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Eintracht Frankfurt: Klare Ansagen von Oliver Glasner

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Von: Ingo Durstewitz

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Eintracht Frankfurt will sich nicht verstecken und formuliert hohe Ziele, weiß aber, dass die Konkurrenz sie gnadenlos jagen wird - darauf will der hessische Bundesligist sich vorbereiten.

Frankfurt – Ein polyglotter Typ, der geschliffen in fünf, sechs Sprachen parlieren und glänzen kann, so wie ein Kevin Trapp, ist der Riedauer Oliver Glasner nicht. Aber der österreichische Trainer der Frankfurter Eintracht hat durchaus Talent, weiß sich in den essenziellen Sprachen gut auszudrücken und kann vernehmlich verdeutlichen, was ihm wichtig ist und worauf der Fokus liegen soll. Natürlich ist Englisch das Maß aller Dinge, vielleicht wichtiger als Deutsch, weil die Gruppe nun mal multikulturell und die Weltsprache gängig ist. „We need the mentality to defend“, ruft der Coach daher schon mal über den Platz, und als bei einer Trainingsform die Kugel ab dem achten Ballkontakt in einen anderen Sektor gepasst werden kann, „deep“ natürlich, also tief, packt Oliver Glasner unten rein ins Sprachreservoir: „acht, eight, ocho“ schallt es über das Areal. Spanisch also auch.

Gibt Anweisungen: Frankfurts Trainer Oliver Glasner.
Gibt Anweisungen: Frankfurts Trainer Oliver Glasner. © Jan Huebner

Der Fußballlehrer ist mit vollem Einsatz und ganzem Herzen bei der Sache, Stoppuhr und Trillerpfeife baumeln um seinen Hals, ihm entgeht nichts. Als es ihm einmal zu laut wird auf den Feld, kassiert die Mannschaft in weiß eine klare Ansage, auf Deutsch: „Hey, was ist los? Ihr seid nur am Erzählen, nur am Reden.“ So nicht, Herrschaften.

Oliver Glasner überlässt in diesen Tagen in Dubai nichts dem Zufall, wenn sich seine müden Spieler aufs Ohr hauen zwischen den Einheiten, bereitet er mit seinen Assistenten das nächste Training vor und wertet das vorherige aus. Er achtet sehr genau darauf, dass das Klima vernünftig ist und das Miteinander stimmt. „Wenn einer ausschert, ist er nicht mehr dabei.“ Ausgeschert ist noch keiner, nicht mal Luca Pellegrini, dem das am ehesten zuzutrauen ist.

Eintracht-Trainer Oliver Glasner: Haben „Qualität auf engem Raum“

Glasner weiß, dass er eine gute Mannschaft beisammen hat, die in eine Richtung zieht und über den Spirit und den Zusammenhalt kommt, eine „außergewöhnliche Truppe“, wie er sagt. Aber eben keine, die alle anderen Opponenten mir nichts, dir nichts in Grund und Boden spielt. „Wir können keine 80-Millionen-Transfers machen“, befindet er. „Wir brauchen andere Tools, um unsere Grenzen immer weiter nach oben zu verschieben.“ Eben weiche Faktoren, neben harten Fakten. Zu denen zählen: Ausdauer, Kampfeslust, Einstellung, Mentalität, Behauptungswillen, Laufstärke – und fußballerische Qualität.

Grundsätzlich, keine Frage, ist Glasner zufrieden mit seinem Ensemble, dem er „viel Potenzial“ bescheinigt. „Wir haben phantastische Qualität auf engem Raum“, sagt er und meint damit in erster Linie Daichi Kamada und Mario Götze. Und: „Wir haben Tiefe und Tempo.“ Schöne Grüße an die dribbelnden Athleten Jesper Lindström und Randal Kolo Muani. „Wir haben eine gute Mischung.“ Wenn es auch hinten noch klappen und die ruhenden Bälle besser verteidigt würden, ja, dann wäre schon was Außergewöhnliches drin mit dieser Frankfurter Belegschaft.

Eintracht Frankfurt mit Respekt vor Schalke 04

Doch ab dem 21. Januar wird es auch darauf ankommen, sich der eigenen Haut zu erwehren, gerüstet zu sein, wenn es hart auf hart kommt. Denn nicht nur für Sportvorstand Markus Krösche ist sonnenklar: „Unsere Wahrnehmung hat sich noch einmal verändert, das Bewusstsein der Gegner hat sich verändert und dadurch deren Herangehensweise.“ Will sagen: Die Eintracht wird noch härter und erbarmungsloser gejagt als zuvor. Spiele wie jenes in Mainz, der letzten Partie vor der Pause im alten Jahr (1:1), werden in den kommenden Wochen und Monaten eher die Regel, vermutet der Manager, also Kontrahenten, die robust und hart und mit Messern zwischen den Zähnen attackieren. „So was wie Mainz wird uns oft erwarten.“ Dessen müsse sich die Mannschaft bewusst sein, darauf müsse sie Antworten finden und dürfe sich nicht den Schneid abkaufen lassen.

Das ist auch für den 48 Jahre alten Glasner ein wichtiges Thema, gerade im Hinblick auf den ersten Gegner Schalke 04, das Schlusslicht der Liga. Die Königsblauen werden sicher nicht fluffig-locker auf Angriff spielen, sondern ein massives Bollwerk aufbauen. „Sie werden uns permanent unter Druck setzen, uns in Mann-gegen-Mann-Duelle verwickeln“, glaubt der Coach. „Das ist ihr gutes Recht, und das müssen wir annehmen, dem müssen wir uns stellen und vielleicht unser Spiel anpassen, aber ohne unsere Identität zu verlieren.“

Sportchef Krösche ist der Ansicht, dass das Team da auf einem guten Weg ist. Die Partie in Augsburg Anfang November mache ihm da Hoffnung, als die Mannschaft nur drei Tage nach dem entscheidenden Champions-League-Duell in Lissabon auswärts antreten musste, ganz früh in Rückstand geriet, sich aber nicht aus der Bahn werfen ließ und das Spiel letztlich drehte. Das war eine reife, erwachsene Leistung. „Wir haben nicht die Nerven verloren und ruhig weitergespielt. Wir haben eine gewisse Überzeugung in unserem Spiel.“

Eintracht Frankfurt: „Platz vier verteidigen“

Aber, so oder so, noch ist nichts erreicht, noch wisse niemand, wohin die Reise gehe, vor allem kann niemand seriös beantworten, wo die Mannschaft jetzt steht – geschlagene neun Wochen nach dem letzten Punktspiel in Mainz. Klar, man liege in allen Wettbewerben aussichtsreich im Rennen, doch gerade in der Bundesliga müsse die Mannschaft jetzt ihre Leistung bestätigen und nicht, wie vor Jahresfrist, einbrechen. „Das“, sagt Krösche, „wird unsere Herausforderung sein.“

Die Sportliche Leitung hält die Spannung daher hoch, hat vom ersten Tag der Vorbereitung klar gemacht, dass Laissez-faire keinesfalls geduldet wird. Genau das hat der Sportchef der Mannschaft auch zur Begrüßung im neuen Jahr mit auf den Weg gegeben. „Wir sind überall gefeiert worden, sechs Wochen Lobhudelei, wie toll alles sei. Okay, aber jetzt reicht es. Das zählt nicht mehr, das ist vorbei.“

Eintracht Frankfurt hat keine Angst

Denn für Krösche steht fest, dass man von der ersten Sekunde alle Sinne geschärft und alle Antennen ausgefahren haben müsse, um nicht Schiffbruch zu erleiden. Auch eine mentale Geschichte. „Wir dürfen uns kein bisschen ausruhen. Wir haben keine Zeit, uns Schwächen zu erlauben.“ Dazu ist auch das Startprogramm mit Schalke und dann Freiburg sowie Bayern zu knifflig. Da kann das Pendel schnell zur falschen Seite ausschlagen. Kann, muss nicht. „Wir müssen besser werden“, fordert Krösche.

Die Ziele sind nämlich klar definiert, die Eintracht versteckt sich nicht. „Wir wollen Platz vier mit aller Macht verteidigen“, bedeutet der Sportboss. Heißt: Königsklasse. Für verwegen oder anmaßend hält er das nicht. „Was soll ich denn sagen? Dass wir schlechter werden und am Ende Sechster werden wollen?“ Krösche lacht und beantwortet seine rhetorische Frage selbst: „Nee, das kann ich ja wohl nicht ernsthaft bringen.“ (Ingo Durstewitz)

Ein Allrounder der Eintracht hat indes seine Ansprüche für Champions League und Bundesliga formuliert.

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