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Bruno Hübner freut sich auf die Partien gegen Chelsea.

Eintracht - Chelsea

Bruno Hübner: „Wir arbeiten auf eine Sensation hin“

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Bruno Hübner fiebert der Europa League-Partie gegen den FC Chelsea entgegen und er weiß, wie man diesem übermächtigen Gegner beikommen kann.

Natürlich ist die Partie am Donnerstag gegen den FC Chelsea auch für den Frankfurter Sportdirektor Bruno Hübner „ein Highlight“ seiner sportlichen Laufbahn, und „ich habe immerhin gegen Real Madrid gespielt und bin weitergekommen“. 1982 war das, damals kickte der 1. FC Kaiserslautern die Königlichen im Viertelfinale aus dem Uefa-Cup. Die Pfälzer gewannen nach einem 1:3 im Hinspiel das Rückspiel auf dem Betzenberg mit 5:0.

Dass die Eintracht schon mal gegen Chelsea gespielt und gewonnen hat, wusste der 58-Jährige hingegen nicht, in aller Freundschaft vor Saisonbeginn am 1. August 2010, mit 2:1. „Da war ich ja noch gar nicht da.“ In diesen Stunden vor der großen Europapokal-Nacht im Stadtwald kann Hübner – alle Aufgaben sind erledigt - nicht mehr viel tun, Daumen drücken, positiv einwirken, ein paar aufmunternde Gespräche führen. Zuvor aber äußerte er sich …

… zur Vorfreude auf die Partie: Die ist natürlich bei mir, bei der Mannschaft, beim Trainerteam riesengroß. Es ist noch mal eine Steigerung zu den Europapokal-Spielen zuvor und entsprechend sind alle motiviert und konzentriert. Wir arbeiten alle auf unseren Saisonhöhepunkt hin. Chelsea ist noch einmal eine andere Hausnummer.

… zu seinen Erwartungen: Chelsea ist in der Europa League noch ungeschlagen, wir sind zu Hause noch ungeschlagen, das sagt doch schon alles über diese Partie. Wir werden alles abrufen müssen. Auch für Chelsea dürfte es eine Atmosphäre sein, die sie nicht in dem Maße gespürt haben. Anfangs ist die Unterstützung bei Spielen der Premier League noch da, doch wenn das Spiel weniger gut läuft, geht die Stimmung runter. Bei uns kann man davon ausgehen, dass die Unterstützung da ist und während des kompletten Spiels fantastisch sein wird. Sie wird uns tragen.

Bruno Hübner: Eintracht Frankfurt ist gut gewappnet

… zu seiner Zuversicht: In der ganzen Europapokalsaison waren wir Außenseiter. Schauen Sie sich nur mal die Marktwerte der einzelnen Teams an: War er vorher vielleicht doppelt so hoch, so ist er jetzt das dreifache unseres Wertes (Chelsea wird auf knapp 900 Millionen Euro taxiert, die Eintracht auf 260 Millionen, Anm. d. Red.). Wir wissen also, auf was wir uns am Donnerstag einstellen müssen. Dennoch: Wir haben eine sehr gute Analyse gemacht, fühlen uns gut gewappnet, auch wenn wir weiterhin krasser Außenseiter sind. Wir arbeiten auf eine Sensation hin.

… zu möglichen Schwächen bei Chelsea: Über Schwächen des Gegners zu sprechen, ist schwer. So viele haben die nicht. Vielleicht können wir bei deren Ballverlust das Momentum ausnutzen, dann wirken sie manchmal ungeordnet.

… zu den Stärken von Chelsea: Wir haben ja auch Spieler in unseren Reihen, die einiges wert sind, 55, 60 Millionen, aber bei Chelsea spielt ein Eden Hazard, den die ganze Fußballwelt will und dessen Wert liegt bei 150 Millionen. Oder mein Lieblingsspieler N’Golo Kanté, der auf 100 Millionen Euro taxiert wird. Da sieht man, was auf uns zukommt. Noch mal: Wir sind Außenseiter, doch mit dieser Rolle sind wir in der Europa League ganz gut gefahren. Wir sind ja auch mit jeder Aufgabe gewachsen. Kein Mensch hätte je gedacht, dass wir im Mai noch Euro League spielen, wer das behauptet hätte, wäre doch für verrückt erklärt worden. Schon in der Gruppenphase hatten uns viele keine Überlebenschance eingeräumt, dann haben wir in der K.o.-Phase Champions-League-Anwärter ausgeschaltet. Auch jetzt glauben wir wieder an unsere Chance, Paroli bieten zu können. Die Euphorie wird uns tragen.

Eintracht Frankfurt hat „klaren Matchplan“

… zur taktischen Ausrichtung gegen Chelsea: Das ist immer schwierig zu sagen. Vor dem Mailand-Spiel haben wir gedacht, Inter rühre in Frankfurt Beton an, und was passiert: genau das Gegenteil, sie waren offensiv wie selten. Wir haben auf jeden Fall einen klaren Matchplan.

… zu Sebastien Haller: In seinem Fall wagen wir keine Prognose. In vier Wochen ist die Saison zu Ende, inklusive Baku (lacht). Bei ihm denkt man von Tag zu Tag, im Moment ist Haller nicht dabei. Er war in Salzburg bei einem Spezialisten und alles, was wir erfahren haben, ist, dass er Fortschritte macht.

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Eintracht Frankfurt hat Chelsea im Kopf

… zu seinem Wunschergebnis: Das ist schwer zu sagen. Nach dem 0:0 im Hinspiel gegen Mailand, sagten alle, dass sei ein schlechtes Ergebnis, dabei war es ein gutes Ergebnis. Fakt ist: Egal wie das erste Spiel ausgeht, wir müssen in beiden Spielen eine Topleistung abrufen und wahrscheinlich auch über unsere Verhältnisse spielen.

… zu einem möglichen Substanzverlust nach den schweren letzten Wochen: Ach, das sind doch alles negative Themen, mit denen beschäftigen wir uns nicht. Wir sind vielmehr erfreut, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch solche Highlights haben.

… zum Ziel Baku: Das ist unser Traum. Jeder Sportler will doch das Maximale erreichen, Meisterschaften, Pokale, Träume sind doch erlaubt. Wir sind kurz vorm Endspiel, zwei Spiele nur noch, da nehmen wir den übermächtigen Gegner an, um es zu schaffen.

… zur Situation, dass die Eintracht eigentlich ihr Soll schon übererfüllt und eigentlich wenig zu verlieren hat: Das zeigt, was die Mannschaft bisher geleistet hat, und das ist etwas ganz Außergewöhnliches. Darauf wollen wir uns aber nicht ausruhen.

… zu einer möglichen Weiterverpflichtung der Leihspieler Trapp, Rode, Hinteregger: Fakt ist, dass wir mittlerweile anders wahrgenommen werden. Vieles spricht dafür, dass wir nächsten Jahr wieder international spielen werden, das ist schon mal hilfreich. Die Drei wollen wir auf jeden Fall behalten. Wenn man solche Spieler im Kader hat und weiß, was sie zu leisten im Stande ist, warum soll man dann ein Risiko eingehen? Alle drei Spieler wollen bei uns bleiben, und wenn wir international spielen, hilft uns das sicher auch.

Bruno Hübner: Adi Hütter hat diese Mannschaft sehr stark geprägt

…zur Niederlage des Konkurrenten Hoffenheim am Sonntag gegen Wolfsburg: Ehrlich gesagt wäre es mir lieber gewesen, Hoffenheim hätte gewonnen, denn dann wäre sicher gewesen, dass wir international spielen. Wenn es ganz schlecht läuft, können wir auch noch Achter werden. Das ist jetzt eine ganze enge Kiste, Leverkusen kommt ja auch noch.

… zur Bedeutung für den Klub, im nächsten Jahr Champions League zu spielen: Das kann man kaum in Worte ausdrücken. Da spielen die besten Mannschaften Europas, jedes Spiel ist ein Highlight. Champions League - das hat es bei Eintracht Frankfurt noch nie gegeben, das sagt doch alles. 

… zum Verdienst von Trainer Adi Hütter an diesem Erfolg: Er hat ganz großen Anteil an diesem Erfolg. Er hat diese Mannschaft sehr stark geprägt. Anfangs lief es ja nicht so rund, wie er das aber gemeistert hat, mit Ruhe und ohne Aktionismus, das nötigt Respekt ab.

Aufgezeichnet: Thomas Kilchenstein

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