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Die Eintracht in der Champions League: Ruhm, Ehre – und sehr viel Geld

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Von: Daniel Schmitt

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Es geht um den Pott: Eintracht Frankfurt darf zum ersten Mal überhaupt in der Champions League starten.
Es geht um den Pott: Eintracht Frankfurt darf zum ersten Mal überhaupt in der Champions League starten. © afp

Erstmals kugelt auch Eintracht Frankfurt durch den Lostopf, wenn die Gruppen der Champions League ausgelost werden.

Frankfurt - Ab Donnerstagabend gehören sie dazu, zu den Königen, zur Elite des Weltfußballs, die Saison für Saison zusammenkommt, um sich miteinander zu messen, gegeneinander zu spielen um noch mehr Titel in den jeweiligen Vereinsvitrinen, um eine weitere Gravur auf dem Henkelpott, um Ruhm und Ehre, und vor allem um Millionen von Euro. In Istanbul werden am 24. August (18 Uhr/Dazn und Sky) die acht Gruppen der Champions-League-Saison 2022/23 ausgelost - mit dabei aus Deutschland neben dem etablierten Quartett aus München, Dortmund, Leipzig und Leverkusen auch die Frischlinge vom Main, die Frankfurter Eintracht. Ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte des Klubs aus dem Hessischen, noch nie zuvor erreicht. Eine andere Welt.

32 Kugeln also werden am Abend durch die vier Lostrommeln wirbeln, der Zettel mit dem Eintracht-Schriftzug wird sich dabei in Topf Nummer eins bewegen - dem Europapokaltriumph sei Dank. Real Madrid, Paris Saint-Germain, dem AC Mailand, dem FC Porto, Ajax Amsterdam und Manchester City wird Eintracht Frankfurt auf jeden Fall aus dem Weg gehen, oder umgekehrt - Ansichtssache. Ebenso natürlich wie den weiteren deutschen Vertretern im Wettbewerb.

Eintracht Frankfurt in der Champions League

Ansonsten ist alles offen, lässt sich vorab viel über Lieblingsgegner und Auf-gar-keinen-Fall-Kontrahenten fabulieren, ist von Spielen an der Anfield Road gegen den ruhmreichen FC Liverpool, über Wiedersehen mit dem im Frühjahr von der Eintracht in seinen Grundzügen erschütterten FC Barcelona oder Juventus Turin mit Filip Kostic bis hin zu relativen Leichtgewichten aus Pilsen und Haifa alles möglich. Spannende, aufregende Opponenten, vor allem „alles keine Laufkundschaft“, wie Eintracht-Sportchef Markus Krösche in einem Interview mit Amazon Prime sagt. Eine sechsköpfige Delegation aus dem Hessischen reist in die türkische Metropole am Bosporus, darunter die Eintracht-Vorstände Axel Hellmann, Philipp Reschke und eben Krösche.

Der Champions-League-Modus ist ein altbekannter: Acht Vierergruppen, jeweils die zwei besten Teams ziehen ins Achtelfinale ein, während die Drittplatzierten im kommenden Jahr in der Europa League weitermachen müssen (oder dürfen). Die Gruppenvierten scheiden komplett aus. Bereits im September (6./7. und 13./14.) stehen die ersten beiden Spieltage an, fertig ist die Vorrunde mit der sechsten Paarung am 1./2. November. Die Katar-WM staucht den Spielplan doch erheblich zusammen.

„In der Champions League hängen die Trauben höher. Sie ist die Krone des europäischen Fußballs“, sagt der Frankfurter Vorstandssprecher Axel Hellmann. Was er ebenso weiß: Die Champions League ist ein Reichmacher - vor allem für die Dauergäste. Rund zwei Milliarden (!) Euro verteilt die Uefa in dieser Spielzeit unter den 32 Startern. Alleine für die Qualifikation zur Gruppenphase erhält jedes Team 15,64 Millionen aus dem mit 500,5 Millionen prall gefüllten Topf der Uefa. Dazu gesellen sich in der Gruppe noch Sieg- (2,8 Millionen) sowie einzelne Punktprämien (930 000).

Champions League: Eintracht Frankfurt wird sich strecken müssen

Würde einer Mannschaft ausschließlich mit Siegen der Durchmarsch bis ins Endspiel im Istanbuler Olympiastadion am 10. Juni 2023 und dann auch noch der finale Triumph gelingen, könnte sie über diesen Weg 84,27 Millionen einnehmen. Obendrauf kommen respektable Summen aus dem TV- und Marktpool sowie über den Uefa-Koeffizienten. Beides begünstigt in erster Linie jedoch die Stammgäste in Europas Elitewettbewerb und weniger Neulinge wie die Eintracht. „Interessant“, nennt Axel Hellmann die wirtschaftlichen Themen rund um die Champions League. In der Tat.

Sportlich jedoch wird sich die Eintracht bei ihrer Road to Istanbul strecken müssen. Zwei Leistungsträger sind nicht mehr da (Martin Hinteregger, Filip Kostic), ein anderer liebäugelt mit einem Abgang zum Europa-League-Klub Manchester United. Immerhin: In der Causa Kevin Trapp soll eine Entscheidung möglichst zeitnah fallen, die Eintracht drängt noch auf diese Woche. Während Manchester-Coach Erik ten Hag dem Werben um den deutschen Nationalkeeper noch einmal Nachdruck verliehen haben soll, Trapp also unbedingt auf die Insel lotsen möchte, ist Markus Krösche zuversichtlich, den 32-Jährigen halten zu können. Er, der Frankfurter Sportvorstand, gehe „stark davon aus, dass Kevin mit uns Champions League spielt“.

Eintracht-Trainer Oliver Glasner indes nimmt die verzwickte und sicher ein wenig Unruhe bringende Lage auch mit Humor. Beim Training am Mittwochnachmittag, an dem Trapp ganz normal teilnahm und mit seiner Mannschaft das interne Übungsspielchen gewann, sagte Glasner mit einem breiten Lächeln im Gesicht in Richtung der zuschauenden Presse: „Also, Kevin ist noch da.“ War nicht von der Hand zu weisen.

Auf die Highlight-Auslosung in Istanbul folgt für die Eintracht am Sonntag das Alltags-Auswärtsspiel (17.30 Uhr) in Bremen, ein Duell, das tunlichst erfolgreich gestaltet werden sollte aus hessischer Sicht, möglichst mit einem Sieg beim Aufsteiger, will die Stimmung im und um den Klub bis zum europäischen Auftakt nicht weiter belastet werden. Denn eines ist zu spüren: Wenngleich bei Fans, Spielern wie Klubbossen natürlich eine riesige Vorfreude auf die Champions League herrscht, hat der Saisonstart in der Liga die Laune zumindest gedämpft.

Eintracht Frankfurt startet als Außenseiter in die Champions League

Die Eintracht wird als Außenseiter in die Champions-League-Saison gehen, natürlich, sie bringt wenig Erfahrung mit auf dieser größten Bühne des Klubfußballs. 136 Spiele in der Königsklasse verteilt auf elf Spieler vereint der Frankfurter Kader. Das Gros der Erfahrung fällt dabei auf Mario Götze zurück, der es alleine auf bisher 62 Einsätze für Dortmund und Bayern brachte. Mit deutlichem Abstand folgen dahinter der Ex-Salzburger Jerome Onguene mit 13 Spielen sowie Sebastian Rode und Kevin Trapp mit deren zwölf. Almamy Touré spielte für Monaco zehn Mal in der Königsklasse, Ansgar Knauff (für Dortmund), Djibril Sow (für Bern) und Makoto Hasebe (für Wolfsburg) jeweils sechs Mal. Lucas Alario kommt auf fünf Partien für Leverkusen, Luca Pellegrini auf drei für Juventus. Und schließlich durfte auch der junge Neuzugang Junior Dina Ebimbe für Paris ein Mal für sechs Minütchen ran.

Seinem Trainer Oliver Glasner hat er damit sogar etwas voraus. Der verzichtete vergangenes Jahr zugunsten des Wechsels zur Eintracht auf Champions-League-Minuten mit dem VfL Wolfsburg. Die Vorfreude des Frankfurter Fußballlehrers ist daher entsprechend groß: „Je schwieriger und je besser die Gegner, desto besser musst du selber sein. Du wirst gefordert, auf deinem höchsten Level zu performen“, sagt Glasner: „Wenn du das schaffst, kannst du auch die nächsten Schritte gehen. Das ist etwas, was wir immer von den Spielern einfordern, auch im Training.“ (Daniel Schmitt)

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