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Belgien, das ist für viele vor allem die Fähre von Ostende nach England.

Stillleben

Belgien sehen und träumen

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Es wäre für Eintracht Frankfurt hilfreich, gewönne sie in Lüttich, um dann in drei Wochen beim FC Arsenal den Gruppensieg vorzuentscheiden. Die Kolumne.

Fakt ist: Einem 5:1-Erfolg gegen den FC Bayern München folgte in der Eintracht-Historie stets ein Europapokalsieg. Das wollen wir jetzt ganz schnell wieder vergessen, sonst ist ja die Spannung für die restliche Saison völlig raus. Denken wir lieber von Spiel zu Spiel. Lenken wir uns ab. Denken wir an – Standard Lüttich. Belgien. Viele Menschen haben weitreichende Erfahrungen mit Belgien. Allen voran die Belgier. Aber auch Niederländer und die meisten Bewohner des deutschen Grenzgebiets, etwa um Aachen herum, sollen das Land der Flamen und Wallonen recht gut kennen. Andere Menschen haben in ihrem Leben so wenig mit Belgien zu tun gehabt, dass ihre einzige Bodenberührung aus einer Fahrt nach England resultiert.

Es war Anfang der 80er-Jahre, kürzlich hatten wir es hier schon mal in anderem Zusammenhang davon, ein Zeitungsressort weiter – jedenfalls waren wir jung und hatten kein Geld. Also heuerten wir über die Mitfahrzentrale bei einem englischen Pfarrer an, der uns im Auto mit auf die Insel nahm. Die Mitfahrzentrale hatte damals noch ein richtiges Gebäude am Baseler Platz, das muss man sich mal vorstellen, mit einer Tür und mit Fenstern, und Büroräumen, und man konnte dort parken! In der Frankfurter Innenstadt! Im Herzen von …

Der gute Mann brachte uns seinerzeit wohlbehalten nach London, entschlüsselte auf der Fahrt sogar noch völlig unaufgeregt die Texte unserer Lieblingspunkband, so ein Pfarrer war das damals. Ein richtig toller, schon sehr betagter, aber für alles offener Pfarrer. Er fand uns auf dem Rückweg sogar, obwohl er davon ausging, dass wir in einem völlig anderen Stadtteil warteten; Probleme mit der Aussprache englischer Straßennamen, da kann „Bramham Gardens“ schon mal zum Zungenbrecher werden. Und es gab ja keine Mobiltelefone. Wir hatten ja nichts.

Zu Fuß nach Britannien

Wo waren wir noch mal? Ach ja, Belgien. Auf der Durchfahrt zur Fähre nach Ostende. An einer Tankstelle aus dem Auto aufs Klo und wieder zurück ins Auto. Das war’s. Das war Belgien. Irgendwo stand eine Art Schloss. Aber wo genau … und ob wir es im Fernsehen gesehen haben oder in echt … da verschwimmen die Erinnerungen ein wenig. Letztlich ist diese Reise aber eindeutig eine Analogie: Der Weg führte über Belgien nach England, eigentlich exakt so wie in diesem Herbst.

Es wäre für Eintracht Frankfurt recht hilfreich, gewönne sie am heutigen Donnerstag (7.11.) in Lüttich, um dann am Donnerstag in drei Wochen gegen den FC Arsenal den Gruppensieg vorzuentscheiden. Schon ein einfaches 4:0 in London würde wohl reichen, wenn wir uns zum Abschluss gegen die Portugiesen nicht ganz doof anstellen. Aber Vorsicht: Unterschätzt mir die Belgier nicht!

Das Allerschönste wäre natürlich, 20.000 Eintracht-Fans könnten fröhlich in Lüttich mitfeiern und sich dann gaaanz gemächlich zu Fuß nach Britannien auf den Weg machen, zwischendurch ein Stück schwimmen, dann wieder lustwandeln, diesmal am linken Straßenrand, es sind ja immerhin drei Wochen Zeit – aber daraus wird leider nichts, weil die Uefa auf die Disziplin „Sitzschalenwerfen in Portugal“ ziemlich kategorisch reagierte. Also muss die Hütter-Mannschaft das Kind mal wieder allein schaukeln. Das tat sie ja schon voriges Jahr ganz gut, tief im Südwesten Europas.

Mit Lüttichern verhält es sich übrigens wie mit Eintracht-Fans: Die allermeisten sind in Ordnung, auch wenn ihre Stadt manchmal ziemlich seltsame Entscheidungen trifft. Denkt bitte daran.

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