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Die Pressekonferenz mit Trainer Adi Hütter geht in diesen Zeiten nur per Chat. 

Adi Hütter

Eintracht-Coach Hütter ist heiß auf den Neustart 

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Eintracht-Trainer Adi Hütter spricht über Quarantäne, Mundschutz am Spielfeld und seine Sorgen vor dem Re-Start der Liga.

Mehr als sieben Wochen hat Adi Hütter kein „richtiges“ Training mehr geleitet, im Homeoffice und allenfalls in Kleingruppen hat er die Profis von Eintracht Frankfurt bei Laune halten müssen. Ganz sicher kein leichtes Unterfangen. Nun muss der 50 Jahre alte Fußballlehrer seine Spieler binnen einer Woche auch fußballspezifisch wieder auf Trab bringen und auf den ersten Gegner nach der Corona-Pause, Borussia Mönchengladbach, am Samstag, dem 16.5. (18.30 Uhr) vorbereiten. Wie er das tun will und was er noch zu sagen hat, verrät er hier. Adi Hütter spricht über ...

... seine Gefühle zum Wiederbeginn der Liga:  Eine lange Zeit der Ungewissheit ist jetzt vorbei. Es ist gut, dass das Wechselbad der Gefühle beendet werden konnte. Wir sind sehr dankbar, dass der Ball wieder rollt und wir unserem Beruf nachgehen können. Die DFL hat einen super Job gemacht.

... die Frage, ob die Freude zu spielen überwiegt oder die Sorge vor trostlosen Geisterspielen:  Jeder freut sich darauf, wieder spielen zu können. Zuletzt haben die Spieler ständig gefragt, wann es endlich weitergeht.

... die Rückkehr zur normalen Trainingsrealität:  Dass der Re-Start so schnell kommt, ist sicher für viele überraschend. Es ist wichtig, so schnell als möglich zur Normalität zurückzukehren, endlich wieder Zweikämpfe führen und taktisch arbeiten zu können. Und ich habe beim ersten Mannschaftstraining gesehen, mit welcher Freunde und welchem Enthusiasmus die Jungs dabei sind.

... sein Verhalten bei einem möglichen Torjubel:  Wir haben jede Menge Auflagen zu erfüllen. Wir müssen etwa einen Mundschutz tragen auf der Bank, obwohl ich relativ häufig getestet worden bin. Wir dürfen ihn abnehmen, wenn wir Anweisungen in der Coachingzone geben. Aber grundsätzlich wollen wir alle Auflagen, so schwer es auch fallen mag, erfüllen und keine Extrawurst gebraten bekommen.

... das Niveau der Spiele nach der langen Pause:  Ich glaube, dass die Spiele nicht das gleiche Niveau haben werden wie noch vor ein paar Wochen. Für jeden wird es neu und ungewohnt sein. Ähnlich wie nach einer Vorbereitungszeit im Sommer. Ich kann mir vorstellen, dass die ersten Spiele nicht so eine hohe Qualität haben werden. Für uns alle ist das komplett neu, wir kennen diese Situation nicht.

... den Widerspruch: Abstand halten im täglichen Leben, direkter Kontakt im Spiel:  Die Jungs denken auf dem Platz nicht daran, Abstand zu halten, sie wollen den Zweikampf gewinnen. Ich kann aber für unsere Mannschaft sprechen. Es wurden alle Auflagen außerhalb des Spielfeldes penibel eingehalten.

... die Frage, ob personell die Karten neu gemischt werden:  Ich denke nicht nur an das erste Spiel. Es geht ja Schlag auf Schlag, Nachholspiel gegen Bremen, DFB-Pokal in München, englische Wochen. In der Phase mit den vielen Spielen brauchen wir jeden einzelnen Spieler. Wir werden rotieren, mit Sicherheit wird nicht eine Mannschaft alle Spiele bestreiten. Es gibt keine Stammelf, sondern jeder hat die Möglichkeit, sich zu zeigen.

... eine schwerer gewordene Gegnerbeobachtung:  Wir haben tolle Analysten, die jeden Gegner auseinandergenommen haben, so dass wir unsere Schlüsse daraus ziehen können. Und wir schöpfen aus unserem Fundus, na klar.

... die Sorge, dass die Eintracht nach den Spielen gegen Gladbach und Bayern im Abstiegsstrudel stecken könnte:  Wir wissen, welche Brocken auf uns zu kommen. Auch wenn das jetzt zwei Topmannschaften sind, müssen wir das besser machen als zuletzt. Wir haben uns nach gutem Beginn in der Rückrunde nicht so gut präsentiert. Was mich absolut störte, ist die Heimniederlage gegen Union Berlin.

... seine Auffassung, falls ein Spieler aus Angst vor einer Ansteckung nicht spielen will:  Das haben wir schon geklärt. Ich habe die Spieler gefragt, ob jemand nicht trainieren oder spielen will. Alle wollen spielen.

... die Frage, ob er überhaupt noch ein Gefühl für die Mannschaft hat:  Ein Gefühl für seine Mannschaft sollte man als Trainer immer haben, auch wenn es manchmal ein weniger gutes ist. In den zurückliegenden Wochen kann ich nicht klagen: Mit welcher Bereitschaft, Professionalität und welchem Engagement die Spieler zur Sache gegangen sind, mit welcher Freude sie zum Training kommen - das ist es, was mir das gewisse gute Gefühl gibt.

... den Versuch, das aktuelle Niveau der Mannschaft einzuschätzen:  Wenn ich das genau so wissen könnte, dann wäre ich ein absoluter Prophet. Aber, das können Sie mir glauben: Das Training gestern und vorgestern hat mir gezeigt, welchen Spaß die Jungs haben. Ich war total überrascht, wie gut das alles im Training schon funktioniert hat, vom Tempo, vom Speed, vom Technischen her. Das hatte ich gar nicht erwartet.

... den Verlust des Heimvorteils, einer der großen Stärken der Frankfurter:  Diese Stärke ist uns genommen worden, ja, aber so geht es jedem Bundesligaverein. Ganz egal, wo man spielt: Die Zuschauer sind überall der zwölfte Mann. Ich muss die Mannschaft auf diese veränderte Lage mental vorbereiten und einstellen. Immerhin wissen wir, wegen des Spieles gegen Basel, was uns erwartet.

... die aktuellen Quarantäne-Bedingungen:  Wir werden, das ist kein Geheimnis, in dieser Zeit jeden Tag vom Hotel in Sachsenhausen mit zwei Bussen zum Trainieren ins Stadion fahren und danach wieder zurück.

... den Tagesablauf im Quarantäne-Modus:  Es hat alles ein bisschen Ähnlichkeit mit einem Trainingslager. Wir sind ständig zusammen, allerdings werden wir beispielsweise in getrennten Etappen essen. Auch das ist eine Auflage der DFL. Das ist aber für alle Teams gleich.

. .. mögliche taktische Änderungen, Stichworte: ein etwaiges 4-2-2-System oder die Rückkehr zur Dreierkette:  Alles ist möglich.

... ein höheres Verletzungsrisiko wegen der kurzen Vorbereitung:  Das kann tatsächlich sein wegen der vielen Spiele in kurzer Zeit. Mit einer entsprechenden Trainingsteuerung kann man dem Verletzungsrisiko entgegensteuern. Und man muss versuchen, zum richtigen Zeitpunkt zu rotieren. Es ist wahnsinnig wichtig, dass jeder Spieler bereit ist, weil Spieler auch Pausen benötigen.

... den aktuellen Fitnessstand der Spieler:  Stand heute sind Goncalo Paciencia, Erik Durm, Martin Hinteregger und Marco Russ leicht angeschlagen.

... die Idee der Fifa, künftig fünfmal auswechseln zu können:  Darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht, manchmal ist das ein Vorteil, manchmal nicht. Für die nächsten sechs Wochen mit dem engen Spielplan wäre das eine Überlegung wert. Aus meiner Sicht gibt es mehr positive als negative Aspekte.

... die Frage, ob er einen zweiten „Fall Kalou“ in Frankfurt ausschließen kann:  Ich kann jetzt nicht für alle die Hand ins Feuer legen. Aber ich kenne meine Mannschaft. Natürlich kann - eher unbewusst als mit Absicht - der eine oder andere Fehltritt passieren.

... die gewagte Prognose von Bas Dost, vielleicht doch noch ins internationale Geschäft einzuziehen:  Träumen darf man immer. Es wäre natürlich Hammer, wenn wir das schaffen könnten, denn es ist sehr ambitioniert. Wir wissen um die Qualität der anderen Klubs. Bas Dost ist ein sehr positiv denkender Mensch. Und wenn man keine Ziele hat, ist man ohnehin fehl am Platz.

Aufgezeichnet von Thomas Kilchenstein

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