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Eintracht Frankfurt in der Europa League: Zeit für Sevilla

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Von: Ingo Durstewitz

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Könnte auch mal wieder treffen: Jesper Lindström. Foto: dpa
Könnte auch mal wieder treffen: Jesper Lindström. © dpa

Auf Eintracht Frankfurt warten Glanzlichter: in der Bundesliga die großen Bayern und auf europäischer Bühne Betis Sevilla. Gelingt endlich die Trendwende?

Frankfurt - Der dreimalige Uefa-Cup-Sieger Andrés Palop, einst Ballfänger beim FC Sevilla und sogar mal kurzzeitig auf der Bank in Leverkusen, hat es spannend gemacht, zumindest für jene Menschen, die es mit Eintracht Frankfurt halten. Fast bis zur letzten Kugel mussten sie während der Auslosung des Europa-League-Achtelfinals in Nyon warten, ehe Gewissheit herrschte: Der hessische Bundesligist bekommt es mit Real Betis Sevilla zu tun.

Das ist eine kernige, schwierige, aber doch machbare Aufgabe, obwohl die Andalusier stark auftrumpfen und auf einem hervorragenden dritten Rang in der spanischen Liga liegen. Sogar vor dem ruhmreichen FC Barcelona, dem absoluten Hochkaräter, an dem die Eintracht in der Verlosung knapp vorbeigeschrammt war. „Für uns wird es ein Highlightspiel“, sagt Stürmer Rafael Borré, der einst selbst in Spanien spielte.

Eintracht Frankfurt: Markus Krösche hofft auf volles Haus im Rückspiel gegen Betis Sevilla

Aufgrund der Terminüberschneidung mit dem Stadtrivalen FC Sevilla wird Betis die Eintracht nicht wie üblich donnerstags, sondern schon mittwochs empfangen. Das Hinspiel wird demnach am 9. März (18.45 Uhr) ausgetragen, acht Tage später, am 17. März, gastieren die Spanier dann in Frankfurt. „Hoffentlich haben wir beim Rückspiel volles Haus und können diesen Vorteil, auch bei einer möglichen Verlängerung, nutzen“, sagte Sportvorstand Markus Krösche. „Wir müssen an unser Limit gehen und in beiden Partien sehr gute Leistungen abrufen. Ich bin überzeugt, dass wir weiterkommen.“

Für die reiselustigen Eintracht-Fans ist die Destination äußerst reizvoll, Sevilla gilt als eine der schönsten Städte Spaniens, auch klimatisch sind im März Temperaturen von mehr als 20 Grad keine Seltenheit. Das passt also.

Eintracht Frankfurt trifft in der Bundesliga auf Bayern München

Vor den europäischen Festspielen muss die Eintracht aber erst einmal den Alltag bewältigen, die Bundesliga, die ihr ja zuletzt verdammt schwer gefallen ist. Da trifft es sich vielleicht sogar gut, dass nun nicht unbedingt eine mausgraue Mittelfeldtruppe den Weg in den Stadtwald findet, um mal wieder ganz fies die Punkte zu stiebitzen, sondern auch hier ein echtes Glanzlicht wartet, nicht mehr und nicht weniger als der deutsche Serienmeister.

Am Samstag (18.30 Uhr/Sky) will die Eintracht ihre Miniserie gegen den FC Bayern München ausbauen, die letzten beiden Partien hat sie für sich entschieden, zweimal 2:1, auch die letzten beiden Heimspiele gingen an die Frankfurter, gegen keinen anderen Gegner warten die Münchner so lange auf einen Auswärtspunkt.

Eine Fortsetzung der kleinen Erfolgsstory wird dennoch schwer genug, weil die Bayern nicht dafür bekannt sind, beide Saisonspiele gegen denselben Kontrahenten zu verlieren, letztmalig passierte ihnen das vor zehn Jahren gegen Mönchengladbach und Dortmund – am Ende trudelten sie folgerichtig acht Punkte hinter dem Titelträger BVB ins Ziel. Das ist seither nie wieder passiert, im Mai werden die Münchner wohl ihre zehnte Meisterschaft in Serie feiern können – sollte nichts Unvorhersehbares geschehen.

Wie Eintracht Frankfurt die Münchner Bayern knacken will

Unvorhersehbar wäre ein Eintracht-Sieg nicht, aber er ist auch nicht unbedingt zu erwarten, zu struppig und holprig traten die Hessen in diesem Jahr auf. „Wir wissen, dass die vergangenen Spiele nicht das Gelbe vom Ei waren“, räumte Trainer Oliver Glasner ein. Da passt es doch, dass sich auch die Münchner nicht in der Form ihres Lebens befinden: 2:4 beim Aufsteiger Bochum, 1:1 in Salzburg, 4:1 nach 0:1-Rückstand gegen Schlusslicht Fürth – Ergebnisse, die nicht gerade Bayern-like sind.

Wie also will die Eintracht den Titelträger knacken? Klar ist, dass sie einen Sahnetag erwischen muss. „Wenn wir gegen Bayern gewinnen wollen, muss alles zusammenpassen“, bemerkt Coach Glasner. So wie im Hinspiel, als die Frankfurter nicht mal überragend und die Bayern nicht mal besonders schwach spielten, aber die Eintracht eben sehr effektiv war, mit Fortuna im Bunde stand und in Kevin Trapp einen Keeper in Weltklasseform im Kasten hatte. Darauf baut der Trainer auch nun wieder. „Es braucht einen Torwart, der auch mal einen eigentlich unhaltbaren Schuss hält.“ Oder auch mehrere.

Und es braucht Mut: Mut, das eigene Spiel durchzudrücken, eine gewisse Spielkultur zu entwickeln und nicht nur zu reagieren. Deshalb wäre Glasner gut beraten, den Altmeister Makoto Hasebe an die Seite von Djibril Sow ins Mittelfeld zu stellen. Noch vor einem Jahr beim 2:1-Erfolg zeigte der Japaner auf dieser Position eine famose Leistung. Glasner hatte bisher freilich immer Manschetten, den 38-Jährigen ins Mittelfeld zu ziehen. So ganz geheuer war ihm das nicht. Und am Samstag?

Eintracht Frankfurt - Bayern München

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Eintracht Frankfurt braucht gegen Bayern München mehr Power in der Offensive

Und die Eintracht ist darauf angewiesen, in der Offensive mehr Durchschlagskraft zu produzieren und mehr Effizienz an den Tag zu legen. Nicht nur, aber auch daran haperte es zuletzt gewaltig, selbst im Training am Mittwoch war kein Fortschritt zu erkennen, da versiebten die Offensivkräfte ihre Alleingänge kläglich. „Da haben wir so ziemlich alles an Torchancen vergeben, was man vergeben kann“, klagte der Trainer. Aber: Es gibt ja auch den Spruch der verpatzten Generalprobe, die für eine gelungene Premiere sorgen solle.

Gerade Jesper Lindström müsste vor des Gegners Kasten wieder etwas lockerer und befreiter werden. „Er hatte eine Riesenphase gegen Ende der Hinrunde, da war er im Flow, alles lief“, hat Mitspieler Djibril Sow erkannt. „Jetzt aber ist er verkrampft.“ Das aber sei normal bei einem jungen Spieler. „Er muss damit umgehen können, Ratschläge annehmen und die Ruhe bewahren.“

So ähnlich sieht es auch Glasner, der den bald 22-Jährigen nach Kräften stützt. „Er war zuletzt unser auffälligster, agilster Offensivspieler, aber er hat in diesem Jahr noch keinen Scorerpunkt. Das nagt an ihm“, bedeutet der Fußballlehrer. „Aber ich kann ihm keinen Vorwurf machen. Wenn er weiter dranbleibt, wird er belohnt. Es ist wichtig, dass er nicht verzagt.“ Und um die Wahrscheinlichkeit auf mehr Tore zu erhöhen, sei es auch ratsam, die Anzahl der Tormöglichkeiten zu erhöhen. Klingt plausibel. Oder halt mal eine der wenigen Chancen reinmachen – warum nicht gegen die leicht geschrumpften Riesen aus München? (Ingo Durstewitz)

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