Eintracht vor dem Neustart

Eintracht Frankfurt: Probleme mit der Vorbereitungszeit 

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Eintracht Frankfurt hat eine der ältesten Mannschaften der Liga. Viele Spieler sind 30 und älter.

  • Eintracht Frankfurt trainiert noch immer in kleinen Gruppen
  • Coach Adi Hütter will Training mit der Mannschaft
  • Ein Problem könnten die vielen älteren Spieler von Eintracht Frankfurt sein

Zu Beginn dieser Woche haben die Berufsfußballer von Eintracht Frankfurt mal wieder ein Trainingsprogramm mit nach Hause bekommen. Montag und Dienstag schuften sie also gewissermaßen im Homeoffice, Krafttraining und Stabilisationsübungen stehen auf dem sorgsam ausgeklügelten Plan, natürlich auch zackige Ausdauerläufe im Wald.

Erst am Mittwoch, parallel zur erwarteten Entscheidung der Politik, ob und wenn ja, wann die Bundesliga ihre Saison fortsetzen wird, bittet Coach Adi Hütter seine Mannen wieder auf den Übungsplatz im Schatten der Arena, dann womöglich erstmals in zwei, drei etwas größeren Gruppen. Es soll sich dabei um eine Art Wiedereinstiegstraining handeln, ohne Zweikämpfe. Man werde sich bis zu dem Zeitpunkt, an dem Grünes Licht erscheint (oder eben nicht), an die behördlichen Auflagen halten, heißt es von Vereinsseite.

Eintracht Frankfurt: Das letzte Pflichtspiel liegt acht Wochen zurück

Fast acht Wochen sind seit dem letzten Pflichtspiel von Eintracht Frankfurt, 0:3 gegen den FC Basel, vergangen, seitdem fand kein Mannschaftstraining mehr statt, die Spieler waren erst für zwei Wochen in Quarantäne und verdingen sich seitdem auf dem Rasen in Kleinstgruppen, Trockenübungen mit Abstandsregelung und Hygienevorschriften. Wie Fußball, räumt Coach Adi Hütter ein, fühle sich das Ganze nicht an, „dazu brauchen die Jungs auf dem Trainingsplatz den körperlichen Kontakt“. Der 50-Jährige wünscht sich zumindest 14 Tage Mannschaftstraining, um sein Team halbwegs wettbewerbsfähig auf das Feld zu schicken. Das ist die Untergrenze.

Viele Mediziner und Wissenschaftler warnen mittlerweile aus völlig nachvollziehbaren Gründen vor einem erheblich steigenden Verletzungsrisiko, würde der Ball bald wieder rollen. Auch die Trainer haben ihre Bedenken. Sollte die Liga bereits am 16. Mai mit Geisterspielen wieder starten (was nicht zu erwarten ist, realistischer scheint der 23. oder 30. Mai), könne niemand garantieren, „dass wir ein gutes Fußballspiel sehen und sich unsere Spieler nicht reihenweise verletzen“, sagte der neue Hertha-Trainer Bruno Labbadia.

Auch Eintracht Frankfurt will eine längere Vorbereitungszeit

Professor Ingo Froböse von derDeutschen Sporthochschule in Köln würde sich „mindestens drei bis vier Wochen Training als Vorlaufzeit wünschen“, zumal ja auch die „wettkampfspezifische Vorbereitung, also die Testspiele“ fehlten. Ohne diese Vorbereitungspartien entstehe ein Belastungsdefizit zwischen Training und Wettkampf „von mindestens 25 Prozent“, sagte er dem Sportinformationsdienst. „Ohne Freundschaftsspiele direkt in eine maximale Wettkampfsituation, zum Beispiel Dortmund gegen Schalke, zu starten, halte ich für hoch problematisch.“

In dieser kurzen Zeit, die den Mannschaften bis zur von den Klubs erhofften Wiederaufnahme zur Verfügung stehen wird, kommt der Trainingssteuerung besondere Bedeutung zu, auch der Prophylaxe und der professionellen Vorbereitung. Doch auch dann gibt es Unwägbarkeiten und Sorgen, weil die Akteure plötzlich ganz anderen Belastungen und Bewegungen ausgesetzt sind als in den Monaten zuvor. „Wenn Sie über Wochen hinweg keinen Gegnerkontakt mehr hatten, dann kann das dazu führen, dass das Verletzungsrisiko trotz guter Fitness steigt“, sagt Urs Granacher, der Leiter der Professur für Trainings- und Bewegungswissenschaft an der Universität Potsdam.

Die SGE steht vor einer Herausforderung

Viele Experten sind daher der Ansicht, dass die Fußballlehrer in den wenigen Wochen bis Saisonende und der schnellen Taktung der Spiele vermehrt auf Rotation setzten sollten, um die Strapazen für die Profis so gering wie möglich zu halten und das Risiko einer Blessur zu reduzieren. Der Weltverband Fifa hat auf die neue Situation schon reagiert und eine Vorlage eingebracht, wonach den Vereinen bis 2021 gestattet werden soll, fünf statt drei Spieler einzuwechseln.

Für die Klubs ist diese Konstellation eine Herausforderung, das gilt natürlich auch für Eintracht Frankfurt. Coach Hütter wird abwägen müssen, wie viele Partien er seinen Fußballern ohne eine lange und systematische Vorbereitung zumuten kann. Ein Vorteil ist, dass das Team durch die Europa League und den DFB-Pokal einen schnellen Rhythmus und eine hohe Belastung gewohnt ist, andererseits ist die jetzige Lage Neuland für alle. 

Eintracht Frankfurt hat eine verhältnismäßig alte Mannschaft 

Eher nachteilig ist, dass Eintracht Frankfurt nach Borussia Mönchengladbach die älteste Mannschaft der Liga stellt (27,5 Jahre im Schnitt), neun Spieler sind bereits über 30 (Hasebe, Russ, Abraham, Fernandes, de Guzman, Ilsanker, Chandler, Dost und Wiedwald), zwei werden in diesem Jahr 30 (Trapp und Rode). Hinzu kommt, dass die Frankfurter einige Akteure in ihren Reihen haben, die verletzungsanfällig sind, Kapitän David Abraham etwa, auch Mijat Gacinovic hatte immer wieder mal muskuläre Probleme, Sturmtank Bas Dost hat bisher nicht viele Begegnungen am Stück absolvieren können; André Silva, Sebastian Rode oder Timothy Chandler haben mit Vorschädigungen zu kämpfen, die bei plötzlichen Extrembeanspruchungen schneller wieder zum Problem werden können. Und: Gelson Fernandes, Lucas Torro oder Marco Russ kommen aus längeren Verletzungspausen. Da wird Coach Hütter ein gutes Maß und die richtige Mischung finden müssen, er muss ein Gespür entwickeln und seinen Spielern vertrauen können, die in ihren Körper hören sollten, Müdigkeit, Verhärtungen oder andere Warnsignale nicht ignorieren dürfen.

Universitätsprofessor Froböse glaubt zudem an einen generellen Abfall des Spielniveaus. Das Level werde „nicht mehr so hoch sein wie noch vor zwei Monaten“, befindet er. „Wir werden gerade in der Schlussphase eines Spiels nicht die Dynamik haben, wie wir sie uns eigentlich wünschen würden.“

Womöglich werde sich der Zuschauer am Fernsehschirm sogar die Augen reiben, denn Froböse würde sich nicht wundern, wenn die sonst so rassigen und fetzigen Duelle nach der Corona-Zwangspause eine andere Anmutung hätten: „Vielleicht gehen wir in die Spiele der 80er-Jahre zurück.“

Rubriklistenbild: © Jan Hübner

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