+
Trainer Adi Hütter ist nach der 0:4-Niederlage von Eintracht Frankfurt bedient.

SGE

Eintracht Frankfurt geht in Leverkusen unter – Adi Hütter: „Fürchterlich“

  • schließen
  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
    schließen

Auch gegen Bayer Leverkusen hat es nicht gereicht. Eintracht Frankfurt bekommt auswärts kein Bein auf den Boden. Aber warum eigentlich? 

Leverkusen - Als dann das allseits Erwartete eingetreten war, was im Grunde nach einer Viertelstunde und dem 0:2 (15.) geschehen war, als Eintracht Frankfurt mal wieder ein Auswärtsspielen mit Pauken und Trompeten in den Sand gesetzt hat, diesmal 0:4 bei Bayer Leverkusen, hat es sich Vorstand Fredi Bobic recht simpel mit der Spielanalyse gemacht: "Einfach copy and paste, wie nach dem Spiel gegen Dortmund. Das war heute genau das gleiche." Ein bisschen Sarkasmus schwang da schon mit, schwarzer Humor auch, im Kern aber traf seine Aussage ins Schwarze, auch in Dortmund setzte es eine 0:4-Niederlage. Nichts Neues außerhalb des Stadtwaldes.

Da war es wieder, das vermaledeite Auswärtsgesicht der Hessen. Auf des Gegners Platz bekommen die Frankfurter schlicht "kein Bein auf den Boden", sagte Mittelfeldspieler Sebastian Rode, geradezu "verhext" sei die Bilanz der Frankfurter in der Fremde. Trainer Adi Hütter wählte ein anderes Wort: "Fürchterlich." Tatsächlich gibt es in der ganzen Bundesliga momentan kein Team, dass auf des Gegners Platz derart harmlos agiert, derart mutlos und ängstlich, derart schwach.

Eintracht Frankfurt in der Auswärtstabelle abgeschlagen Letzter 

Eintracht Frankfurt reiht auswärts eine Schlappe an die andere, jetzt gingen die Hessen 0:4 bei Bayer Leverkusen baden. Dazu bilden die Frankfurt das Schlusslicht in der Auswärtstabelle, sind in der Fremde gern gesehene, weil harmlose Gäste. Aber warum ist das alles so? Klar ist, dass da auch die Psyche, das Unterbewusste eine Rolle spielt, der Kopf entscheidet nicht selten über Sieg oder Niederlage, dem Mentalen kommt entscheidende Bedeutung zu. „Oh je, wieder auswärts“, umschreibt Verteidiger Martin Hinteregger die innere Haltung. 

Das ist ein Teufelskreis. Negativerlebnisse brennen sich ein und verstärken sich mit jedem neuen unguten Auftritt, der Glauben in die eigene Stärke schwindet in dem Maße, in dem beim Kontrahenten die Selbstsicherheit wächst. So entsteht ein Ungleichgewicht, das auf dem Feld sichtbar wird. Da ist der Trainer nicht nur als Fußballfachkraft gefragt, sondern als Pädagoge, als Aufbauhelfer. Hütter kann das, er hat ein Umfeld mit Menschen, die in der Sportpsychologie tätig sind, wie Jörg Zeyringer, der in Salzburg sein Nachbar ist und mit dem er schon zwei Bücher geschrieben hat, unter anderem „die elf Gesetze der Motivation im Spitzenfußball“. Bisher ist ihm aber nicht gelungen, sein Team so einzustellen, dass es die Angst und die Beklemmung ablegt.

Eintracht Frankfurt tritt im heimischen Waldstadion ganz anders auf

Und natürlich ist das Dilemma auch eine Frage der generellen Qualität. Die Eintracht hat nicht die fußballerische Klasse, um sich auswärts qua ihrer spielerischen Fähigkeiten zu befreien und in Szene zu setzen. Sie kann nur erfolgreich sein, wenn sie geschlossen auftritt, gemeinsam attackiert und den Gegner unter Druck setzt. Das aber traut sich die Mannschaft in fremden Stadien nicht, da weicht sie zurück, reagiert nur und wartet ab. Man habe in Leverkusen „nicht synchron und kompakt“ auf dem Platz gestanden, sagte Hütter. Und wenn dann, wie unterm Bayer-Kreuz, Filip Kostic abgemeldet ist, hat die Mannschaft keine Möglichkeit, um schnell umzuschalten und nach vorne zu kommen.

Dazu sind zu viele defensiv denkende Spieler auf dem Feld, weshalb die Offensivakteure zumeist abgeschnitten sind und in der Luft hängen. Gemeinsames Angreifen und Verteidigen – das sieht anders aus. Die Balance stimmt nicht, die Mannschaft wirkt nicht austariert, nicht im Einklang. Das ganze Gebilde ist in sich nicht stimmig. „Wir spielen nach vorne nicht gut Fußball“, findet Hütter. Das ganze Spiel ist unrund, zu zappelig und unsauber, die Durchschlagskraft fehlt – elf Tore in zwölf Auswärtsspielen sind mickrig. Wucht, Tempo und Draufgängertum sind aus dem Frankfurter Spiel gewichen. 

Eintracht Frankfurt zu Hause und auswärts – das sind zwei verschiedene Mannschaften

„Da waren wir letzte Saison besser“, bemerkt der Coach. „Da hatten wir nach vorne eine andere Entlastung.“ Und – Stichwort Büffelherde – ganz andere Offensivspieler. Weil nun aber vorne und auf dem Weg dorthin zu wenig passiert und der Ball zu schnell wieder weg ist, geraten die Defensivakteure häufig unter Druck. Zum Glück hat Eintracht Frankfurt in dieser Woche wieder zwei Heimspiele vor der Brust, am Donnerstag in der Europa League gegen den FC Basel, dann am Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach. Danach aber stehen zwei Auswärtspartien an, in Basel – und beim FC Bayern. Nicht sehr wahrscheinlich, dass just da diese Horrorserie der Eintracht reißt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare