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Eintracht Frankfurt: Spielerische Lösungen müssen her

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Von: Daniel Schmitt

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Der Erklärer: Frankfurt Trainer Oliver Glasner.
Der Erklärer: Frankfurt Trainer Oliver Glasner. © Imago/Kessler-Sportfotografie

Alleine mit Mentalität wird Eintracht Frankfurt die Wochen bis zur WM 2022 kaum erfolgreich bestreiten können - vor allem nicht gegen Union Berlin.

Markus Krösche, der Sportvorstand des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, ist ein Liebhaber des schönen Spiels. Sagt er jedenfalls.

Krösche bei seinem Frankfurter Dienstantritt im Frühsommer 2021: „Wir wollen attraktiv, offensiv und unberechenbar spielen. Wenn wir das umsetzen können, dann werden wir viele Spiele gewinnen und in jedem Heimspiel ein Feuerwerk abbrennen können.“

Krösche im Post-Europapokalsieg-Sommer 2022: „Wir wollen eine hohe Variabilität erreichen, das ist die Zielsetzung. Denn Unberechenbarkeit ist für uns entscheidend, um nachhaltig und langfristig erfolgreich sein können. Der Gegner darf nicht wissen, was auf ihn zukommt.“

Die Ziele vor dieser Runde von Eintracht Frankfurt im Allgemeinen und dem Sportchef Markus Krösche im Speziellen waren ambitioniert, sie sind es natürlich noch immer: Überwintern in der Champions League trotz Premierenteilnahme, sowie vor allem deutlich besser punkten und spielen in der Bundesliga, so dass im Idealfall am Saisonende die erneute Qualifikation für den internationalen Wettbewerb steht. Der durchwachsene elfte Platz der vergangenen Spielzeit, das war offensichtlich, fuchste gerade Krösche enorm. Nach nun sieben gespielten Partien in der deutschen Eliteklasse fällt das Fazit ordentlich, aber gewiss nicht überschwänglich aus. Die Hessen sind Tabellensiebter, haben elf Punkte gesammelt, sind im Soll, zumal nach dem Erfolg in Marseille auch in der Königsklasse alle Chancen aufs Weiterkommen gewahrt wurden.

SGE: Union Berlin als hohe Hürde

Das Siegdoppel in Marseille und Stuttgart hat die zwischenzeitlich miese Laune infolge der alarmierenden Niederlage gegen Wolfsburg binnen einer Woche aufgehellt. Der durch die Länderspielabstellungen arg gerupfte Kader konnte in der Ligapause daher erst ein paar Tage locker-lässig im Stadtwald vor sich hintrainieren, ehe sich Spieler wie Trainer in ihre Kurzurlaube verabschiedeten. Seit Dienstag wird wieder fleißig geschuftet, die zuletzt verletzten Linksverteidiger Luca Pellegrini und Christopher Lenz sind zurück, so langsam trudeln zudem die Nationalspieler ein. Erst am Dienstag der Däne Jesper Lindström, dann am Mittwoch der Franzose Randal Kolo Muani und der Deutsche Kevin Trapp, ehe an diesem Donnerstag die weiteren Verreisten, etwa Rafael Borré, der mit der kolumbianischen Nationalmannschaft erfolgreich war, oder Djibril Sow und Daichi Kamada, ebenfalls einsteigen sollen in die Vorbereitung auf das Samstagsspiel im eigenen Stadion gegen Union Berlin. Gegen den Tabellenführer.

Es ist eine Partie, die enorm wichtig ist für die Mannschaft und ihren Trainer Oliver Glasner. Es wird sich weisen, ob die Eintracht zum einen ihren positiven Ergebnistrend fortsetzen kann und zum anderen, ob sie auch fußballerisch eine Schippe draufzulegen vermag. Zuletzt der Erfolg im Schwabenland war ein wichtiger, keine Frage, ein dreckig errungener noch dazu, mit viel Mentalität und geglückten Standardsituationen, wie es das am Ende von Englischen Wochen eben auch mal braucht. Fußballerisch sollte alsbald aber eine klare Weiterentwicklung folgen, will das Team wirklich nachhaltig erfolgreich sein.

Fortan stehen für die Frankfurter bis zur Katar-WM ausschließlich Englische Wochen an, also Pflichtspiele im Drei-, Vier-Tagesrhythmus, die Körper und Geist schlauchen werden, die aber nicht als Ausrede taugen sollten, im einen oder anderen Bundesligaspiel, dem Alltag der Frankfurter Fußballer, womöglich weniger zu machen. Ganz im Gegenteil. Die Breite des Kaders will klug genutzt werden, auch manch Ersatzmann - als Beispiele seien Rafael Borré oder Lucas Alario genannt - sollte nun unbedingt mehr Zählbares zum Teamerfolg beitragen.

Denn gerade im Tagesgeschäft wünscht sich der Klub, allen voran Krösche, endlich mehr Konstanz. Genügend Qualität dafür sieht die Sportliche Führung im zusammengestellten Kader allemal. Doch muss vor allem die Heimbilanz besser werden, deutlich besser sogar, ist sie mit wettbewerbsübergreifend nur drei Siegen in diesem Kalenderjahr geradezu desaströs. Damit einhergehend sollten fußballerisch flüssigere Auftritte das Ziel sein.

Eintracht Frankfurt: Große Bewährungsprobe gegen den Tabellenführer

Es ist ja ein bekanntes Leid im Eintracht-Spiel, dass sich die Truppe von Trainer Oliver Glasner gerade gegen tiefstehende Kontrahenten sehr schwer tut, dass ihr dann viel zu wenige Lösungen einfallen, um die Abwehrblockaden zu umspielen. Insofern wartet auf die Eintracht am Samstag die Prüfung aller Prüfungen. Denn gerade die Berliner klammern sich eisern an ihr Defensivsystem, sie lassen den Gegnern kaum Räume für Kombinationen, schon gar nicht für Tiefenläufe, sie verteidigen hart, kassierten erst vier Gegentreffer, halten sich strikt ans taktische Konzept des Trainers Urs Fischer und sind damit überaus erfolgreich.

Wenn man so will: Union ist hierzulande das Nonplusultra des Destruktiven - in diesem Fall ein Kompliment. Manch einer verglich den Klub aus Köpenick dieser Tage sogar mit dem gegen die DFB-Elf siegreichen Nations-League-Kontrahenten aus Ungarn. Viel Mentalität, klare Abläufe, dazu ein auf den entscheidenden Positionen mit der nötigen Qualität besetztes Team.

Es wird für die Eintracht also darum gehen, die zweifelsohne vorhandenen eigenen Angriffsqualitäten auf den Rasen zu bringen, möglichst rasch eine Spielkultur zu festigen, die im bisherigen Saisonverlauf doch noch wackelig daherkam, mit Auf und Abs, die die Wahrscheinlichkeit für Siege aber erhöhen würde. „Gegen einen tiefen Block Lösungen finden“ - das wünscht sich der Sportvorstand und fordert er auch vom Trainer und der Mannschaft ein.

Die Akkus der Spieler dürften nach der kurzen Pause so weit aufgeladen sein wie sie es für den Rest des Jahres nicht mehr sein werden, wenngleich die Vorbereitung auf den achten Bundesligaspieltag aufgrund des dezimierten Kaders dürftig ausfiel. Doch das wussten sie in Frankfurt schon vor der Saison und das müssen sie ausblenden. Stattdessen: Rhythmus rasch finden, bestenfalls bereits am Samstag gegen Union.

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