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Sind immer harte Duelle gegen RB: Sebastian Rode zog sich im Hinspiel eine Platzwunde zu. 

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Eintracht gegen Leipzig und Salzburg: Brisante Duelle mit den Bullen

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Es gibt viele Berührungspunkte zwischen Eintracht Frankfurt und dem hochgezüchteten RB-Imperium.

  • Eintracht Frankfurt trifft auf Leipzig
  • In der Europa League gegen Salzburg
  • Protest gegen RB

Frankfurt - Die Bullen kommen, immer und immer wieder, viermal in nur 33 Tagen. Am Samstag steht für Eintracht Frankfurt der Auftakt der Brausewochen an, dann geht es zum ersten Mal in diesem Jahr gegen einen hochklassigen Vertreter des Red-Bull-Imperiums von Dietrich Mateschitz, dieses Mal gegen RB Leipzig, den souveränen Spitzenreiter der Bundesliga. Zehn Tage später reisen die Sachsen erneut nach Frankfurt, dann wird das Achtelfinale des DFB-Pokals ausgetragen, und am 20. sowie 27. Februar kommt es im Europapokal zum Kräftemessen mit dem österreichischen RB-Ableger aus Salzburg. Zwischendrin gibt es auch noch ein paar Spiele gegen stinknormale Vereine wie Düsseldorf, Augsburg und Dortmund.

Die Trauben hängen hoch in diesen Duellen gegen die mit allerlei Kleingeld hochgezüchteten Stiere, wie hoch sie gegen die Leipziger Mannschaft von Julian Nagelsmann hängen, das zeigt ein Blick in die Statistik. Der Klassenprimus hat zwischenzeitlich nämlich eine eindrucksvolle Serie gestartet, die bis heute anhält: Von den zurückliegenden neun Partien gewann der Tabellenführer acht, einzig und allein in Dortmund reichte es nur zu einem 3:3, in einem allerdings fraglos spektakulären Wildwestduell.

Eintracht Frankfurt: Siegeszug von RB Leipzig

Das Besondere am imposanten Siegeszug der Nagelsmänner: In jeder dieser Begegnungen schossen sie mindestens drei Tore, gegen Mainz 05 sogar mal acht, sie erzielten in jenen neun Spielen 34 Treffer – genau doppelt so viele wie in den ersten neun Bundesligapartien. Natürlich hat RB auch die meisten Buden gemacht, 51 an der Zahl, 22 Tore mehr als die Eintracht, und natürlich liegen sie auch im Auswärtsklassement vorne, 20 Punkte bei nur einer Niederlage, 1:2 in Freiburg, sind Ligaspitze.

Da können sich die armen Frankfurter ja warm anziehen. Doch Sportvorstand Fredi Bobic kann mit Kleinmacherei nichts anfangen. „Wir spielen zu Hause, haben zusammen mit unseren Fans das Potenzial, Leipzig Probleme zu bereiten. Bisher waren die Spiele gegen RB immer offen und spannend. Ich wüsste nicht, wieso sich das ändern sollte“, sagte er im Interview mit dem Portal Sportbuzzer.

In der Tat ging es zumeist eng zu, wenn die Eintracht auf Leipzig traf. 1:2, 0:0, 1:1, 2:1, 1:2 und 2:2 – so lauteten die letzten Resultate, nur einmal, beim ersten Mal, wurde es deutlicher, 0:3 unterlagen die Hessen vor genau drei Jahren in Sachsen, damals flog Torwart Lukas Hradecky allerdings schon früh vom Platz. Da war das Spiel nach nur 131 Sekunden bereits gelaufen.

Auf Timo Werner werden sie besonders aufpassen müssen, der in prächtiger Form befindliche Nationalstürmer hat 14 seiner 20 Saisontore in den letzten neun Spielen gemacht, nur einmal, beim 3:1 gegen Augsburg, ging er da leer aus. „Timo ist total stabil geworden, du kannst die Uhr danach stellen, wann er trifft“, sagte Fredi Bobic.

Der Sportchef ist in Frankfurt einst ähnlich unterkühlt empfangen worden, wie es traditionell auch dem offiziell als Rasenballsport Leipzig firmierenden Klub ergeht. „Bobic passt zu Eintracht Frankfurt wie Fußballtradition zu Red Bull“, merkten die Ultras in einer scharfen Erklärung an. Sie störten sich an Bobics Haltung zum Emporkömmling. „Die Stadt hat als Deutscher Meister von 1903 eine längere Fußball-Tradition als alle anderen in Deutschland“, sagte Bobic einst. Und: „Hier schlummert ein Potenzial auch in der Fanszene, weshalb ich den Neuling sogar als Bereicherung für die Liga sehen würde.“ Das war 2016. Der Neuling ist längst etabliert und ein ernsthafter Titelkandidat, Bobic in der Zwischenzeit zweimal zum Manager des Jahres gewählt worden.

Eintracht Frankfurt: Protest gegen RB

Wohlgelitten ist das Projekt RB jedoch bundesweit nirgends so wirklich, die Eintracht verzichtet aus Protest gegen den gepamperten Retortenklub auf ihrer Homepage gar auf den „Vereinsnamen“ und das Bullenlogo. Ressentiments gegen den Standort Leipzig hatte auch mal ein Spieler artikuliert, der mittlerweile das Eintracht-Trikot trägt: Martin Hinteregger. Der Österreicher, einst sechs Jahre für den Schwesterverein aus Salzburg am Ball, lehnte 2016 einen Wechsel nach Sachsen ab. „Die Art und Weise, wie Leipzig Salzburg kaputt macht, ist nicht schön anzuschauen. Ich finde das schade, das alles aus Leipzig regiert und alles zu deren Gunsten gemacht wird.“ Hinteregger wird seitdem von den Leipziger Fans ausgepfiffen, vor dem Aufeinandertreffen am Samstag (15.30 Uhr) schirmt ihn daher die Eintracht-Medienabteilung ab, Interviews soll er vorher keine geben.

Interessanterweise verließ auch Trainer Adi Hütter damals den österreichischen Konzernverein aus ähnlichen Gründen. Nach dem Gewinn des Doubles mit Salzburg 2015 kam es zum Streit und schließlich zum Bruch zwischen dem Fußballlehrer und Ralf Rangnick, weil das RB-Mastermind gleich acht Leistungsträger verkaufte, darunter Sadio Mané, Alan, Kevin Kampl, André Ramalho, Peter Gulacsi, Stefan Ilsanker und Marcel Sabitzer, die drei letztgenannten übrigens nach Leipzig. „Ich sehe mich in Zukunft nicht als Ausbildungstrainer“, begründete Hütter damals.

Er hat sich generell von der RB-Schule ein wenig emanzipiert, so wie es auch Leipzig unter Julian Nagelsmann geschafft hat, der die Pressing-Maschinerie um die Komponenten Ballbesitz und Spielwitz erweitert hat. Und Hütter hat seine Philosophie in Krisenzeiten den Gegebenheiten anpassen müssen. „Ich will aktiv sein, dominant, das Team soll Spektakel bieten. Das geht nicht mit einer vorsichtigen Ausrichtung“, sagte er früher zu seiner bedingungslosen Vollgasmentalität. Heute ist die Ausrichtung weniger wagemutig. Kompaktheit ist das Wort, das Hütter zuletzt mit Abstand am häufigsten benutzte. Ins Verderben ist sein Team oft genug gerannt.

Von Ingo Durstewitz

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