+
Schon fünf Pflichtspielsiege kann die Frankfurter Eintracht in dieser Saison verzeichnen – und dass, obwohl die Bundesliga noch nicht einmal angefangen hat. Doch wo steht die Mannschaft?

SGE

Eintracht ist vor Bundesligaauftakt eine Wundertüte

  • schließen
  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
    schließen

Selbst nach fünf Pflichtspielsiegen weiß Eintracht Frankfurt noch nicht so genau, wo sie vor dem Bundesligaauftakt gegen die TSG Hoffenheim steht – vor allem an der erforderlichen Durchschlagskraft mangelt es erheblich.

Ein bisschen anders hat sich der Frankfurter Trainer Adi Hütter den letzten Test vor dem Saisonauftakt am morgigen Sonntag (15.30 Uhr) gegen die TSG Hoffenheim schon vorgestellt: Ein klarer Sieg, nach Möglichkeit schön herausgespielt, dazu ohne Verletzungen durchkommen, drei, vier Spieler, die sich aufgedrängt hätten und die unbedingt für die Startformation nominiert gehörten, dazu viel Rückenwind nach der prima Vorstellung in der Europa-League-Quali – so oder so ähnlich hat sich das der Coach für Eintracht Frankfurt ausgedacht. Am Ende ist es dann bei einem dürren, eher unbefriedigenden 1:0-Erfolg über den kleinen FC Vaduz geblieben. „Wir erwarten immer, dass alles super läuft. Das ist leider nicht so passiert. Immerhin ein Sieg“, nahm Hütter, etwas gequält, wenig Positives aus den 90 Minuten mit in die Saison, die für ihn „richtig“ erst am Sonntag beginnt. Die fünf Pflichtspielsiege in der rund sechswöchigen Vorbereitungszeit gegen unterklassige Gegner waren eher bessere Trainingseinheiten, waren Spiele, die ein Bundesligist, noch dazu ein ambitionierter, einfach gewinnen musste. Muster ohne Wert? Nicht ganz, aber „in der Bundesliga weht ein anderer Wind“, findet Hütter.

Eintracht Frankfurt: Wo steht die Mannschaft?

So recht weiß man bei Eintracht Frankfurt nicht, wo die Mannschaft vor dem Bundesligaauftakt steht, niemand in der Liga kann das für seinen Klub mit Gewissheit vorhersagen. „Der Bundesligastart“, sagt Mittelfeldspieler Sebastian Rode, auch schon eine Weile dabei, „ist eine Wundertüte“; Hütter glaubt immerhin, „ein Gefühl“ zu haben, auf welchem Leistungsniveau sich sein Team befindet – genau weiß er es aber auch nicht. „Wir sind bereit“, befindet er aber. „Jeder wünscht sich, mit einem Sieg in die Runde zu starten“, sagt Hütter, selbst wenn es der Auftakt für die Hessen mit den Spielen gegen Hoffenheim, in Leipzig, zweimal gegen Racing Straßburg und dann Fortuna Düsseldorf durchaus in sich hat. Die zähe, uninspirierte Partie am Donnerstag gegen Vaduz hat ihm wenige Fingerzeige gegeben, ein wild „zusammengewürfeltes Team“ hatte er da nominiert, das kaum miteinander gespielt hat. Gegen die TSG Hoffenheim werde indes eine Elf auf dem Rasen stehen, „die besser eingespielt ist“, kündigt Hütter an.

Ohnehin erwartet der 49 Jahre alte Fußballlehrer ein Ensemble, das künftig „unterschiedliche Gesichter“ zeige, also ein Team, das nicht nur Powerfußball und Pressing praktiziert, sondern auch variabler agiert. Darauf habe man bei den Neuzugängen geachtet, in der Breite ist der Kader sicherlich stärker geworden, „im Mittelfeld“, sagt der Coach, „haben wir uns verbessert, mit dem Kader bin ich sehr zufrieden“, findet Hütter.

„Durchschlagskraft im Angriff ist nicht so, wie ich es mir vorstelle“

Allerdings ist die Mannschaft keinesfalls komplett, „die Durchschlagskraft im Angriff ist nicht so, wie ich es mir vorstelle“. Weiterhin wartet man sehnlichst auf den neuen Stürmer, der das Loch stopfen soll, das die Abgänge von Luka Jovic und Sebastien Haller, einem der torgefährlichsten Sturmduos der Liga, gerissen haben.

Vorstand Fredi Bobic, der in der Vergangenheit kaum eine Gelegenheit verstreichen ließ darauf hinzuweisen, dass Eintracht Frankfurt für jeden personellen Aderlass gerüstet sei und sofort Ersatz parat habe, versprach erneut, dass spätestens bis zum nächsten internationalen Spiel am nächsten Donnerstag bei Racing Straßburg der neue Stürmer da sein soll. „Das kann jetzt ganz schnell gehen“, sagt Bobic. Hütter hofft, dass womöglich Goncalo Paciencia, in der vergangenen Runde noch Stürmer Nummer vier, einen „Riesensprung“ machen könnte. „Ihm ist einiges zuzutrauen“, hofft der Trainer. „Wer hat denn im letzten Jahr die Entwicklung von Luka Jovic erwartet?“ Zuweilen starteten Spieler durch, die man vorher überhaupt „nicht auf dem Schirm“ hätte.

Wenigstens hatten die Rekonvaleszenten Sebastian Rode (14 Wochen Pause) und Timothy Chandler (nach 14 Monaten erstmals in der Startelf) Gelegenheit, Spielpraxis zu sammeln. „Wer so eine Bühne für sein Comeback bekommt, muss zufrieden sein“, sagte Rode, der knapp 70 Minuten durchhielt. Das nach einem Knorpelschaden belastete Knie hatte gehalten, Schmerzen hatte der 28-Jährige nicht verspürt. Nun hofft der defensive Mittelfeldspieler darauf, ein paar Minuten gegen Hoffenheim spielen zu können, in den 20 Mann umfassenden Kader dürfte er rutschen. Ihn will Hütter dennoch behutsam aufbauen. Eine Alternative für die erste Elf ist er wohl nicht, Rode steht nach seiner schweren Verletzung, die er sich im Halbfinale beim FC Chelsea im Mai zugezogen hat, erst seit zwei Wochen im Mannschaftstraining. Ähnliches gilt für Chandler, der Gewehr bei Fuß steht.

Eintracht Frankfurt: Ähnliche Startelf gegen Hoffenheim wie im Pokal

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Mannschaft – mit Ausnahme von Dejan Joveljic, für den Paciencia spielen wird – am Sonntag beginnen, die auch im Pokal gegen Waldhof Mannheim eine Runde weitergekommen war, wenn auch nur mit einigen Mühen. Gerade die Leistung in der zweiten Halbzeit lässt Hütter einigermaßen zuversichtlich auf den Bundesligastart blicken. Als zweiter Torwart wird Felix Wiedwald auf der Bank sitzen, weil Frederik Rönnow seine Schulterblessur noch nicht auskuriert hat. Eine Zukunft bei der Eintracht hat Wiedwald aber nicht. „Wenn Rönnow bleibt, wird er die Nummer zwei. Wenn er den Klub verlässt, werden wir uns Gedanken machen, wer Nummer zwei wird“, so Hütter. Wiedwald offenbar nicht.

Nicht geplant ist darüber hinaus, wegender schweren Verletzung von Abwehrspieler Marco Russ noch einmal auf dem Transfermarkt tätig zu werden. Wahrscheinlich ist, dass Simon Falette, den man eigentlich abgeben wollte, bleiben wird. Russ übrigens, der sich ohne Verschulden des Gegners einen Achillessehnenriss zugezogen hat, ist gestern nach München gefahren, dort wird er auch operiert. „Es tut mir sehr leid, was ihm widerfahren ist, das hat mich sehr bedrückt“, sagt Hütter.

Russ wird sehr lange ausfallen, ob er seine Karriere überhaupt fortsetzen kann, ist fraglich. Selbst wenn der 34 Jahre alte Routinier zuletzt eher selten zum Einsatz gekommen war, so war sein Stellenwert innerhalb der Mannschaft doch groß. „Auf ihn war immer Verlass“, hob Torhüter Kevin Trapp hervor. „Er ist eine prägende Figur und wichtig für uns in der Kabine.“

Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

Lesen Sie auch:

Bundesliga: So sehen Sie Eintracht Frankfurt gegen TSG Hoffenheim live im TV und Live-Stream

Eintracht Frankfurt startet mit einem Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim in die neue Bundesliga-Saison. So sehen Sie das Spiel live im TV und Stream.

SGE - wo sind nur die Tore hin?

Das Eintracht-Frankfurt-Team von Adi Hütter muss zum Bundesligaauftakt gegen die TSG Hoffenheim schnellstens in einen anderen Modus schalten. Ein Kommentar*.

Bundesliga-Auftakt für Eintracht Frankfurt

Wie schlägt sich die SGE gegen die TSG Hoffenheim? Verfolgen Sie das Spiel in unserem Liveticker.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare