Der den Ball streichelt: Aymen Barkok.
+
Der den Ball streichelt: Aymen Barkok.

Flügelzange überzeugt

Aymen Barkok und Amin Younes: Mehr Mumm schadet Eintracht Frankfurt nicht

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
    schließen
  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
    schließen

Die Eintracht-Dribbler Aymen Barkok und Amin Younes bringen Schwung – vielleicht hätte Trainer Adi Hütter ihnen früher das Vertrauen schenken sollen.

Das Lob hallte schon durch die Frankfurter Arena, da war das am meisten zu lobende noch gar nicht geschehen. „Gut, Aymen, gut“, so wurde bereits der Sprint von Aymen Barkok flankiert, der letztlich zum einzigen Tor von Eintracht Frankfurt am Samstagmittag im Heimspiel gegen Werder Bremen führte. Barkok, am sechsten Spieltag der Fußballbundesliga zum sechsten Mal eingewechselt, war noch frisch in dieser 65. Spielminute, erst nach einer Stunde hatte ihn sein Trainer Adi Hütter aufs Feld gelassen. Also wetzte Barkok nach einem missglückten Doppelpass mit seinem Teamkollegen Makoto Hasebe einfach weiter die rechte Flanke entlang, attackierte den Bremer Verteidiger Jean-Manuel Mbom und gewann den Ball für sich. Ein schneller Pass zu Daichi Kamada, ein weiterer zu André Silva, Tor, 1:1, der Endstand. Er sei einfach energisch draufgeblieben in dieser Situation, erklärte Barkok hinterher, und habe auf einen Fehler seines Gegenspielers spekuliert. Eine richtige Annahme.

Für Adi Hütter war die Szene schon deshalb in der Entstehung einen Zuruf wert, weil sie genau das beinhaltete, was sich der Frankfurter Fußballlehrer grundsätzlich von seinen Jungs wünscht, was er mit ihnen im Training ständig einübt: das überzeugte Attackieren. Hütter will, dass seine Spieler nicht halbherzig pressen, sondern lieber in ausgewählten Momenten mit Volldampf draufgehen. In der Theorie ist das nur logisch, in der Praxis offenbar schwierig umzusetzen. Grade an dieser wilden Entschlossenheit mangelte es den Hessen noch zu oft im Anlaufverhalten – nicht nur im Spiel gegen Bremen.

Eintracht Frankfurt: Lob für Aymen Barkok von Adi Hütter

Aymen Barkok jedenfalls erhielt von seinem Coach auch nach dem Abpfiff ein verdientes Lob: „Er hat Tempo und Spielintelligenz. Ich bin froh, dass wir ihn behalten haben. Er hat gezeigt, dass er ein toller Spieler ist.“ Barkok, der in den vergangenen beiden Spielzeiten aufgrund einiger Verletzungen als Leihspieler in Düsseldorf nie richtig Fuß gefasst hat, brachte nach seiner Einwechslung eine frische Note ein. Wenn er mit der Sohle über den Ball streichelte, stets aufrecht stehend und den Gegner im Blick, war das nicht immer stringent, manchmal auch zu risikoreich, dafür aber überraschend. 38-mal war Barkok gegen Bremen in einer halben Stunde am Ball, er war also sofort drin im Spiel, ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger auf der rechten Seite, Almamy Touré. Der brachte es in 60 Minuten nur auf 28 Ballkontakte. Sehr mau.

„Die Einwechselspieler haben unserem Spiel gutgetan“, sagte daher auch Trainer Hütter. Neben Barkok auf rechts dribbelte auch Amin Younes deutlich inspirierter die linke Seite entlang als dessen Vorgänger Steven Zuber. „Amin hat mit seinen Haken unserem Spiel geholfen“, fand Hütter. Der kleine Mann aus Düsseldorf, dessen tiefer Körperschwerpunkt prädestiniert dafür ist, gegnerischen Verteidigern mit raschen Richtungswechseln die Beine knotig zu spielen, schaffte es auch mal, ein, zwei Kontrahenten stehen zu lassen. Er fand Lösungen in engen Räumen, kreierte neue Spielsituationen.

Eintracht Frankfurts Sebastian Rode: „Wollten kompakt stehen“

„Wir haben gut Dampf gemacht am Ende“, sagte Younes, der im dritten Einsatz seit seiner Ankunft im Oktober Younes zum dritten Mal ohne Dreier blieb. Das ärgert ihn gewaltig. Man hätte zielstrebiger sein müssen, kritisierte der frühere Nationalspieler, was wohlgemerkt in der einen oder anderen Situation auch für ihn selbst galt: „So hat immer ein Schritt gefehlt.“ Das hinterließ den Kollegen Barkok frustriert zurück: „Ich bin ein bisschen sauer.“

Der die Haken schlägt: Amin Younes.

Seit Adi Hütter Trainer in Frankfurt ist, propagiert er einen offensiven, risikoreichen Spielstil. Er war es, der die dreiköpfig Büffelherde auf die Wiese schickte, er wies Filip Kostic die Rolle als stürmenden Linksverteidiger zu. Und so weiter. Warum also brachte er diesmal die offensiv stärkeren Barkok und Younes erst nach einer Stunde für die defensiv vermeintlich robusteren Touré und Zuber? Zumal klar war, dass der SV Werder sein Heil in konsequenter Abwehrarbeit suchen und die Eintracht wie zuvor bereits gegen Bielefeld und Köln viel Ballbesitz haben würde. Hütter ging in seiner öffentlichen Analyse darauf nicht ein, Sebastian Rode merkte an: „Wir wollten erst mal kompakt stehen.“

Weitestgehend war das den Frankfurtern gelungen, allerdings mangelte es ob der Abwehrhaltung der Bremer auch an ernsthaften Prüfungen. Und dann fehlte bei der Gästeführung durch Josh Sargent doch die gegenseitige Absicherung zwischen Touré und David Abraham. Das kann mal passieren, klar, verstärkt aber den Eindruck, dass auch eine andere personelle Konstellation defensiv nicht viel anfälliger gewesen wäre. So oder so: Die Eintracht blieb auch im 14. Spiel nacheinander nicht ohne Gegentor.

Im Nachhinein bleibt daher festzuhalten: Mehr Mumm, vor allem früher im Spiel, hätte der Eintracht nicht geschadet. Eine Lehre, die künftig gerade bei Spielen gegen defensivorientierte Teams wie Bremen (oder auch Bielefeld und Köln) berücksichtigt werden sollte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare