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Eintracht Frankfurt und die Mission Achtelfinale

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Von: Daniel Schmitt

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Die Frankfurter Eintracht bekommt bei ihrer Champions-League-Premiere eine vergleichsweise machbare Gruppe zugelost und freut sich auf das Abenteuer.

Istanbul/Frankfurt – Am Donnerstag um 18.29 Uhr geschah Historisches in Istanbul - zumindest aus Sicht des Fußballklubs aus dem Herzen Europas. Genau in diesem Moment also zog Yaya Touré, ehemaliger Starspieler des FC Barcelona und von Manchester City, ein Zettelchen aus einer großen Lostrommel, das zuvor noch nie jemand bei einer Auslosung der Champions League gezogen hatte, jenes mit der Aufschrift Eintracht Frankfurt.

Ja, es ist wahr, tatsächlich Realität: Der stolze Verein aus dem Hessischen, der Europapokalsieger, ist unter ihnen, unter den 32 besten Vereinsmannschaften des Kontinents. Eintracht Frankfurt wird sich ab dem 6./7. September nahezu im Wochenrhythmus messen mit den Besten der Besten. Oder zumindest mit jenen, die wie sie zutrittsberechtigt sind für die Königsklasse. Das in Gruppe D geloste Quartett: Eintracht Frankfurt, Tottenham Hotspur, Sporting Lissabon und Olympique Marseille.

Reizvolle Gruppe für Eintracht Frankfurt in der Champions League

„Wir sind in eine sportlich reizvolle und hochattraktive Gruppe gelost worden“, sagt Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche, „wir freuen uns sehr auf diese Herausforderung“. Doch kann man festhalten: Es hätte härter kommen können für die Hessen, sie erwischten eine vergleichsweise machbare Gruppe. Von „Traumlosen“ sprachen manch Euphorisierte sofort, für andere wehte ein Hauch von Europa League durch den Abend. Klar ist, dass die Favoritenrolle dennoch nicht bei der Eintracht liegt, diese wird sie dem Klub aus London, den Spurs, überlassen.

Da ist das Ding: Hamit Altintop (Mitte) präsentiert den Henkelpott während der Auslosung in Istanbul.
Da ist das Ding: Hamit Altintop (Mitte) präsentiert den Henkelpott während der Auslosung in Istanbul. © afp

Während Tottenham vergangene Saison Platz vier in der Premier League belegte, qualifizierten sich die Portugiesen aus Lissabon sowie die Franzosen aus Marseille jeweils als Vizemeister für die Champions League. Nur zur Erinnerung: Eintracht Frankfurt wurde Elfter in der Bundesliga. Tottenham verfüge als Topklub in England „über eine außerordentliche individuelle Qualität“, sagt Markus Krösche und fügt an: „Sporting Lissabon hat in der vergangenen Saison durch ein großartiges Kollektiv geglänzt. Ähnlich wie Olympique Marseille, die als Zweiter der Ligue 1 im vergangenen Jahr überragend gespielt haben.“ Das Ziel der Eintracht sei trotz der Stärke der Gegner die Qualifikation für das Achtelfinale, so der Sportchef.

Nette Gegner, nette Reiseziele für die Fans, vor allem auch alte Bekannte. In London duellierte sich die Eintracht in näherer Vergangenheit bereits auf der Europa-League-Bühne mit West Ham, Arsenal und Chelsea, in Lissabon bekam sie es mit Sportings stärkerem Stadtrivalen Benfica zu tun, Olympique Marseille wurde 2018 gleich zweimal bezwungen - im Hinspiel an der Cote d’Azur jedoch ohne Publikum.

Andere deutsche Klubs traf es deutlich härter, vor allem die Sonst-immer-Glückhaber aus dem Süden der Republik. Der FC Bayern bekommt es mit Viktoria Pilsen, Inter Mailand und dem FC Barcelona zu tun, ausgerechnet Barca also, wo neuerdings ja der Ex-Münchner Robert Lewandowski auf Torejagd geht. Ebenfalls auf ihren Ex-Knipser trifft die Borussia aus Dortmund, die Manchester City um Erling Haaland sowie den FC Sevilla und den FC Kopenhagen zu bespielen hat.

Kevin Trapp bleibt bei Eintracht Frankfurt

Während die Frankfurter Vorstandsetage um Sprecher Axel Hellmann sowie Krösche und Philipp Reschke bei der Auslosung in Istanbul, wo übrigens auch das Endspiel im kommenden Jahr ausgetragen wird, weilte, schauten die Spieler daheim von ihren Sofas zu. Auf eine Einladung in den vereinseigenen Kinosaal am Übungscamp hatte Trainer Oliver Glasner verzichtet, das sonst übliche Rudelgucken fiel aus, hatte der Arbeitstag für die Fußballer doch bereits früh begonnen. Mit einer Knallermeldung.

Denn am Donnerstagmorgen, eine knappe Stunde vor Trainingseinheit, zog Kevin Trapp höchstselbst einen Schlussstrich unter das Transfertheater um seine Person. Die Kernbotschaft seiner Instagram-Nachricht: Er, der Torhüter, bleibt der Eintracht erhalten. „In den vergangenen Tagen wurde viel über das Interesse von Manchester United berichtet“, begann der 32-Jährige: „Es stimmt, dass ein schriftliches Angebot vorliegt.“

Und da es sich bei den Engländern eben um den Premier-League-Rekordmeister und eine Weltmarke des Fußballs handele, könne hoffentlich jeder verstehen, „dass ich mich damit auseinandersetze“. Aber, so Trapp: Am Mittwoch habe er den Verantwortlichen beider Verein mitgeteilt, „dass ich mich für die Eintracht entschieden habe“. Ay Caramba, Thema durch. Kollektives Aufatmen in Frankfurt, vor allem bei den Fans, die doch arg nervös geworden waren in den vergangenen Tagen, ob womöglich nach Martin Hinteregger und Filip Kostic eine weitere tragende Säule des Teams wegbrechen würde.

Doch sicher auch bei den Eintracht-Verantwortlichen. Die waren zwar stets ruhig geblieben in ihrer Außendarstellung, vermittelten nie den Eindruck, ein Trapp-Verkauf stehe ernsthaft im Raum, doch: Man weiß ja nie in dieser verrückten Fußballwelt. Festzuhalten bleibt auch: Ein Angebot von Manchester United lag bei der Eintracht nie auf dem Tisch. „Ich habe hier in Frankfurt Unvergessliches erlebt und wir haben zusammen Geschichte geschrieben“, so Trapp weiter: „Der Saisonstart war holprig, aber ich habe absolutes Vertrauen in uns.“

Entsprechend der morgendlichen Ankündigung war der Ballfänger kurz drauf natürlich auch dabei im Mannschaftstraining, seinen Kollegen teilte Trainer Glasner den Entschluss von Trapp im Vorfeld der Einheit mit. Danach ging es ohne Ablenkung konzentriert zur Sache im Training, denn vor der Königsklasse wartet die Bundesliga: Sonntagabend, 17.30 Uhr, das Auswärtsspiel bei Aufsteiger Werder Bremen. Dort kommt’s drauf an, dort will und sollte die Eintracht liefern, den ersten Saisonsieg einfahren. Das weiß auch Kevin Trapp.

Solch eine Anfrage eines Weltklubs wie United flattert aber selbst bei einem Mann von Welt wie Kevin Trapp nicht jedes Jahr rein. Höchstens zweimal in der Karriere. Da fühlt man sich natürlich geschmeichelt, ist stolz darauf, dass die eigenen Leistungen derart anerkannt werden, man kommt ins Grübeln.

Kevin Trapp wird sich mit vollem Elan ins Abenteuer Champions League stürzen

Gerade United-Trainer Erik ten Hag soll ein Fan des deutschen Internationalen sein, wollte ihn nach Manchester lotsen. Letztlich entschied der 32-Jährige sich dagegen, folgte dem Ruf von der Insel nicht. Ein Teil der Wahrheit ist auch: Die Eintracht saß am längeren Hebel. Der bis 2024 geltende Kontrakt des Torhüters, der alsbald verlängert werden soll, brachte sie in diese komfortable Lage. Die Hessen konnten für sich bestimmen, ob und wenn überhaupt, ab welcher Ablösesumme sie doch weich werden würden.

Ein hoher einstelliger Millionenbetrag, wie kolportiert und nie als Angebot bei ihnen angekommen, wäre das gewiss nicht gewesen, eher das Doppelte. Dass Manchester ein derartiges Gesamtpaket (Vierjahresvertrag mit hohem Gehalt sowie einer hohen Ablöse) für einen Torwart in den Tagen bis zum 1. September noch zu stemmen bereit gewesen wäre, ist zumindest fraglich. Finanziell wird sich das Geschacher für Trapp, beraten von Volker Struth, einem Meister seines Fachs, dennoch mit der Vertragsverlängerung und erhöhten Bezügen auszahlen.

Wie auch immer: Trapp bleibt. Das war die Nachricht. Er wird sich mit der Eintracht nun mit vollem Elan ins Abenteuer Champions League stürzen. Etwas, das er mit Paris Saint-Germain zwar bereits erlebt hat, das für den Routinier im Kasten dennoch keine Routine ist. Nach zwölf Spielen im europäischen Elitewettbewerb ist nun wahrlich keine Sättigung von Königsklassen-Fußball bei ihm eingetreten. Lasset die Spiele beginnen. (Daniel Schmitt)

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