundesliga den Kontrahenten nur schwerlich überraschen und also überlisten könnte. Die Aufstellung gab er zuweilen schon vor dem Anpfiff bereitwillig preis, zumindest dann, wenn es bei ihm und seinem Team prächtig lief. Das war für ihn ein Zeichen der Stärke, so nach dem Moto: Soll sich der Gegner doch nach uns richten, wir haben nix zu verbergen. Alles andere hielt er für unnötige Effekthascherei. „Das ist doch ein Krampf. Warum sollte ich Euch anflunkern?“, fragte er schon mal rhetorisch und lachte kehlig: „Ihr wisst doch eh, wie wir spielen.“

Der aktuelle Eintracht-Trainer Adi Hütter ist da weitaus zurückhaltender, ihm käme nicht in dem Sinn, seine Aufstellung zu verraten, das hielte er für unprofessionell, und dem Gegner möchte er keinen Wissensvorsprung verschaffen. Adi Hütter, das gehört aber auch zur Wahrheit, wird schon seit einiger Zeit gar nicht mehr nach seiner Startformation gefragt, alldieweil: Man weiß ja eh, wie er spielen lässt.

Eintracht Frankfurt hat einen Lauf

Das hat natürlich mit diesem fast schon wundersamen Lauf der Eintracht zu tun, der sie auf Platz vier des Klassements katapultiert hat. Die Zahlen sind beeindruckend: Seit neun Spielen sind die Frankfurter ungeschlagen, haben dabei immer mindestens zwei Tore erzielt, sieben der letzten acht Partien für sich entschieden, nur zweimal selbst verloren und die zweitmeisten Tore geschossen (41). Sie liegen vier Punkte vor Borussia Dortmund auf Rang sechs.

36 Zähler sind in 20 Spielen zusammengekommen – innerhalb der letzten zweieinhalb Jahrzehnte hatte die Eintracht zum vergleichbaren Zeitpunkt nur einmal genauso viele Punkte gesammelt: in der Saison 2012/13, Trainer damals: Armin Veh. Danach schmierte die Eintracht aber ziemlich ab, am Ende reichte es noch so eben zu Platz sechs und dem Einzug in die Europa League, was als Aufsteiger aber eine bravouröse Leistung war.

Und in diesem Jahr?

Eintracht Frankfurt scheint stabisliert

Momentan spricht nicht viel für einen Einbruch der Hessen, sie wirken gefestigt und „clever“, wie Trainer Hütter findet. Sie treten wie eine Spitzenmannschaft auf, lassen sich von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen. In Hoffenheim etwa versetzte sie auch der Ausgleichstreffer zum 1:1 durch Ihlas Bebou und eine kleinen Drangphase der TSG direkt nach der Pause nicht in Hektik, ganz cool erhöhten sie im Glauben an die eigene Stärke einfach sukzessive den Druck. „Man darf dann nicht locker lassen“, sagt Martin Hinteregger.

Die Tore zum 2:1 und 3:1 durch Evan Ndicka und André Silva fielen zwar nicht zwangsläufig, sie waren aber Ausdruck eines gewissen Selbstverständnisses und dem generellen Gefühl, zurzeit nur schwer zu bezwingen zu sein. An dieser Dominanz prallt der Gegner förmlich ab.

Eintracht Frankfurt: Es passt vieles zusammen

Das Eintracht-Gebilde ist auch deshalb so massiv und stabil, weil viele Faktoren perfekt zusammen passen, ein Rädchen ins andere greift. Das Ganze fußt auf spielerischer Klasse und technischem Vermögen, auf Automatismen, kaum verletzten Spielern und der Formstärke der Akteure, die zur Anfangself zählen. Die verändert Hütter nur, wenn er muss, also wenn einer, wie vor zehn Tage Erik Durm, verletzt passen muss.

Es basiert auf Widerstandsfähigkeit und Behauptungswillen, und der Faktor Selbstvertrauen ist ganz entscheidend. Die mentale Beschaffenheit spielt auf diesem Niveau eine ungemein große Rolle. Auch der Teamgedanke ist nicht zu unterschätzen, „das hat uns schon in den letzten Jahren immer ausgezeichnet“, betont Sebastian Rode. Der Südhesse mit dem Eintracht-Gen sagt das nicht einfach so dahin, einer wie er muss diesen Geist leben, denn für ihn persönlich gab es schon bessere Zeiten, momentan ist er nur Reservist. Wer sieht, wie unbändig sich die Spieler nach Torerfolgen, egal von wem, freuen, wie sie sich wie die kleinen Kinder das Gesicht „einseifen“, der mag glauben, dass da eine quietschfidele Rasselbande die Bundesliga aufmischt. Ganz so einfach ist das natürlich nicht.

Eintracht Frankfurt: Vorne passiert immer was

Die aktuelle Erfolgsgeschichte hat eine Menge mit individueller Qualität zu tun, mit der Klasse einzelner Spieler, die nun ihre Fähigkeiten entfalten und so das Kollektiv auf ein anderes Level heben. Hinten hält Hinteregger den Laden zusammen, davor zieht Altmeister Makoto Hasebe die Fäden, im offensiven Mittelfeld glänzen Amin Younes und Daichi Kamada, auf Außen trumpft Filip Kostic auf und ganz vorne trifft André Silva nach Belieben, jetzt schon 17-mal. „Und nach 50 Minuten habe ich rausgeschaut und gesehen, dass sich Luka Jovic warmmacht“, erzählte Hinteregger nach dem 3:1-Sieg in Hoffenheim. „Da habe ich gedacht: „Was soll uns passieren?“ Generell habe man „dieses Gefühl, dass wir wissen, da vorne passiert immer was – das ist überragend, das ist geil. Das war im Herbst nicht immer so.“

Der angesprochene Bankangestellte Jovic muss sich noch gedulden, weil Silva in der Form seines Lebens ist. Der Portugiese hat zum jetzigen Zeitpunkt mehr Tore erzielt als Legenden wie Bernd Hölzenbein, Jürgen Grabowski, Alex Meier oder Tony Yoboah. Klar ruft das andere Vereine auf den Plan, Kostic und Silva sind heiß umworben, schon jetzt locken europäische Topklubs mit einem dicken Gehaltsscheck. Das freilich kennen sie in Frankfurt schon. Am Ende ist es eine Frage der hiesigen Perspektive (Stichwort Champions League) oder der zu generierenden Ablösesumme. (Ingo Durstewitz)

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