1. Startseite
  2. Eintracht

0:0 gegen Tottenham: Eintracht ist weiter im Rennen

Erstellt:

Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

Kommentare

Ein harter Fight: der Frankfurter Stürmer Randal Kolo Muani (li.) rennt sich fest.
Ein harter Fight: der Frankfurter Stürmer Randal Kolo Muani (li.) rennt sich fest. © dpa

Frankfurter trotzen Tottenham ein 0:0 ab und haben bei Halbzeit der Königsklassen-Gruppenphase alle Chancen aufs Weiterkommen ins Achtelfinale.

Frankfurt am Main – Zur Gewohnheit ist die berühmte Champions-League-Hymne noch nicht geworden im Waldstadion, wie sollte sie auch, dazu ist sie ja noch viel zu frisch im Herzen von Europa, aber die Menschen in Frankfurt haben Gefallen an der etwas schrägen Melodie gewonnen. Natürlich, sie haben eine Ewigkeit darauf gewartet. Und so langsam realisieren sie: Ja, Eintracht Frankfurt spielt in der Königsklasse, der Klub spielt verdientermaßen dort und kann mithalten.

Auch am Dienstag war das Haus ausverkauft, eine laute und tobende Kulisse hat auch den zweiten Champions-League-Abend in Frankfurt zu einem Erlebnis werden lassen. Dass er nicht magisch wurde, lag einzig und allein am gerechten Resultat, 0:0 gegen Tottenham Hotspur, aber es war ein torloses Remis der besseren Sorte. Die Eintracht hat damit in ihrem dritten Gruppenspiel ihren vierten Punkt geholt und liegt damit voll im Rennen um den Einzug ins Achtelfinale. Am Dienstagabend hat sich die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner das 0:0 mit allem, was sie hat, erkämpft und erspielt. Die Eintracht ist angekommen im elitären Zirkel der Besten Europas.

Eintracht Frankfurt: Luca Pellegrini zunächst auf der Bank

Die Konstellation in Gruppe D ist nun völlig offen, weil das Parallelspiel zwischen Olympique Marseille und Sporting Lissabon, das wegen den schweren Ausschreitungen rund um das Eintracht-Spiel vor einer Geisterkulisse ausgetragen wurde, 4:1 endete. Alles eng beieinander.

Coach Oliver Glasner hatte, nicht ganz unerwartet, dem gegen Union Berlin starken, aber noch immer nicht gänzlich austrainierten Italiener Luca Pellegrini eine Verschnaufpause gegönnt und den genesenen Kristijan Jakic wieder in die Startelf beordert. Was zur Folge hatte, dass Ansgar Knauff die Seite wechselte und die linke Seite beackerte. Das machte er mit Verve, aber nicht fehlerfrei, in seinem Rücken stahl sich Emerson gerade zu Beginn einige Male davon. Nix passiert.

Die Eintracht musste ohnehin sehr viel investieren, um den Engländern Einhalt zu gebieten. Die traten gar nicht so auf, als hätten sie durch die jüngste Derbypleite gegen Arsenal (1:3) an Selbstvertrauen verloren. Und auch die notorische Auswärtsschwäche (fünf der letzten sechs Europapokalspiele verloren) fiel nicht weiter ins Gewicht. Die Spurs spielte nun nicht die Sterne vom Himmel, aber setzten den Platzherren genau das entgegen, was diese selbst auszeichnet: Körperlichkeit, Robustheit, Aggressivität. Ganz gute Kicker haben sie ja ohnehin in ihren Reihen, die Mannen aus Nordlondon, gerade in der Offensive. Die Spurs wirkten insgesamt reifer, abgeklärter, handlungsschneller, eben eine Spur besser. Vor allem in der ersten Hälfte.

Eintracht Frankfurt: Auch Bundestrainer Flick im Stadion

Die Eintracht aber hielt mannhaft dagegen, ließ sich nicht ins Bockshorn jagen und kämpfte sich unter den Augen von Bundestrainer Hansi Flick, Eintracht-Ikone Jay-Jay Okocha und Kultspieler Martin Hinteregger ins Spiel hinein. Sie scheute sich dabei nicht, mutig von hinten herauszuspielen. Das macht man auf diesem Niveau so, und das ist gut.

U19 mit Erfolg

Großer Erfolg für die U19 der Frankfurter Eintracht: Das Nachwuchsteam fuhr am Dienstagmittag den ersten Youth- League-Sieg der Vereinsgeschichte ein, bezwang Tottenham Hotspur mit 1:0 (1:0). Das Tor des Tages erzielte Stürmer Nacho Ferri nach 25 Minuten auf Vorarbeit des entliehenen Profispielers Marcel Wenig. Es war ein hochverdienter Sieg für die spielerisch und kämpferisch überzeugende Eintracht.

Die Frankfurter sind damit ungeschlagen und rangieren mit fünf Punkten auf Platz zwei der Gruppe D. Spitzenreiter ist Sporting Lissabon, das im Parallelspiel Olympique Marseille mit 6:0 vom Platz fegte. Die U 19 der Eintracht, die mit einigen U-21-Akteuren verstärkt wurde, in der aber auch zwei B-Jugendliche (Boakiye Osei und Noah Fenyö) in der Startelf standen, schlägt sich im Nachwuchs-Pendant zur Champions League bisher bravourös. (dur)

Richtig zwingend wurden die Hausherren jedoch nicht, was eben an den rustikalen und wuchtigen Engländern lag – Stoßstürmer Randal Kolo Muani, gegen Union noch zu Recht gefeiert, etwa biss sich an den Abwehrkanten die Zähne aus, gewann im ersten Abschnitt gefühlt keinen Zweikampf. Merke: Auch für Senkrechtstarter wird es auf diesem Level eben schwierig.

Für Kolo Muani war schließlich schon relativ frühzeitig Schluss, Glasner holte ihn nach 56 Minuten vom Feld und schickte Rafael Borré ins Rennen. Auch Borré, so viel vornweg, hatte einen schweren Stand. So war es im ersten Abschnitt Kapitän Sebastian Rode, der nach 18 Minuten frei vor dem Kasten auftauchte, halbrechte Position, doch sein zu schlaffer Schuss wurde zur Ecke geblockt.

Eintracht Frankfurt: Torlos in die Kabine

Es war gleichzeitig der Höhepunkt der besten Frankfurter Phase im Spiel, als sie gleich eine Reihe Ecken herausholten und Tottenham kurzzeitig hinten einschnürten. Die Londoner aber wusste sich zu befreien, spielten schnell und zielstrebig nach vorne, das war zuweilen etwas zu flink für die Hessen.

Mittelstürmer Harry Kane hatte zwei gute Gelegenheiten (25. und 28.), auch der agile Heung-Min Son verzog einmal knapp (40.) und Ivan Perisics abgefälschter Schuss trudelte Zentimeter am Pfosten vorbei (43.). Durchaus schmeichelhaft, dass die Eintracht, laut Gäste-Trainer Antonio Conte „eine der besten Mannschaften Deutschlands“, mit einem torlosen Remis in die Kabine durfte.

Eintracht Frankfurt gegen Tottenham: Makoto Hasebe Chef im Ring

Aus der kam sie unverändert, aber mit neuem Mut. In ihrem Wohnzimmer wollte sie sich die Butter nicht so einfach vom Brot nehmen lassen. Djibril Sow, in guter Form nach der kurzen Erholungspause gegen Berlin, lupfte den Ball kurz nach dem Wiederanpfiff in den Strafraum in den Lauf von Angar Knauff, der stand zwar nicht im Abseits, aber mit dem Rücken zum Tor, weshalb der stets aufmerksam mitspielende Tottenham-Schlussmann Hugo Lloris den Drehschuss parieren konnte (50.).

Deutlich mehr Fortune hatte der Torwart zehn Minuten später, als Jesper Lindström frei zum Schuss kam, den Ball aber zu hoch ansetzte. Das war eine gute Möglichkeit, zumal der dänische Nationalspieler eigentlich eine richtig gute Schusstechnik hat. Die Engländer blieben gefährlich, drangen aber nicht mehr in der Häufigkeit und Entschlossenheit in den Eintracht-Strafraum ein, und als sie sich einmal durchgespielt hatten, ja, da kam der Senior auf dem Platz angerauscht und klärte gekonnt gegen Kane und Richarlison (61.). Makoto Hasebe war auch an diesem Abend wieder der Chef im Ring, bewundernswert, mit welcher Ruhe und Klasse er mit fast 39 auftritt. Zeitweise wurden seine Aktionen mit Ovationen bedacht. Der alte Hase, Respekt. (Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein)

Auch interessant

Kommentare