+
Und rumms: Eintracht-Profi Dominik Kohr und Marvin Knoll knallen zusammen – ihr Ziel, den Ball, haben sie dabei deutlich aus den Augen verloren.

Eintracht Frankfurt

„Das sind die geilsten Spiele“: Eintracht Frankfurt freut sich auf die Bayern

  • schließen

Die Eintracht tut sich gegen St. Pauli schwerer als erwartet und droht, flügellahm gegen die Bayern antreten zu müssen.

Jos Luhukay hat das Pokal-Aus seines FC St. Pauli gegen Eintracht Frankfurt geschickt moderiert. Der Fußballlehrer hat den Gegner derart hochgelobt, dass sich hinterher die sowieso gute Leistung seiner Mannschaft noch ein bisschen besser anfühlte. Die Eintracht sei eine „Mannschaft, die immer organisiert bleibt“, sie sei überdies eine „sehr starke Mannschaft“, ach was, sogar ein „fantastischer Gegner“. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, der kleine Zweitligist aus Hamburgs berühmtestem Stadtteil habe gerade gegen eine Weltauswahl bloß 1:2 verloren und nicht gegen die Sportgemeinde Eintracht Frankfurt.

Der Kollege Adi Hütter ist zu sehr Realist, um sich von solcher Rhetorik auch nur einen Millimeter gebauchpinselt zu fühlen. Netterweise gab er zurück, St. Pauli sei ein wirklich „cooler Klub“, führte aber auch aus, dass er in Luhukays Hymnen in dieser Form nicht einstimmen könne. Stattdessen monierte der Österreicher: „Mir hat überhaupt nicht gefallen, wie wir in der zweiten Halbzeit mit dem Ball umgegangen sind.“ Da schien es tatsächlich beizeiten so, als handele es sich nicht um einen herkömmliches DFB-Pokalspielgerät, sondern um einen Feuerball – bloß nicht berühren, und wenn doch, dann einfach irgendwie weg damit.

Erik Durm und Timothy Chandler nutzen ihre Chancen nicht

Aber, und da hatte Luhukay ja sogar recht, ins defensive Chaos ließ sich Eintracht Frankfurt dann doch nicht locken, die zweite Hälfte blieb so torlos, der Einzug ins Pokal-Achtelfinale war ebenso glücklich wie fleißig verdient. Aber der Erfolg dürfte dem Team, das von allen deutschen Lizenzmannschaften am meisten belastet ist, noch einmal einiges an Kraft gekostet haben, was mit Blick auf den FC Bayern am Samstag natürlich von Belang ist. 

Zudem musste Martin Hinteregger zur Pause nach einem Schlag aufs Knie raus, Filip Kostic war verletzungsbedingt gar nicht erst mit angereist, und der zur Pause für den fast unsichtbaren Timothy Chandler eingewechselte Danny da Costa schleppte sich nach einem argen Zusammenprall mit dem Hamburger Matt Penney lädiert die Linie auf und ab.

Hütter hatte eine weise Mischung aus dringend notwendiger Regeneration für Männer wie da Costa, Djibril Sow und Goncalo Paciencia und notwendiger spielerischer Klasse finden müssen. Dazu gehörte, dass Doppeltorschütze Bas Dost und Aufräumer Sebastian Rode praktisch voll durchspielen mussten. Rode hätte es sich und den Seinen gern etwas weniger anstrengend gemacht nach dem Anschlusstreffer kurz vor der Pause, die dem Gegner frische Luft gab. „Wir müssen das viel besser spielen in der zweiten Halbzeit, wir haben kaum noch Lösungen nach vorne bekommen und hatten zu wenig Präsenz vorne, der Ball kam gleich direkt wieder retour.“ Was viel Extraarbeit für die in ihrer offensiven Fantasie begrenzten Schaffer Rode, Dominik Kohr und Gelson Fernandes bedeutete.

Für Rode ist das offenkundige Kraftproblem auch Folge des „enormen Pensums“ der vergangenen Wochen. Das habe man gerade in der Schlussphase gesehen, analysierte der Mittelfeldspieler präzise, „gerade dann, wenn es nötig gewesen wäre, Läufe in die Tiefe zu machen, haben die Körner gefehlt“. Körner, die gegen die Bayern dringend wieder in den körpereigenen Haushalt eingestellt werden sollten. Der findige Mathematiker Rode hat sich schon ausgerechnet, dass die Bayern „insgesamt drei Tage mehr Regeneration als wir“ haben. Denn sie spielten Mittwoch, Samstag und Dienstag, die Eintracht zog Donnerstag, Sonntag und Mittwoch jeweils erst nach. „Immerhin“, sprach sich Rode Mut zu, „haben die Bayern sich in Bochum ja auch schwergetan.“

Gerne hätte Hütter in Hamburg auch dem jungen Angreifer Dejan Joveljic Spielzeit eingeräumt, aber dazu stand die Pokalpartie dann doch zu sehr auf der Kippe. Joveljic, gerade 20, wird noch nicht zugetraut, in einem solchen kampfbetonten Spiel stabil performen zu können. Eine Gelbe Karte holte der Serbe sich dennoch ab, als er am Spielfeldrand einen Ball abfing und nicht gleich wieder hergab. Verwarnung wegen Spielverzögerung. Er hatte es gut gemeint und von draußen ja gesehen, dass denen auf dem Platz jede noch so kleine Pause zum Luftholen guttat.

Bayern München soll ein bisschen im Unklaren bleiben

Was auch damit zu tun hatte, dass das eigentlich ja flügellastige Spiel der Eintracht genau dort diesmal lahmte. Kostic konnte links durch Chandler nicht annähernd ersetzt werden, was nicht nur damit zu tun hatte, dass der 29-Jährige ein gelernter Rechtsverteidiger ist. Als nach der Pause Erik Durm, ebenfalls Rechtsfuß, über links angreifen sollte, sah es nicht viel besser aus. Durm drehte immer wieder nach innen ab. Wie dem auch sei: Der Ex-Dortmunder freut sich sehr auf das Bayern-Gastspiel am Samstag in Frankfurt: „Das sind die geilsten Spiele. Um gegen die Bayern und den BVB dabei zu sein, hat man in seiner Kindheit alles gegeben.“ So viel Pathos musste dann mal sein. Wenn Kostic sich zeitig fit meldet, dürfte für Durm aber nur ein Platz auf der Bank zu finden sein.

Niko Kovac trampelt durch den Münchner Porzellanladen*

Für Daichi Kamada wäre ein anderer Platz als jener vorn in der Doppelspitze offenkundig praktikabler. Der Japaner ist im Angriff schlechter aufgehoben als eine Position weiter hinten. Kamada ist ein Zwischenraumspieler, das wissen sie bei der Eintracht ja auch, aber die Personallage mit den dringend benötigten Ruhepausen erforderte diesmal, wie auch schon in Mönchengladbach, anderes. Gegen die Bayern könnte Kamada, der am Millerntor fahrig wirkte, dann wieder zurückgezogen hinter Dost und Paciencia agieren. Förderlich fürs Frankfurter Offensivspiel wäre es mit einiger Sicherheit. Ob Kostic (Knieprobleme) bis dahin wieder besser beisammen ist, mochte Hütter noch nicht vorhersagen. Könnte auch gewiefte Taktik sein. Die Bayern sollen ruhig ein bisschen im Unklaren bleiben.

Von Jan Christian Müller

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare