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Eintracht Frankfurt erwartet Herkulesaufgabe

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Von: Thomas Kilchenstein

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Seine Taten sind gefragt: Eintracht-Torwart Kevin Trapp.
Seine Taten sind gefragt: Eintracht-Torwart Kevin Trapp. © imago images/Uwe Kraft

Bei Eintracht Frankfurt muss sich zum Heimspiel gegen den FC Bayern etwas ändern. Nur: Hat Trainer Oliver Glasner auch Alternativen?

Frankfurt - Es ist in diesen Zeit nicht so ganz einfach, ein paar Mut machende Fakten in Zusammenhang mit Eintracht Frankfurt zu finden. Der Trend ist gerade nicht der Friend der ins Trudeln geratenen Hessen, und am kommenden Samstag stellt sich zum Abendspiel (18.30 Uhr) - das die Eintracht seit 15 Spielen nicht mehr gewinnen konnte - ausgerechnet der FC Bayern München vor. Aber womöglich ist das ja ein Ansatz: Wenn schon nicht gegen die Kleinen, dann müssen halt die Großen herhalten für einen Dreier - auch wenn momentan nicht viel dafür spricht.

Andererseits: Betrachtet man sich die letzten fünf Bundesligaspiele der Frankfurter gegen die Münchner, dann kommt Erstaunliches zu Tage: Die Eintracht hat den Abonnementsmeister dabei dreimal geschlagen, das ist der Mannschaft etwa gegen Arminia Bielefeld nicht gelungen, da gab es in den vergangenen fünf Spielen in der Liga lediglich zwei Siege. Unvergessen natürlich der 5:1-Trumpf im November 2019 oder, frischer noch, der 2:1-Sieg in Fröttmaning in der Hinserie.

Eintracht Frankfurt empfängt Bayern München: Glück und Trapp

Aber lässt sich aus dieser Statistik tatsächlich Honig saugen? In der Hinserie hatte die Eintracht zuvor ebenso wenig auf die Reihe gekriegt, der Sieg in München war in der Tat am siebten Spieltag der erste, zuvor hatte es nur Niederlagen und Unentschieden gegeben. In Erinnerung ist freilich auch noch, dass Fortuna ein ziemlich großes Füllhorn an jenem 3. Oktober über den Frankfurtern ausgegossen hatte, Tormann Kevin Trapp über sich hinausgewachsen und praktisch unüberwindbar war. Er selbst nannte dieser Tage im Podcast bei Dazn dieses Spiel den „perfekten turning point“ für ihn. Zuvor war er, der sehr Ehrgeizige, selbst mit seiner Leistung nicht zufrieden, er hatte mehr von sich erwartet, glaubte aber, sich nach dem Frankfurter Stolperstart „mehr für das große Ganze“ einsetzen zu müssen und Vorbild für die Mannschaft zu sein. Erst als er sich wieder auf sich konzentriert hätte, seien die Topleistungen zurückgekommen.

Als sicher gilt: Auf einen Torwart, der auch den einen oder anderen Unhaltbaren hält, wird es am Samstag ankommen, selbst wenn der Ballfänger in der Kiste extrem abhängig ist vom Spielverlauf. Dass die Hessen weiterhin zu viele Gegentore kassieren, in der Rückrunde knapp zwei im Schnitt, ist gerade Kevin Trapp ein Dorn im Auge.

Eintracht Frankfurt: Welche Taktik wählt Trainer Oliver Glasner?

Die Frage ist natürlich: Wie muss Trainer Oliver Glasner die zunehmend unsicher werdende Mannschaft umbauen, um dem FC Bayern vor den jetzt doch wieder 25.000 erlaubten Zusehenden begegnen zu können? Und: Kann er überhaupt umbauen, hat er denn ernsthaft personelle Alternativen? Im Hinspiel hat der Fußballlehrer gehörig Beton angerührt, hat mit einer Fünferabwehrkette inklusive dreier Innenverteidiger mit Stefan Ilsanker agiert und zwei Abräumern im Mittelfeld - ein Konzept, das deshalb funktioniert hatte, weil die Bayern aus der Fülle ihrer Möglichkeiten kein Kapital schlugen. Ist das auch im Heimspiel eine Variante? Wird die Eintracht noch mal auf so viel Glück bauen dürfen? Unwahrscheinlich. Nur hinten drin zu stehen wird nicht funktionieren. Könnte eine Viererabwehrkette für mehr Stabilität sorgen? Doch so oft haben die Hessen diese Variante nicht gespielt, ohnehin fühlen sie sich im anderen System wohler.

Es wird darum gehen müssen, bei aller erforderlichen Galligkeit und Aggressivität wieder ein wenig Spielkultur zu entwickeln. Zuletzt ist das den Hessen überhaupt nicht gelungen, im letzten Drittel sind viel zu viele falsche Entscheidungen getroffen worden, wurden aussichtsreiche Spielzüge durch falsches Timing und/oder schlampige Pässe selbst im Keim erstickt.

Eintracht Frankfurt hat gegen Bayern München nicht viel zu verlieren

Es wird erforderlich sein, auch Nadelstiche gegen die Bayern zu setzen. So sicher in der Defensive, das hat sich inzwischen herumgesprochen, sind sie momentan nicht, selbst Schlusslicht Greuther Fürth hat sich Chancen erspielt, ist sogar in München in Führung gegangen. Mut und Vertrauen in die eigene Stärke sind gefragt, und ein paar Fußballer auf dem Rasen. Aber hat Glasner Optionen? Wenn Ansgar Knauff oder Ajdin Hrustic nicht einmal gut genug für Spiele gegen Teams wie Wolfsburg oder Köln zu sein scheinen, warum dann gegen Bayern? Offen ist auch: Ist Sebastian Rode, zur Halbzeit in Köln ausgetauscht, körperlich wieder auf der Höhe? Und wie verfährt Glasner in der Causa Daichi Kamada? Den Japaner hat der Coach nach dem 0:1 von Köln öffentlich abgewatscht, hält er an ihm fest und bekommt er eine neue Bewährungschance? Und irgendwie sollten sie es in Frankfurt schaffen, auch mal wieder halbwegs gefährlich vor das gegnerische Tor zu gelangen. Alles keine leichten Aufgaben.

Eines ist gewiss. Ängstlich und verzagt in ein solches Spiel zu gehen, wäre der falsche Ansatz. So viel hat Eintracht Frankfurt ja nicht zu verlieren, einen Sieg gegen Bayern erwartet ja ernsthaft keiner. Viel wichtiger sind da eher die nächsten beiden Spiele: bei Hertha Berlin und zu Hause gegen den VfL Bochum. Um Ruhe zu bekommen. (Thomas Kilchenstein)

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